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Westaustralien 2011

09.09.2011 bis 30.09.2011

Nach Südafrika und den USA stand nun eine weitere Reise mit dem Schwerpunkt Karnivoren an. Dieses Mal sollte es nach Australien gehen. Australien ist eines der Hauptverbreitungsgebiete der Gattung Drosera.

Sonnenuntergang in der Stirling Range
Die meisten Knollen- und Zwergdrosera stammen von dort. Daneben gibt es dort noch jede Menge Utricularia-Arten. Außerdem sind die Gattungen Byblis und Cephalotus dort heimisch.

Unsere Reise sollte nach Südwestaustralien, in die Gegend von Perth bis Esperance gehen. Dort hofften wir diverse Knollendrosera, Utricularia, sowie Byblis gigantea und Cephalotus follicularis zu sehen.

Australien ist außerdem noch Heimat einiger sehr interessanter Orchideen. Eine Gruppe Orchideen hat dort die Eigenschaft entwickelt, die trockenen Sommer mit Hilfe von unterirdischen Knollen, also genau wie Knollendrosera, zu überstehen. Einige davon entwickelten ganz eigene Blütenformen und Farben. Hier seien vor allem die Lackorchideen der Gattung Elythranthera sowie die so genannten Spiderorchids der Gattung Caladenia genannt. Diese wollten wir uns auch gerne ansehen.

Neben den Pflanzen erhofften wir uns auch das ein oder andere landestypische Tier, wie z.B. das Känguru zu sehen. Australien ist ja auch bekannt für eine ganze Reihe an giftigen und gefährlichen Tieren.

der Wave Rock bei Hyden
Mit etwas Sorge darüber machten wir uns auf den Weg. Zum Glück stellte sich heraus, dass unsere Sorgen größtenteils unberechtigt waren.

Landschaftlich hat Westaustralien auch einiges zu bieten. Neben einer langen Küste mit wunderschönen Buchten gibt es im Landesinneren auch bergige Regionen wie z.B. die Stirling Range zu bewundern. Des Weiteren wollten wir gerne den Wave Rock bei Hyden sehen. Diese Steinformation aus Granitfelsen hat, bedingt durch Verwitterung, im Laufe der Jahrmillionen die Form einer Welle angenommen. Dies ist eine der wenigen touristischen Attraktionen dieser Gegend.

Nach einer längeren und komplizierteren Vorbereitungsphase ging es am 09.09.2011 los. Neben mir nahmen noch Nicole Rebbert, Claus-Jürgen Lenz und Bernd Weilbrenner teil.

Am Abend des 09.09.2011 fanden wir uns alle auf dem Flughafen in Frankfurt ein. Es sollte endlich losgehen! Der Flug nach Perth war mit insgesamt 18 Stunden und 30 Minuten angesetzt. In Singapur mussten wir einmal umsteigen. Es verlief alles ohne Probleme, so dass wir gegen Mitternacht auf dem Flughafen in Perth landeten. Mit einem Taxi ließen wir uns noch in unsere Unterkunft bringen und fielen dann müde ins Bett.

Tag 1: Perth

11.09.2011

Die erste Nacht haben wir alle gut geschlafen, da wir durch den Flug recht müde waren. Wir kamen am Vorabend etwa um Mitternacht Ortszeit an und waren daher am anderen Morgen zu einer vernünftigen Zeit wach. Der Jetlag war bereits kaum noch vorhanden.

Skyline
Unseren Mietwagen konnten wir erst kommenden Tag abholen, daher wollten wir diesen Tag nutzen, um etwas zu akklimatisieren und um uns die Stadt Perth etwas anzuschauen.

Da unser Hotel in Nähe der Innenstadt lag machten wir uns per Fuß auf dem Weg. Als erstes suchten wir nach einem Café, da wir gerne noch etwas frühstücken wollten. Die Innenstadt von Perth besteht aus Gebäuden aus dem frühen 20. Jahrhundert, sowie aus diversen modernen Hochhäusern, die direkt nebeneinander liegen. Die Stimmung in der Stadt war sehr angenehm und entspannt. Das tolle Frühlingswetter tat das Übrige.

Nach dem Frühstück liefen wir durch beiden Hauptstraßen im Stadtzentrum. Wir suchten nach der Touristeninformation.

Perth
Nach einiger Zeit fanden wir sie dann schließlich. Offensichtlich war sie umgezogen und daher nicht mehr in der Straße, die in unserem Reiseführer angegeben war. Dort kauften wir einige Karten und einen Pass für die Naturreservate. In einem auch sonntags geöffneten Geschäft kauften wir noch etwas Bushman Plus. Dieses Insektenspray sollte uns in den kommenden Tagen gute Dienste erweisen.

Nachdem wir das erledigt hatten liefen wir etwas entlang des Swan Rivers. Als erstes trafen wir auf den Swan Bell Tower, einem sehr modern aussehenden Glockenturm, bevor wir schließlich im Kings Park ankamen. Dieser Park liegt auf einem kleinen Hügel, so dass man von dort aus schöne Ausblicke auf dem Fluss und die Stadt hat. In ihm befindet sich auch der Botanische Garten von Perth.

Town Hall
Der Garten ist in einzelne Gebiete mit typischen Pflanzengesellschaften Australiens und dem Rest der Welt gegliedert.

