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Drosera - der Sonnentau

Drosera cistiflora Malmesbury - Drosera pauciflora Drosera cistiflora
Drosera cistiflora Drosera pauciflora - Malmesbury Drosera cistiflora
Allgemeines

Drosera zählen zu den sogenannten Klebfallen. Auf den Blattspreiten bilden die Pflanzen gestielte Tentakel aus, auf deren Kopf sich kleine Klebetropfen befinden. Landet ein Insekt auf diesen Tropfen, bleibt es daran hängen. Durch den Versuch, sich wieder zu befreien verfängt es sich immer mehr. Die Pflanze ist nun in der Lage Verdauungsenzyme auszuscheiden, und das dadurch zersetzte Tier aufzunehmen.

Die Anzahl der beschriebenen Arten ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Der Literatur kann man folgende Zahlen entnehmen:

1998: etwa 130 Arten (D’Amato, 1998)
1999: 138 Arten (Carow/Fürst, 1999)
2005: 152 Arten (Carow, 2005)
2006: 171 Arten (Rice, 2006)
2008: 188 Arten (McPherson 2008)

Mittlerweile ist die Anzahl auf über 200 Arten angestiegen. Die Anzahl wird sich in den nächsten Jahren sicher weiter kontinuierlich erhöhen.

Eine besondere Problematik ergibt sich dadurch, dass sich viele Arten extrem ähnlich sehen. Dies ist insbesondere bei den Drosera aus Südafrika der Fall. Hier tun sich sogar Experten schwer damit die Pflanzen auseinander zu halten. Oftmals muss man feststellen, dass es sich nicht um die Pflanze handelt, die man eigentlich haben möchte, sondern um z.B. Drosera spatulata. Die Problematik verschärft sich noch dadurch, wenn dies nicht früh genug erkannt wird und Pflanzen an andere Sammler weitergegeben werden. Daher sollte man lieber einmal zu viel, als zu wenig, die Identität seiner Pflanzen in Frage stellen.

Vorkommen und Wachstumstypen

Drosera kommen auf allen Kontinenten, mit Ausnahme der Antarktis, vor. Das Hauptverbreitungsgebiet liegt auf der Südhalbkugel. Hier sind insbesondere Australien, Südafrika und Brasilien zu nennen. Drosera besiedeln die unterschiedlichsten Habitate. So gehören Urwälder, sommertrockene Gebiete und Moore zu den typischen Habitaten.

Im Laufe der Evolution haben Drosera die verschiedensten Wachstumsformen angenommen. Eine interessante Gruppe dieser Gattung sind die sogenannten Knollendrosera. Sie kommen fast ausschließlich in Australien vor und kennzeichnen sich dadurch, dass sie den heißen australischen Sommer unterirdisch als Knollen (botanisch gesehen sind es übrigens eigentlich Zwiebeln) überdauern.

Eine weitere Gruppe australischer Drosera sind die sogenannten Zwergdrosera. Wie der Name bereits sagt handelt es sich hierbei um besonders kleine Vertreter dieser Gattung. Wie auch bei den Knollendrosera ist ihr Verbreitungsgebiet fast ausschließlich auf Australien beschränkt. Sie wachsen dort meist auf Sand- oder Lateritböden. Auch diese Pflanzen machen größtenteils eine Sommerruhe. Allerdings bilden sie hierfür keine Knollen aus. Die Pflanzen stoppen im Sommer das Wachstum und bilden statt neuer Blätter eine dicht behaarte Rosette aus, mit deren Hilfe sie die Pflanzenmitte vor der drohenden Austrocknung schützen. Eine weitere Besonderheit dieser Gruppe ist die Eigenschaft, im Winter Brutschuppen auszubilden. Dabei handelt es sich um kleine grüne Schuppen, die in der Pflanzenmitte gebildet werden. Sie stehen etwas unter Druck und werden, z.B. beim nächsten Regen, in der Gegend verteilt. Aus jeder einzelnen Brutschuppe kann wieder ein, zur Mutterpflanze identische, neue Pflanze heranwachsen.

