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Byblis - die Regenbogenpflanze

Taylor Lagoon - Byblis filifolia Byblis filifolia Taylor Lagoon - Byblis filifolia
Byblis filifolia - Taylor Lagoon Byblis filifolia Byblis filifolia - Taylor Lagoon
Allgemeines

Die Gattung Byblis besteht derzeit aus sieben Arten. Es handelt sich bei der Gattung, mit der Ausnahme von Byblis gigantea und Byblis lamellata, um einjährige Pflanzen, die nur während der australischen Regenzeit wachsen.

Der Status als karnivore Pflanzengattung wurde immer wieder in Frage gestellt. Siegfried und Irmgard Hartmeyer zeigten 1997 durch einen einfachen Test, dass Byblis liniflora keine eigenen Enzyme produziert (Hartmeyer, 1997). 2005 führten sie diesen erneut Test erneut, diesmal allerdings an Byblis filifolia durch, und konnten für diese Art eine Enzymproduktion nachweisen(Hartmeyer, 2005). Nur kurze Zeit später gelang es einer Gruppe um Bartek Plachno von der Universität Krakow auch in Byblis liniflora Enzymproduktion nachzuweisen (Plachno et. al, 2006).

In diesem Zusammenhang von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass auf allen Byblis-Arten Wanzen leben. Es handelt sich dabei um Raubwanzen, die sich von den Insekten, die die Pflanze fängt ernähren. Die Ausscheidungen dieser Tiere bleiben auf der Pflanze zurück. Daher ist anzunehmen, dass hier eine echt Symbiose zwischen den Wanzen und der Pflanze vorliegt. Die Wanzen profitieren von den gefangenen Insekten, die Pflanze verwertet im Gegenzug die Ausscheidungen der Insekten.

Die beiden sehr nah verwandten Arten Byblis gigantea und Byblis lamellata haben eine Eigenart gemeinsam. Beide Pflanzen besitzen Blüten, die ihren Pollen erst dann freigeben, wenn die Staubbeutel durch das hohe Geräusch eines fliegenden Insekts stimuliert wurden (so genannte Buzz-Pollination, oder Vibrationsbestäubung auf Deutsch). Ansonsten sind sich die beiden Arten sehr ähnlich und unterscheiden sich fast ausschließlich anhand der Samenform (Lowrie, 2002)

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet ist, mit Ausnahme von Byblis gigantea und Byblis lamellata auf das nördliche Australien beschränkt. Lediglich von einer Art, vermutlich Byblis filifolia, sind Funde außerhalb Australiens (Indonesien und Papua-Neuguinea) bekannt. Die Aufsammlungen wurden zu einer Zeit gemacht, in der man dachte, die Gattung würde nur aus Byblis liniflora und Byblis gigantea bestehen. Daher konnte noch nicht abschließen geklärt werden, um welche Byblis-Art es sich dabei handelt (McPherson, 2008).

Typischerweise wachsen die Pflanzen in den heißen Gebieten im Norden Australiens. Auch hier bilden Byblis gigantea und Byblis lamellata die Ausnahme. Diese beiden Arten wachsen endemisch im Großraum von Perth.

Kultur

Die Kult von Byblis gigantea und Byblis lamellata ist grundsätzlich unterschiedlich von der der restlichen Pflanzen der Gattung.

Byblis gigantea und Byblis lamellata sind mehrjährige, krautige Pflanzen. Diese beiden Arten legen während des heißen Sommers eine Ruhepause durch, in der sie oberirdisch vollständig absterben. In der kommenden Saison treiben sie dann aus den Wurzeln wieder neu aus. Ich selbst kultiviere bisher lediglich Byblis gigantea seit Mitte 2012 und kann daher noch keine verlässlichen Angaben zur Kultur machen.

Alle anderen Arten sind einjährige Pflanzen. Sie müssen jedes Jahr aufs Neue ausgesät werden. Ich säe meistens gegen Ende März im Gewächshaus aus. Die Keimung findet ein paar Wochen später statt. Es empfiehlt sich die kleinen Sämlinge zu Beginn etwas zu füttern, damit sie ein wenig schneller wachsen. Dazu eignet sich getrocknetes Fischfutter in der kleinsten Körnung recht gut. Byblis-Arten aus dem tropischen Norden möchten es gerne so heiß wie möglich haben. Optimal sind Temperatur tagsüber von etwa 30°C. Als Substrat empfiehlt sich eine stark sandige Torf/Sand-Mischung. Die Topfgröße sollte nicht zu klein gewählt werden, die Pflanzen bekommen zum Teil recht starke Wurzelsysteme.

Vermehrung

Alle Arten lassen sich gut über Samen vermehren. Allerdings sind bei der Keimung teilweise auf Feuer angewiesen. Daher sollte man die Samen am besten mit Smoke Pads oder GA3 vorbehandeln. Byblis liniflora und Byblis filifolia habe ich allerdings bereits ohne Vorbehandlung zum Keimen gebracht. Nach der Keimung wachsen sie sehr schnell zu großen Pflanzen heran.

Zur Samengewinnung sollte man, falls vorhanden, zwei genetisch verschiedene Pflanzen kreuzen, da es sich oftmals um selbststerile Pflanzen handelt.

Zumindest bei Byblis filifolia hatte ich bereits mit Kopfstecklingen Glück, als mir eine Pflanze aus Versehen abgebrochen ist. Das verbliebene Kopfstück habe ich einfach neu eingetopft. In wie fern sich diese Methode allerdings zur gezielten Vermehrung eignet mag ich nicht beurteilen zu wollen.


Literatur

Hartmeyer, I. & Hartmeyer, S.R.H., 1997: Carnivory in Byblis liniflora revisited (I): A simple method for enzyme testing on carnivorous plant, Carnivorous Plant Newsletter, 26: 39-45

Hartmeyer, I. & Hartmeyer, S.R.H., 2005: Byblis filifolia als echte Karnivore rehabilitiert, Das Taublatt, 2005/3 04-05

Lowrie, A., 2002: A revision of Byblis (Byblidaceae) in south-western Australia, Nuytsia 15(1):11-19 (2002)

McPherson, 2008: Glistening Carnivores The Sticky Leaved Insect Eating Plants, America, Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-0955891816

Plachno et al, 2006: Fluorescence Labelling of Phosphatase Activity in Digestive Glands of Carnivorous Plants, Plant Biology 8, 813-802