Am frühen Abend gingen wir zurück zu unserem Appartement. Auf dem Weg dorthin konnten wir einige Papageien in den Palmen direkt an der Straße beobachten. Diese bunten Vögel werden von den Einheimischen Rainbow Lorikeet genannt.

Zum Abendessen begaben wir uns in den Stadtteil Northbridge. Es war gar nicht so einfach, ein geöffnetes Restaurant zu finden. Zu unserer Überraschung waren viele der Restaurants tatsächlich geschlossen. Schließlich fanden wir noch ein Steakrestaurant, so dass wir nicht hungern mussten. Karnivoren hatten wir an diesem Tag noch nicht gesehen, aber das war auch nicht unsere Erwartung.

Tag 2: Fahrt von Perth nach Cervantes

12.09.2011

Die erste Aufgabe des Tages war es, unseren Mietwagen abzuholen. Da die Mietwagenstation etwas außerhalb Perths lag, bestellten wir uns ein Taxi um dorthin zu fahren. Im Vorfeld der Reise hatten wir uns bereits einen großen Kombi vorbestellt.

unser Mietwagen
Die Übergabe war problemlos. Zu unserem Auto hatten wir zudem noch die Möglichkeit, etwas Campingausrüstung, wie Kühlboxen, Stühle, einen Tisch und Schlafsäcke zu erhalten. Die Dame von der Autorvermietung riet uns zu den Winterschlafsäcken, da es ja immerhin noch nicht Sommer sei und die Nächte noch recht kalt werden. Da diese Winterschlafsäcke bei uns durchaus als Sommerschlafsäcke durchgehen, entschieden wir uns dann dafür. Endlich konnte die Reise richtig losgehen!

Zuerst wollten wir gerne zum Lake Jandabup fahren. Dieser liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Perth. Laut Allen Lowries Buch (Lowrie, 1998) kommen dort Utricularia volubilis und Utricularia dichotoma vor. Außerdem soll es dort auch Vorkommen von Utricularia gibba geben.

Wir kannten uns ja alle nicht aus, so kam es wohl, dass wir etwas suchen mussten. Schließlich kamen wir aber am See an und begannen mit der Suche nach den Pflanzen. Der Uferbereich war dicht mit Gräsern bewachsen. Dort vermuteten wir die Utricularia. Wir suchten relativ lange, blieben aber leider erfolglos. Zu unserer Überraschung fanden wir im flachen Uferbereich dann aber dennoch unsere ersten Karnivoren in Australien.

An sehr feuchten Stellen, nahe des Ufers wuchsen einige Drosera x sidjamesii, die Hybride aus Drosera patens und Drosera pulchella.

Drosera x sidjamesii mit Brutschuppen
Die Pflanzen standen teilweise sogar unter Wasser. Wir waren etwas überrascht, dass ein Teil der Pflanzen sogar Brutschuppen angesetzt hatte. Zu dieser Jahreszeit hatten wir damit nicht gerechnet!

Die Suche nach den Utricularia-Arten blieb bis zum Ende erfolglos. Später mussten wir dann feststellen, dass wir nicht am Lake Jandabup waren, sondern uns verfahren hatten. In Wirklichkeit waren wir am Lake Gnangara, etwa 5 Kilometer vom Lake Jandabup entfernt. Offensichtlich hatten wir uns mehr verfahren, als wir dachten.

Es folgte nun eine längere Fahrt. Wir wollten gerne noch bis Cervantes fahren, also etwa 250 Kilometer nördlich von Perth. In der Nähe dieses Ortes liegt die bekannte Pinnacle Desert. Diese wollten wir uns gerne anschauen. Die Nacht wollten wir auf dem Caravanpark in Cervantes verbringen.

Auf dem Weg nach Norden machten wir kurz an einem Weingut halt. Als Winzer wollte sich Bernd gerne mal anschauen, wie denn in Australien Wein angebaut wird. Je weiter nördlich wir kamen, um so trockener wurde die Landschaft. In der Nähe von Regans Ford machten wir eine kurze Pause und schauten uns dabei etwas in der Gegend um.

Tatsächlich fanden wir dort einige Karnivoren! Unter großen Büschen konnten wir einige Drosera erythrorhiza finden.

Drosera erythrorhiza
Die Blätter der Pflanzen waren zum Teil mit Sand bedeckt. Neben Drosera erythrorhiza fanden wir auch Drosera glanduligera. Leider waren die kleinen orangen Blüten dieser Art nicht mehr geöffnet. In Kultur gilt Drosera glanduligera als sehr kompliziert, am Standort kommen sie dagegen zu hunderten vor.

Es gab dort auch Zwergdrosera. Hier und da konnten wir Drosera spilos finden. Da die Blüten noch geöffnet waren konnten wir sie recht sicher bereits vor Ort identifizieren.

Als nächstes fiel uns Drosera gigantea ins Auge. Interessant war es zu sehen, wie unterschiedlich entwickelt die Pflanzen waren. Ein Teil der Pflanzen hatte noch keine entwickelten Fangblätter, andere Pflanzen dagegen standen bereits in Blüte. In direkter Nähe zu diesen Pflanzen fanden wir noch eine aufrechtwachsende, kletternde Knollendrosera.