Eine ganz ähnliche Methode zur Übersommerung wendet eine weitere Gruppe australischer Drosera an. Bei den sogenannten Petiolaris-Drosera handelt es sich um eine Gruppe von Pflanzen, die ausschließlich den heißen Norden Australiens zu finden sind. Die meisten Vertreter sind stark behaart und bilden an einer Rosette lange Blattstiele aus, an deren Spitze lediglich ein kleines Fangblatt sitzt. Die Sommerzeit in dieser Gegend ist von extremer Trockenheit geprägt. Die Pflanzen sterben während dieser Zeit bis auf die stark behaarte Pflanzenmitte ab und überdauern so, bis zum nächsten Regen.

Der australische Bundesstaat Queensland ist Heimat drei besonderer, eng verwandter Drosera, Drosera adelae, Drosera prolifera und Drosera schizandra. Im Gegensatz anderen Drosera wachsen diese Pflanzen an dunklen Standorten im Regenwald.

Die einjährigen Pflanzen des Indica-Komplexes kommen im Norden von Australien und Teilen Asiens und Afrikas vor. Sie wachsen unter anderen in ähnlichen Gegenden wie die Petiolaris-Drosera. Den heißen Sommer überstehen sie als Samen. Derzeit umfasst diese Art noch eine Reihe verschiedenster Pflanzen, die sich durch einen unverzweigten, je nach Form 5-70cm hohen Stängel aus. Aus diesem Stängel wachsen verhältnismäßig lange Blätter heraus. An diesem Komplex wird derzeit stark geforscht. Im besonderen Fokus stehen die von einem Teil der Pflanzen gebildeten Emergenzen. Aufgrund dieser Emergenzen wurde die bisher einzige Art, Drosera hartmeyerorum, abgespalten. Weitere Untersuchungen dieses Komplexes werden vermutlich in einer ganzen Reihe neuer Arten enden.

Südafrika ist Heimat einiger sehr interessanter Drosera. Eine sehr interessante Gruppe ist der Cistiflora-Komplex. Diese Gruppe bringt die größten, und für viele die schönsten, Blüten der Gattung hervor. Auch sie müssen mit Trockenheit im Sommer klarkommen. Dazu bilden diese Pflanzen dicke Speicherwurzeln aus. Im Sommer sterben die Pflanzen komplett ab und treiben erst im kommenden Winter wieder aus den Wurzeln aus. Neben dieser Gruppe gibt es dort auch Pflanzen, die ganzjährig durchwachsen, z.B. Drosera aliciae und Drosera capensis aus West-Südafrika. Diese Pflanzen sind sehr beliebte Anfängerpflanzen und oftmals der Start zu einer größeren Sammlung.

Brasilien beherbergt einige sehr interessante Vertreter dieser Gattung. Auch hier gibt es wieder Pflanzen, die mit heißen Sommern zu kämpfen haben, so z.B. Drosera hirtella var. lutescens. Diese Pflanzen stirbt ähnlich wie Drosera cistiflora im Sommer bis auf die Wurzel ab und treibt aus dieser erst wieder aus, wenn sich die Bedingungen verbessert haben. In Kultur beliebte Arten aus Brasilien sind z.B. Drosera ascendens und Drosera tomentosa. Auch an den brasilianischen Drosera wird derzeit stark geforscht und es ist noch mit einigen neuen Arten zu rechnen.

In europäischen Mooren kann man drei Arten, Drosera rotundifolia, Drosera intermedia und Drosera anglica finden, letztere ist aber recht selten. Im Gegensatz zu den Pflanzen auf der Nordhalbgukel müssen sich diese Pflanzen vor Frost schützen. Dazu stellt die Pflanze zu Winterbeginn das Wachstum ein und bildet stattdessen eine Überwinterungsrosette, ein sogenanntes Hibernakel, aus.

