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Genlisea - die Reusenfalle

Cerro Huachamacari - Genlisea roraimensis Grão Mogol, Minas Gerais - Genlisea violacea Grão Mogol, Minas Gerais - Genlisea violacea
Genlisea roraimensis - Cerro Huachamacari Genlisea violacea - Grão Mogol, Minas Gerais Genlisea violacea - Grão Mogol, Minas Gerais
Allgemeines

Die Gattung Genlisea besteht derzeit aus 29 Arten (Fleischmann, 2012). Benannt wurde sie von Auguste Francois César Prouvencal de Saint Hilaire (1779 - 1853) nach Stéphanie-Félicité du Crest de Saint-Aubin de Genlis (1746 - 1830). Über Genlisea war lange Zeit nicht sehr viel bekannt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren nur eine handvoll Arten beschrieben. Viele Arten wurden erst nach 1990 beschrieben. Das Interesse an der Gattung war lange Zeit nicht sonderlich groß.

Es ist unter anderem Leuten wie Prof. Dr. Barthlott von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, Fernando Rivadavia aus Brasilien und allen voran Dr. Andreas Fleischmann von der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu verdanken, dass das Wissen und Verständnis über die Gattung in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Die 2012 erschienene Monografie der Gattung Genlisea von Andreas Fleischmann ist das aktuellste und vollständigste Werk, das es zu dieser Gattung gibt und jedem Interessierten dringend zu empfehlen!

Leider fristen Genlisea noch immer ein Schattendasein in vielen Karnivorensammlung. Dies ist mit Sicherheit der Tatsache zu verdanken, dass man den Beutefang, ähnlich den Utricularia, nicht beobachten kann. Die zum Teil sehr attraktiven Blüten können das offenbar nicht kompensieren.

Genlisea kommen als mehr- oder einjährige Pflanzen vor Oberflächlich gesehen ähneln Genlisea den Utricularien. Oftmals sieht man nur ein paar rosettenartig angeordnete Blätter über der Erde. Die Blüte entspringt der Rosettenmitte und sieht einer kleinblütigen Utricularia durchaus ähnlich. Unterscheiden kann man die beiden Gattungen anhand der Blüte sehr einfach. Genlisea bildet immer fünf Kelchblätter aus, bei Utricularia sind es immer nur zwei.

Eine Art, Genlisea tuberosa, bildet sogar Knollen aus, mit der Hilfe sie die Trockenzeit, analog zu den Knollendrosera, übersteht.

Die unterirdischen Fangorgane von Genlisea sind einzigartig. Es handelt sich dabei nicht um Wurzeln, sondern eher um modifizierte Blätter (Fleischmann, 2012). Diese so genannten Rhizophylle erfüllen gleich mehrere Aufgaben. Zum einen verankern sie die Pflanzen im Boden, zum anderen werden damit Kleinstlebewesen zwecks Zuführung von Nährstoffen gefangen. Außerdem wurde nachgewiesen, dass die Pflanzen mit ihrer Hilfe auch Nährstoffe aus dem Boden direkt aufnehmen können (Adamec, 2008).

Das Aussehen der Fangorgane unterscheidet sich in den einzelnen Arten kaum. Von der Rosette aus beginnend werden zuerst kleine Stiele gebildet. An diesen Stielen gibt es jeweils eine verdickte Stelle, die als eine Art „Magen“ angesehen werden kann. Dort werden die gefangenen Tierchen verdaut. Nach der Verdauungskammer wird der Stiel hohl und gabelt sich im weiteren Verlauf in zwei Teile, die von da an korkenzieherartig aufgedreht sind. Insgesamt haben die Rhizophylle das Aussehen eines umgedrehten Ypsilons. Entlang den Windungen besitzen die Rhizophylle Öffnungen, durch die Kleinstlebewesen in den hohlen Bereich des Stiels gelangen können. Nach vorne gerichtete Härchen verhindern das Entkommen der Beute und sorgen dafür, dass sich die Beute nur in Richtung der Verdauungskammer bewegen kann.

Auf Grund der kleinen Öffnungen in den Rhizophyllen kann Genlisea nur sehr kleine Beutetiere fangen. Zu ihrer Hauptbeute gehören Protozoen (Barthlott, 1998), Nematoden, Copepoden, Springschwänze und Metazoa (Fleischmann, 2012). Interessanterweise wurde auch eine ganze Reihe Algen, sowie einige Bakterien in den Fallen gefunden.

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass Genlisea aurea das kleinste bekannte Genom aller bedecktsamigen Pflanzen besitzt (Greilhuber et al. 2006).

Naturvorkommen

Genlisea kommen in Afrika und Süd- und Mittelamerika vor. Keine der Arten kommt auf zwei Kontinenten vor.

Typische Habitate in Afrika sind z.B. die sogenannten Inselberge, eine plötzliche Erhebung in einer ansonsten flachen Landschaft. Die Bedingungen auf solchen Bergen unterscheiden sich grundliegend von denen im Flachland, so dass sich auf diesen Bergen eine ganz eigene Flora ausgebildet hat.

Auch auf den Tepuis in Venezuela kann man Genlisea finden. Eine Art, die ausschließlich auf den Tepuis vorkommt und sogar nach dem wohl bekanntesten (dem Mt. Roraima) benannt ist ist Genlisea roraimensis

Brasilien, insbesondere die Bundesstaaten Minas Gerais, Mato Grosso und Esperito Santo, ist ein weiterer Hotspot dieser Gattung. Typische Arten aus diesem Gebiet sind die Pflanzen aus dem Genlisea violacea-Komplex.

Kultur

Einige Arten sind erstaunlich einfach zu kultivieren. Hier sind z.B. die Arten aus dem Genlisea violacea-Komplex und Genlisea hispidula zu nennen. Diese Arten sind oftmals nicht schwerer zu kultivieren als einfach Utricularia wie z.B. Utricularia livida oder Utricularia sandersonii. Hier ist oftmals ein helles Fensterbrett ausreichend.

Generell mögen Genlisea es gerne nass, warm und hell. Daher sind sie perfekt für Terrarien geeignet. Die Pflanzen lassen sich sehr gut unter Kunstlicht kultivieren. Die Temperaturen liegen optimalerweise immer über 20°C, nachts kann es auch etwas darunter sein. Pflanzen aus Hochlagen, wie z.B. Genlisea roraimensis möchten gerne eine Nachtabsenkung haben.

Die mehrjährigen Arten lassen sich recht gut durch Teilung vermehren. Dazu bricht man eine ältere Pflanze auseinander und topft die beiden Teilstücke neu ein.

Die Vermehrung über Samen funktioniert bei einigen Arten recht gut. Insbesondere Genlisea hispidula und die Arten des Genlisea violacea-Komplex sind hier zu nennen.

Die einjährigen Arten lassen sich nur über Samen vermehren. Hier ist zu beachten, dass sie relativ schwer zum Keimen zu bringen sind.

Literatur

Adamec, L., 2008: Soil fertilization enhances growth of the carnivorous plant Genlisea violacea, Biologia 63/2: 201—203, 2008

Barthlott, W., Porembski, S., Fischer, E., Gemmel, B. 1998: First protozoa-trapping plant found, Nature 392, p. 447, 1998

Fleischmann, A., 2012: Monograph of the Genus Genlisea, Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-1-908787-00-2

Greilhuber,J., Borsch,T., Müller,K., Worberg,A., Porembski,S., Barthlott,W. 2006: Smallest Angiosperm Genomes Found in Lentibulariaceae, with Chromosomes of Bacterial Size, Plant Biology, 8:770-777, 2006