Drosera gigantea
Es handelte sich dabei um Drosera neesii.

Die Pflanzen wuchsen alle in sehr sandigem, gelbbraunem Substrat. Der Boden war teilweise stark mit lateritähnlichen Steinen bedeckt. An einigen Stellen befand sich etwas feiner Humus.

Zu unserer Freude fanden wir hier auch Orchideen. Zum einen fanden wir Elythranthera brunonis, eine Lackorchidee. Die Blüte dieser Pflanze weist eine glänzende Oberfläche auf, die das Sonnenlicht stark reflektiert. Man kann sie in der Tat bereits von weitem erkennen, wenn die Sonne günstig steht. Die Gattung Elythranthera besteht nur aus zwei Arten. Elythranthera brunonis ist die Art mit den dunkleren kräftig lila gefärbten Blüten.

Neben dieser Lackorchidee zum anderen die Spiderorchid Caladenia flava. Diese Pflanze besitzt hellgelb gefärbte Blüten und ist insgesamt nicht ganz so groß wie andere Vertreter dieser Gattung. Außerdem sind die langgezogenen Blütenblätter, die zum Namen "Spiderorchids" führten bei dieser Art nicht so stark bis fast gar nicht ausgeprägt. Pflanzen der Gattung Caladenia bilden übrigens pro Jahr lediglich ein einziges Blatt aus.


Elythranthera brunonis, Drosera glanduligera und Caladenia flava


Am späten Nachmittag kamen wir auf dem Campingplatz in Cervantes an.

Pinnacles
Wir konnten dort eine Cabin bekommen und richteten uns kurz für die kommende Nacht ein. Unsere Cabin war zwar etwas spartanisch ausgerüstet, hatte aber alles, was wir für einen Abend und Nacht brauchten. Da wir keine eigene Dusche und Toilette in der Cabin hatten mussten wir die Gemeinschaftsräume nutzen, die sich auf der komplett anderen Seite des Campingplatzes befanden. Auch waren die Betten nicht bezogen, so dass wir heilfroh waren, unsere Schlafsäcke zu haben. Da wir noch Zeit hatten wollten wir noch direkt in die Pinnacle Dessert fahren.

Die Pinnacle Desert liegt im Nambung Nationalpark und ist dort die Hauptattraktion. Die Pinnacles bestehen aus verdichtetem Kalkstein. Dieser bildete sich aus Pflanzenwurzeln, die in Quarzsand auf einer Kalkschicht wuchsen. Die absterbenden Wurzeln verdichteten den Untergrund. Dort, wo kein Bewuchs war blieb der Boden weicher und wurde im Laufe der Zeit abgetragen. Übrig geblieben sind daher nur noch die Pinnacles, die wir heute sehen. Die höchsten sind bis zu vier Meter hoch.

Wir waren kurz vor Sonnenuntergang dort. Die untergehende Sonne färbte die Landschaft in ein fantastisches orange.

Pinnacle Desert
Die Stimmung an diesem Abend lässt sich schwer in Worte fassen. Die Dämmerung dauerte nicht sonderlich lange. Mit einem tollen Sonnenuntergang brach die Nacht an und wir machten uns auf den Weg zurück zu unserem Auto.

In Nähe des Parkplatzes konnten wir dann noch ein paar Bulldog Ants beobachten. Diese Ameisen werden bis zu 3cm groß und besitzen kräftige Mundwerkzeuge. So große Ameisen hatten wir alle zuvor noch nie gesehen! Auf der Rückfahrt zum Campinglatz konnten wir im Dämmerlicht während der Autofahrt schließlich noch unsere ersten Kängurus sehen.


Sonnenuntergang in der Pinnacle Desert


Nach dem Abendessen drehten wir auf dem Campingplatz noch eine Runde. Die Nacht war sehr klar, so dass wir den Sternenhimmel gut beobachten konnten. Das auffallendste Sternbild am südlichen Sternenhimmel ist das Kreuz des Südens. Es war an diesem Tag sehr gut zu sehen. Wir verbrachten noch einige Zeit mit dem Versuch, es zu fotografieren, bevor wir schließlich zu Bett gingen.

Tag 3: Fahrt von Cervantes nach Burn's Beach

13.09.2011

Der Campingplatz lag direkt am Meer. Daher nutzten wir die Gelegenheit und machten vor der Weiterfahrt einen kleinen Spaziergang am Strand, der sich direkt am Ausgang des Campingplatzes befindet.

Strand des Campingplatzes
Offensichtlich wurde über den Winter sehr viele Algen und Seetang angespült, der Strand war voll damit. Nach einem kurzen Spaziergang bereiteten wir alles für die Weiterfahrt vor. An diesem Tag wollten wir wieder zurück bis in die Nähe von Perth fahren.

In der Nähe von Cervantes liegt der Lake Thetis. In diesem See hat man die Gelegenheit, Stromatolithen zu sehen. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Daher steuerten wir direkt nach der Abfahrt aus dem Campingplatz diesen See an.