Kultur

So unterschiedlich wie die Pflanzen selbst, sind auch die Kulturansprüche. Es ist daher nicht möglich allgemein gültige Kulturanweisungen für alle Pflanzen dieser Gattung zu geben. Die folgenden Angaben sind daher auch nur als grober Hinweis zu sehen.

Zwergdrosera

Zwergdrosera mögen warme Sommer und kühle, frostfreie Winter. Sie sind sehr lichthungrig, im Winter ist Zusätzlich empfehlenswert. Sollten die Pflanzen im Sommer einziehen, sollte man die Töpfe trockener halten. An die Luftfeuchtigkeit scheinen die Pflanzen keine besonderen Ansprüche zu haben. Aufgrund der langen Wurzeln sind tiefe Töpfe empfehlenswert.

Knollendrosera

Die Kultur von Knollendrosera ist leider nicht ganz so leicht. Sie wachsen lediglich im Winter, im Sommer ziehen sie sich in Knollen zurück. Während dieser Zeit können sie schnell verrotten, falls sie zu feucht stehen. Daher sollte man im Frühjahr, wenn die Pflanzen beginnen abzusterben, das Gießen schrittweise reduzieren und schließlich ganz einstellen. Gegen Herbstbeginn kann man langsam wieder mit dem Gießen beginnen. Während ihrer Wachstumsphase möchten die Pflanzen gerne frostfrei und sehr hell stehen. Für diese Gruppe sind tiefe Töpfe empfehlenswert, da sich das Mikroklima in großen Töpfen besser regulieren lässt.

winterwachsende südafrikanische Drosera

Für die Kultur von Pflanzen dieser Gruppe gelten dieselben Ansprüche wie für Knollendrosera. Allerdings sollten sie auch im Sommer nie ganz staubtrocken stehen. Die Wurzeln können ebenso schnell verschimmeln, wie austrocknen. Diese Tatsache macht die Kultur dieser Pflanzen noch etwas schwerer als die der Knollendrosera. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl angesagt.

immergrüne südafrikanische Drosera

Hierunter fallen Arten wie z.B. Drosera capensis und Drosera aliciae. Die Pflanzen sind relativ anspruchslos und können oft schon auf einer hellen Südfensterbank zufriedenstellend kultiviert werden. Ein kühler Winter wirkt sich zwar positiv aus, ist aber nicht zwingend notwendig. Ganzjährige Zimmertemperatur mit leicht erhöhter Luftfeuchte und gutem Licht ist für diese Arten ausreichend.

brasilianische Drosera

Hier muss man unterscheiden, zwischen Arten, die ganzjährig wachsen, oder solchen mit Ruhephasen. Arten ohne Ruhephase, wie z.B. Drosera ascendens oder Drosera tomentosa sind nicht sonderlich kompliziert zu kultivieren. Die Pflanzen mögen ganzjährig warm stehen, kältere Winter werden aber zum Teil auch problemlos vertragen. Die Luftfeuchte sollte immer etwas erhöht sein.

Die Kultur der Arten mit Ruhephase, z.B. Drosera montana oder Drosera hirtella var. lutescens ist wesentlich komplizierter. Hier gilt es die Pflanzen während der Ruhephase nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken zu halten.

Petioalaris-Drosera:

Petiolaris-Drosera stammen aus dem Norden Australiens. Daher mögen sie es ganzjährig sehr heiß. Die Pflanzen neigen dazu von Zeit zu Zeit in Sommerruhe zu gehen. Während dieser Zeit sollte man die Pflanzen etwas trockener halten.

Drosera von den Tepuis

Hierbei handelt es sich um echte Hochlanddrosera, die auch entsprechende Bedingungen benötigen. Drosera arenicola oder Drosera hirticalyx gehören z.B. in diese Gruppe. Die Temperaturen am Tag sollten nicht zu hoch werden, optimal sind immer knapp unter 30°C. Nachts mögen diese Pflanzen gerne etwas kühler stehen, um die 15°C scheint ein guter Wert zu sein. Die Pflanzen benötigen sehr viel Licht, die Luftfeuchte sollte immer etwas erhöht sein.