Dieser See ist an der größten Stelle etwa 400 Meter breit und auch nur etwa 2-3 Meter tief. Er ist stark salzhaltig und einer der seltenen Orte auf der Welt, wo man noch lebende Stromatolithen finden kann. Stromatolithen sind, vereinfacht gesagt, versteinerte Überreste von sehr alten Bakterienkolonien. Am Lake Thetis ist die oberste Schicht der Stromatolithen immer noch von Bakterien besiedelt, so dass die Bildung dort weitergeht.

Stromatolith
Durch den starken Salzgehalt dieses Sees werden Fressfeinde an der Entwicklung gehindert, so dass die Bakterien auch heute noch wachsen können.

Die Fahrt dorthin dauerte nicht lange. Der See ist von einem stark salzhaltigen moorartigen Gebiet umgeben. Über einen Steg gelangt man etwas in den See hinein. Von dort kann man die Stromatolithen gut sehen. Daneben kann man auch einen Rundweg um den See begehen. Dort sind einige Schilder aufgestellt, die Erklärungen zu den Eigenarten des Sees bereithalten. Neben den Stromatolithen gibt es in diesem See nicht sonderlich viel leben. Wir konnten nur wenige kleine Fische sowie einen leichten purpurfarbenen Algenteppich erkennen.

Die Gegend um Badgingarra ist für Standorte von Byblis lamellata bekannt. Dieser Ort liegt zwar etwas weiter nördlicher, aber dennoch machten wir noch einige Stopps, in der Hoffnung einen Standort dieser Pflanze zu finden. Die Suche nach Byblis lamellata sollte erfolglos bleiben, dennoch konnten wir bei diesen Stopps das ein oder andere finden.


Drosera magna
Der erste Stopp hat sich direkt gelohnt. Wir fanden an dieser Stelle rot ausgefärbte Drosera magna, direkt daneben standen einige Drosera porrecta.

An diesem Standort fielen uns zum ersten Mal die für dieses Gegend von Australien typischen Grasbäume (Xanthorrhoea sp.) auf. Sie sind für Australien endemisch. In der Regel bestehen sie aus einem einzigen Stamm, an dessen Spitze sich die neuen Blätter entwickeln. Sie ähneln dadurch übergroßen Grasbüscheln, was wohl zu dem Namen geführt hat.

Die nächste Drosera, die wir finden konnten war Drosera macrantha. Die Pflanzen können bis zu 1,5 Meter hoch werden. Die Pflanzen klettern an kleinen Büschen und Bäumen empor. Sie haften sich dabei mit einem Teil ihrer Blätter an der umgebenden Vegetation an und stellen somit sicher, dass sie problemlos nach oben wachsen können.

Auch hier gab es wieder Orchideen. Die meisten konnten wir leider nicht bestimmen.

Stylidium sp.
Die auffälligste war auch hier wieder die Lackorchidee Elythranthera brunonis.

Eine weiter für Australien typische Pflanzengattung ist die Gattung Stylidium, die sogenannten Schusspflanzen bzw. in Englisch Triggerplants . Diese Pflanzen besitzen bewegliche Staubblätter, die zuschlagen, sobald sich ein Insekt auf die Blüte setzt. Dem Insekt wird der Pollen praktisch auf den Hinterleib geschlagen. Bei den größten Vertretern dieser Art kann man das sehr gut spüren, wenn man den Mechanismus künstlich mit der Hand auslöst. Mindestens eine Art, Stylidium debile, bildet am Blütenstiel einige Tautropfen aus, mit deren Hilfe Kleinstlebewesen gefangen werden können. Diese Pflanze steht daher unter dem Verdacht karnivor zu sein (Darnowski et al., 2006). An diesem Standort konnten wir die erste Pflanze dieser Gattung auf unserer Reise finden.

Fünf Minuten nachdem wir weiter gefahren sind machten wir bereits wieder halt, da uns die Stelle vielversprechend aussah. Diese Fläche war deutlich offener und die Büsche niedriger als am Standort zuvor. Das Substrat bestand fast ausschließlich aus Sand. Wir konnten hier nochmal dieselben Pflanzen finden wie zuvor. Hier konnten wir aber zudem noch zwei neue Arten finden, zum einen eine Zwergdrosera, vermutlich Drosera echinoblastus, zum anderen die kletternde Knollendrosera Drosera pallida.


Drosera pallida, Drosera echinoblastus und Drosera drummondii


Neben all den Karnivoren war eine andere Pflanze an diesem Standort noch sehr auffällig. Dabei handelte es sich um einen Neophyt, eine eingeschleppte Pflanzenart aus Südafrika. Das so genannte Cape Weed, Arctotheca calendula kann sich in Australien hervorragend vermehren, da die Klimaverhältnisse ähnlich sind.

Daneben konnten wir noch eine Pflanze der Gattung Kennedia finden. Diese Pflanzen gehören zur Familie der Fabaceaen (Hülsenfrüchte) und werden zum Teil bei uns auch als Topfpflanzen gehalten. Alle Arten dieser Gattung sind Kletterpflanzen.

Wieder fuhren wir nicht lange, bevor wir das nächste Mal anhielten. Auch hier fanden wir wieder rot ausgefärbte Drosera magna und Drosera pallida. Die Fläche bestand hier aus annähernd reinem Quarzsand. In den Büschen fanden wir hier einige Drosera drummondii, eine ebenfalls kletternde Drosera aus dem Drosera menziesii-Komplex. Zu Hause erkannten wir dann, dass wir dort auch Drosera thysanosepala, eine weitere Art aus dem Drosera menziesii-Komplex gefunden hatten.

Weiterhin erwähnenswert ist sicherlich Anigozanthos humilis, eine Pflanze aus er Haemodoraceae-Familie.

Anigozanthos humilis
Diese Pflanzen werden oftmals auch als Känguru-Pflanze bezeichnet, insbesondere die Art Anigozanthos flavidus.

Unser letztes Ziel für diesen Tag war der Yanchep National Park. In diesem Park wird eine Gruppe Koalas gehalten, die wir uns gerne anschauen wollten. Koalas kommen natürlicherweise nicht in Westaustralien vor, daher war es für uns die einzige Gelegenheit, die Tiere in einer annähernd natürlichen Umgebung anzuschauen.

Die Fahrt dorthin war etwa 200 Kilometer lang und verlief ohne Probleme. Im Park fielen uns zuerst eine Gruppe Kakadus und Papageien auf, die auf der großen Wiese nach Nahrung suchten und um einen Apfel kämpften. Die Koalas werden in einem abgegrenzten Bereich gehalten. Die Tiere befanden sich alle in hohen Bäumen und schliefen. Wenn man bedenkt, dass Koalas etwa 18 Stunden am Tag schlafen, ist es nicht sonderlich verwunderlich, dass sich keines der Tiere während unseres Besuchs bewegte. Dort werden insgesamt 11 Tiere gehalten, die ursprünglich aus Queensland stammen.

Den Campingplatz in Burn's Beach hatten wir schnell gefunden. Die Cabins dort waren deutlich komfortabler als die am Vortag. Wir hatten hier sogar eine eigene Dusche und WC, die Betten waren auch bezogen.

Wir waren ja nun wieder in der Nähe von Perth, sogar in der Nähe des Lake Jandabup, den wir am Vortag nicht gefunden hatten.

Koalabär
Da es erst früher Nachmittag war, brachen wir nochmal zu diesem See auf. Dieses Mal fanden wir ihn dann auch. Leider war das Ufer von Privatgrundstücken und einem dichten Schilfstreifen verdeckt, so dass wir kaum an den See rankamen. An einer Stelle konnten wir dann etwas an den See gelangen. Er schien gerade sehr viel Wasser zu führen, so dass wir leider nicht bis zu den für uns interessanten Stellen gelangen konnten. Wir brachen die Suche daher ab und fuhren zur Cabin zurück.

Zurück in der Cabin begannen wir damit, unser Abendessen zuzubereiten. Es gab für jeden von uns das erste Kängurusteak seines Lebens. Das dunkle Fleisch ist etwas mit Wild vergleichbar, wird aber wie Rindfleisch gebraten. Wenn man das Glück hat, ein gutes Stück zu bekommen ist das wirklich empfehlenswert. Dazu tranken wir etwas australischen Wein und ließen den Abend in der Cabin ausklingen.

Tag 4: Von Burn's Beach nach Kondinin

14.09.2011


typische Straße in Westaustralien
An diesem Tag wollten wir gerne bis zum Wave Rock in die Nähe von Hyden fahren. Insgesamt entspricht das einer Strecke von etwa 370 Kilometern. Auf dem Weg dorthin wollten wir gerne nach Byblis gigantea suchen, die in dieser Gegend vorkommen soll.

Den ersten Stopp machten wir wieder an einem der zahlreichen Weingüter und einer Obstplantage. Bernd schaute sich die Plantagen an, während wir anderen etwas frühstückten.

Der Weg führte eigentlich immer geradeaus bis nach Hyden. An einer Stelle machten wir aber aus Interesse einen Abbieger und bogen in eine ungeteerte Straße ein. Wir fuhren also diese Straße entlang und suchten aus dem Auto heraus nach möglichen Standorten, wurden aber nicht wirklich fündig. Daher setzten wir zur Rückfahrt an. Während ich das Auto wendete sah Nicole einige Orchideen am Straßenrand stehen. Daher stiegen wir doch noch aus und schauten uns etwas um.

Bei dieser Orchidee handelte es sich um einen weiteren Vertreter der Gattung Caladenia, die genaue Art konnten wir leider nicht bestimmen. Im angrenzenden Wald konnten wir dann schließlich auch noch einige Karnivoren entdecken.

Caladenia sp.
Wir fanden eine Drosera, die uns aufgrund ihres Wuchses zuerst an Drosera zigzagia erinnerte. Es handelte sich dabei allerdings um juvenile Drosera pallida.

Als nächstes fiel uns eine Stylidium auf. Stylidium schoenoides ist einer der größten Vertreter dieser Gattung. Bei dieser Pflanze kann man den Schlag des Stempels sogar recht deutlich am Finger merken. Wir fragten uns, welches Insekt das wohl aushält. Blüten dieser Art waren hin und wieder im Wald zu finden.

Im Wald fanden wir dann schließlich auch noch Drosera rosulata, eine rosettenbildende Drosera. Die Pflanzen bildeten teilweise kleine Gruppen. Das Substrat war recht lehmig und sandig, die Blätter waren teilweise mit Sand bedeckt.