Queensland-Drosera

Die drei Arten dieser Gruppe sind bei weitem nicht so lichthungrig wie der Rest der Gattung. Sie möchten gerne ganzjährig mehr oder weniger warm und luftfeucht stehen. Ein Terrarium ist der optimale Platz für diese Pflanzen.

europäische und nordamerikanische Drosera

Diese Pflanzen benötigen einen sehr kalten Winter. Sie lassen sich nicht durchkultivieren und werden ohne entsprechende Winterruhe früher oder später eingehen. Frost stellt für sie nur ein geringes Problem dar. Die Pflanzen wachsen nur über den Sommer und überdauern den Winter in ein Hibernakel zurückgezogen. Moorbeete oder große Kübel, die ganzjährig draußen stehen sind für die Kultur optimal.

Vermehrung

Die meisten Drosera lassen sich problemlos über Samen vermehren. Drosera sind Lichtkeimer, daher sollte man die feinen Samen nur auf das Substrat auflegen und keinesfalls mit Substrat abdecken. Die Keimdauer variiert von Art zu Art.

Einige Arten keimen nicht ohne weiteres. Arten, die eine Sommerruhe machen benötigen in der Regel eine Vorbehandlung. In der Natur keimen diese Arten oftmals erst nach einem Buschbrand. Diese muss man in Kultur nachahmen. Dazu kann man z.B. eine Vorbehandlung mit Smoke Pads oder GA3 durchführen.

Arten mit Winterruhe benötigen eine kalte Vorbehandlung zum Keimen. In der Natur fällt der Samen im Herbst aus und bleibt den ganzen kalten Winter liegen, um dann im Frühjahr bei Anstieg der Temperaturen zu keimen. Dies kann man simulieren, indem man die Aussaattöpfe (bzw. die Samen vor der Aussaat) für ein paar Wochen in den Kühlschrank legt. Am einfachsten ist es aber die Töpfe einfach über den Winter nach draußen zu stellen und auf die Keimung im Frühjahr zu warten.

Knollendrosera bilden regelmäßig Tochterknollen. Diese Knollen kann man im Sommer ausgraben und separat eintopfen. Leider bildet nicht jede Art jedes Jahr eine Tochterknolle, so dass die Vermehrung dieser Arten oftmals recht langwierig ist.

Zwergdrosera lassen sich am einfachsten im Winter über Brutschuppen vermehren. Dazu muss man die kleinen Kügelchen im Winter lediglich absammeln und auf einen neuen Topf legen. Die Brutschuppen fangen kurze Zeit später an zu wachsen.

Wurzelschnittlinge funktionieren bei vielen Arten recht gut. Dazu schneidet man die Wurzel in etwa fünf Zentimeter große Teilstücke und topft diese neu ein. Wenige Wochen später kann man die kleinen Pflanzen an der Substratoberfläche sehen.

Schädlinge

Leider können Drosera auch von Schädlingen befallen werden. Blattläuse sind die häufigsten Plagegeister. Für mich hat sich Provado von Bayer (Wirkstoff Imidacloprid) als sehr wirksam bewiesen.

Literatur

Carow, T., Fürst, R. 1999: Fleischfressende Pflanze – Artenübersicht – Kultur - Vermehrung, Verlag Thomas Carow , ISBN: 3-9801839-1-2

Carow, T., 2005: Fleischfressende Pflanze – faszinierende Fallenstellter, Germany, Franckh-Kosmos Verlags-GmBH & Co.KG, Stuttgart , ISBN: 3-440-10176-2

McPherson,S., 2008: Glistening Carnivores The Sticky Leaved Insect Eating Plants, America, Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-0955891816

Rice, B., 2006 Growing Carnivorous Plants, USA, Timber Press, ISBN: 978-0881928075