Als nächstes fanden wir noch Drosera platystigma, eine kleine Zwergdrosera. Leider blühten die Pflanzen zur Zeit unseres Besuchs nicht, so dass wir die orangefarbenen Blüten leider nicht zu Gesicht bekamen. Die letzte Karnivore, die wir dort finden konnten war Drosera collina, ein weiterer Vertreter aus dem Drosera erythrorhiza-Komplex. Der Abstecher in diesen Feldweg hatte sich also doch noch gelohnt!


Drosera collina, Drosera platystigma und Drosera rosulata


Das nächste Ziel war eine Stelle am Highway an der Byblis gigantea vorkommen soll. Die Stelle zu finden war dank meines GPS kein größeres Problem.

Drosera stolonifera
Die ersten Pflanzen, die uns ins Auge fielen waren Drosera stolonifera. Die Pflanzen waren schön dunkelrot gefärbt und standen zum Teil in voller Blüte. Daneben wuchsen auch einige Drosera hyperostigma und Drosera macrantha. Wir verbrachten einige Zeit mit den Pflanzen, bevor wir weiter nach Byblis gigantea suchten.

Es sollte etwas dauern, bis die ersten Byblis gigantea gefunden hatten. Die Pflanzen hatten nach dem Winter gerade wieder mit dem Neuaustrieb begonnen und waren daher noch recht klein und unscheinbar und daher leicht zu übersehen. Über den Standort der Pflanzen waren wir dann sehr überrascht.

Byblis gigantea
Unsere Vorstellung war, dass wir die Pflanzen an relativ trockenen Stellen finden würden. Tatsächlich standen sie aber in einem sehr nassen und sumpfigen Untergrund, teilweise standen die Pflanzen sogar etwas unter Wasser. Leider können wir nicht sagen, ob das typisch für die Jahreszeit ist, oder nur an diesem einen Tag so war. Ebenso kennen wir die Bedingungen im Sommer leider nicht.

Neben den bereits erwähnten Pflanzen fanden wir an diesem Standort noch Drosera gigantea, Drosera menziesii und Drosera rosulata.


Drosera macrantha, Drosera hyperostigma und Drosera rosulata


Im Vorfeld der Reise hatten wir noch eine Stelle entlang des Highways genannt bekommen, die wir uns unbedingt anschauen sollten. Dort hofften wir auf die ersten blühenden Utricularia zu treffen.

Drosera gigantea
Am frühen Nachmittag erreichten wir die Stelle.

Wir bogen auf einen kleinen Waldweg ab. Bereits aus dem Auto heraus konnten wir weitere Drosera stolonifera, sowie Drosera macrantha und Drosera pallida erkennen. Die Pflanzen waren an dieser Stelle nicht so schön rot gefärbt wie am Standort zuvor. Dies lag vermutlich daran, dass es an dieser Stelle durch die hohe Vegetation bedingt, deutlich dunkler war. Wir fuhren durch den Wald, bis wir eine Lichtung erreichten. Wir standen nun vor einer Sandfläche mitten im Wald. In der Ferne konnten wir regelrechte Felder von Drosera gigantea finden. Die Lichtung war sehr sandig und feucht. Drosera gigantea wuchs in der Regel an den nassesten Stellen dieses Standorts.

Auf der offenen, sehr sandigen Fläche fanden wir dann schließlich die ersten Utricularia. Es handelte sich um Utricularia multifida, die in einem recht großen Bestand die Fläche bedeckten. Die kleinen, pinken Blüten waren in der Form sehr variabel.

Utricularia tenella
Zwischen den Utricularia multifida konnten wir hier und da noch einige Blüten der sehr kleinen Art Utricularia tenella finden.

Drosera menziesii kommt dort ebenfalls in größeren Beständen vor. Diese Pflanze wächst allerdings eher an den trockeneren Stellen dieses Standorts. Da die Pflanzen an diesem Tag in voller Blüte standen konnten wir sie recht gut bereits von etwas Entfernung aus sehen. Daneben fanden wir an diesen Stellen noch einige Drosera rosulata und Drosera glanduligera.

Nachdem wir uns alles genau angeschaut hatten machten wir uns langsam auf den Rückweg zum Auto. Dabei entdeckte Nicole noch eine Blüte von Utricularia petertaylorii. Uns war bekannt, dass es diese Pflanze dort auch geben soll, allerdings hatten wir nicht mehr damit gerechnet, sie noch zu finden. Wir suchten nun nach weiteren Blüten dieser Art, konnten aber außer dieser einen keine weitere finden. Ein Freund von uns war einige Wochen später auch an dieser Stelle und fand dort ein komplett entgegengesetztes Bild!

Utricularia petertaylorii
Utricularia multifida war praktisch weg und durch einen Massenbestand an Utricularia petertaylorii ersetzt. Leider wissen wir nicht, ob diese beiden Pflanzen tatsächlich um ein paar Wochen abweichende Blütezeiten haben oder ob dies reiner Zufall war.

Wir machten dort noch eine kleine Pause um etwas zu Essen, bevor wir weiter in Richtung Hyden fuhren. Die kommende Strecke war nicht mehr sonderlich spannend. Sie führte durch den Weizengürtel, die Gegend war daher recht eintönig und durch riesige Getreidefelder geprägt. Von der ursprünglichen Vegetation ist dort leider nicht mehr viel erhalten. Zudem ging es 250 Kilometer kurvenlos geradeaus.

Mittlerweile war es schon recht spät geworden. Wir überlegten uns daher, vielleicht doch bereits in Kondinin, etwa 60 Kilometer vor Hyden zu übernachten. Nach einigem hin und her und einigen Bedenken entschlossen wir uns dazu, doch nach Hyden zu fahren. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte!

Wir kamen am Abend in Hyden an und wollten eigentlich nur einen gemütlichen Abend dort verbringen. Leider sagte die Dame vom Caravanpark, dass wir dort keine Cabin bekommen können, da alles bereits belegt sei. Auf die Frage, wo man denn in der Nähe übernachten könne bekamen wir das etwa 120 Kilometer weiter entfernte Lake King oder das 60 Kilometer zurückliegende Kondinin genannt.

Hauptstraße von Kondinin
Aus ihrer Sicht war das beides um die Ecke und kein Problem. Man denkt dort in ganz anderen Dimensionen, als wir das aus Europa gewohnt sind. Wir entschieden uns dann schließlich nach Kondinin zurückzufahren. Zum Glück war die Frau so nett und rief im dortigen Motel kurz an um nachzufragen, ob denn dort etwas frei sein. Zum Glück konnten wir dort etwas bekommen.

Im Motel fanden wir dann noch eine Überraschung. Hinter der Eingangstür zu einem unserer Apartments saß eine Rotrückenspinne (Latrodectus hasseltii). Diese Spinne gehört zur Familie der Echten Witwen, ein Biss dieser Spinne soll sehr starke Schmerzen in der Bauchgegend verursachen. Auch Lähmungserscheinungen sind bekannt. Bei gesunden Menschen führt das zwar in der Regel nicht zum Tod, aber verzichten kann man darauf sicher auch. Die Krankenhäuser dieser Gegend halten alle ein entsprechendes Antiserum bereit, welches im Falle eines Bisses dringend verabreicht werden sollte.

Da wir mit solchen Tieren bisher keinerlei Erfahrungen hatten überlegten wir einige Zeit, was wir denn nun tun könnten. Schließlich schien es uns das Beste zu sein, an der Rezeption zu fragen. Die Dame an der Rezeption bewaffnete sich mit einem "Insektenspray" und machte sich auf dem Weg in unser Zimmer. Als sie sich das Tier anschaute und uns bestätigte, dass es wirklich eine solche Spinne ist, machte sie sich an die Bekämpfung. Das Insektenspray stellte sich als eine Art Bauschaum heraus. Sie übersprühte damit einfach das Tier, wartete, bis der Schaum ausgehärtet war und zog ihn schließlich mitsamt dem Tier von der Wand. Sie durchsuchte noch schnell die anderen Räume, wurde aber nicht mehr fündig.

Angegliedert an dem Motel befand sich eine kleine Gaststätte. Dort verbrachten wir den Abend, bevor wir müde zu Bett gingen. Ein sehr ereignisreicher Tag lag hinter uns.

Tag 5: Der Wave Rock und die (spannende) Fahrt nach Ravensthorpe

15.09.2011

In Südwestaustralien gibt es nicht sonderlich viele bekannte Sehenswürdigkeiten. Der zum Hyden Rock gehörende Wave Rock in der Nähe von Hyden ist allerdings eine der Ausnahmen.

Der Wave Rock
Im Laufe von Millionen von Jahren hat sich innerhalb dieser Granitsteinformation durch Wind und Regen eine Stelle herausgebildet, die einer Welle stark ähnelt. Bereits vor unserer Reise stand ein Abstecher zum Hyden Rock fest auf dem Plan.

Entgegen unseres eigentlichen Plans hatten wir die Nacht in Kondinin verbracht. Wir schauten uns nach dem Frühstück noch etwas in Kondinin um und machten unsere Einkäufe für diesen Tag. Kondinin ist eine typische Stadt in dieser Gegend. Die Besiedlung nimmt zum Landesinneren immer weiter ab. Die Städte bestehen daher in der Regel nur aus wenigen Straßen und einer insgesamt recht kleinen Grundfläche. Mit etwa 300 Einwohnern ist Kondinin sogar eine der größeren Gemeinden und die Hauptstadt des Shire of Kondinin. Nachdem wir alle Besorgungen erledigt hatten fuhren wir zum etwa 60 Kilometer entfernten Wave Rock.

Wir erreichten den Hyden Rock am späten Vormittag. Am vorhandenen großen Parkplatz und den vielen anderen Menschen merkte man sofort, dass man hier an einer Touristenattraktion angelangt ist.

der Staudamm
Der Weg führt vom Parkplatz direkt zu dem Teil des Hyden Rocks, der als Wave Rock bekannt ist. Die Welle hat eine Höhe von etwa 15 Metern und ist etwa 150 Meter lang. Das Gestein ist derartig hart, dass man sich kaum vorstellen mag, dass Wind und Wasser es in eine solche Form bringen konnten.

Über einen kleinen Pfad kann man auf den Hyden Rock gelangen. Auf dem Weg nach oben kamen wir zuerst an einem Staudamm vorbei, der die Wasserversorgung für Hyden sicherstellt. Schließlich standen wir oben auf dem Hyden Rock.

Das Gestein ist sehr glatt, daher kann sich dort kaum Substrat ansammeln. Lediglich in kleinen Inseln kann sich hier und da etwas Humus ansammeln. Diese Inseln sind dann auch gleich dicht mit Pflanzen besiedelt. Auf einer dieser Inseln konnten wir dann Drosera bulbosa finden.

Die Substratschicht ist nur wenige Zentimeter dick. Sicher trocknen diese Stellen während des heißen Sommers vollkommen aus und werden betonhart und staubtrocken.

Drosera bulbosa
Vermutlich sind die Knollen auf dem Stein dann auch extremen Temperaturen ausgesetzt. Uns ist nicht bekannt, ob es im Sommer dort zu Regenfällen kommen kann. Die Pflanzen, die wir fanden begannen bereits damit einzuziehen. Dabei waren die Pflanzen in den Randbereichen oftmals bereits abgestorben, währen die Pflanzen in der Inselmitte noch vollkommen intakt waren.

Zusammen mit Drosera bulbosa wuchs noch Drosera glanduligera in diesen Inseln. Dort, wo sich auch größere Sträucher ansiedeln konnten, fanden wir noch Drosera macrantha. Daneben fanden wir an weiteren Stellen auf dem Hyden Roch noch Drosera stricticaulis und Drosera yilgarnensis.


Drosera stricticaulis, Drosera macrantha und Drosera glanduligera



Drosera yilgarnensis
Die letzten beiden Arten wachsen zum Teil direkt nebeneinander, vermischen sich aber nur sehr wenig und das, obwohl sie teilweise nur etwa 50 Zentimeter voneinander entfernt stehen.

Die sogenannten Teufelsmurmeln auf dem Hyden Rock sind eine weitere Attraktion dieser Gesteinsformation. Es handelt sich dabei um große Steinbrocken, die im Laufe von Jahrmillionen durch Verwitterung mehr oder weniger rund geworden sind. Die größten dieser Brocken haben eine Höhe von etwa 5 Metern.

Nachdem wir uns den Wave Rock ausgiebig angeschaut hatten wollten wir gerne noch eine weitere Attraktion am Hyden Rock anschauen, den Hippo's Yawn. Es handelt sich dabei um eine kleine Höhle, die etwas an das Maul eines Nilpferdes erinnert. Wir mussten zuerst zurück zum Parkplatz, da der Weg dorthin dort startet.

Auf dem Weg zum Hippo's Yawn kamen wir noch an vielen Drosera macrantha vorbei. Daneben wurden wir von einem australischen Pärchen noch auf einige Orchideen aufmerksam gemacht, die wir uns auch gerne anschauten.

Nach Besichtigung des Hipp's Yawn brachen wir auf. Wir wollten uns gerne noch einen weiteren Granitfelsen in der Nähe von Hyden anschauen.


auf dem Wave Rock


Ohne Probleme fanden wir den Granitfelsen. Er stellte sich als etwa 100 Meter hoher Berg heraus. Wir liefen direkt los. Unser erster Punkt war eine kleine Höhle. Dort fanden wir an der Wand einige Zeichnung, die die Ureinwohner dieser Gegend wohl hinterlassen haben.

Danach begannen wir damit, den kleinen Berg hochzulaufen.

Pflanzeninsel
Ähnlich wie zuvor auf dem Wave Rock war die Vegetation auf mehr oder weniger große Pflanzeninseln beschränkt. Allerdings waren diese Inseln hier mit großen und dichten Beständen von Drosera rupicola besiedelt. Zu unserer Freude standen viele der Pflanzen gerade in Blüte. Diesen Anblick haben wir bis heute nicht vergessen!

Auf den Pflanzeninseln befanden sich neben Drosera rupicola auch noch weitere Drosera bulbosa, Drosera glanduligera und Drosera macrantha. In einigen der Pflanzeninseln konnten wir zudem noch die sehr kleinen Blüte von Utricularia tenella finden.


Drosera rupicola


An solchen Tagen läuft die Zeit praktisch davon. Es war später geworden, als wir dachten und wir hatten noch recht viel Strecke bis Ravensthorpe vor uns. Dort mussten wir unbedingt ankommen, bevor die Rezeption des Caravanparks um 18 Uhr schließt. Daher verzichteten wir darauf, auf den Gipfel des Berges zu laufen. Außerdem wollten wir auch auf den Besuch eines weiteren Standort bei Holt Rock verzichten.

Als wir an Holt Rock vorbeikamen blieben wir spontan doch noch stehen und nahmen uns noch 15 Minuten Zeit, um uns einen ganz schnellen Überblick zu machen.

Drosera graniticola
Tatsächlich fanden wir in der kurzen Zeit einige Drosera graniticola sowie weitere Drosera yilgarnensis, Drosera glanduligera und Drosera macrantha. Danach fuhren wir direkt und ohne weiteren Stopp nach Ravensthorpe.

Die Strecke dorthin ist ähnlich der Strecke nach Hyden für den Fahrer eine Zumutung. Das liegt weniger an der Straße, die geteert und in gutem Zustand ist, als an der Gegend. Man fährt Kilometerlang geradeaus und sieht nur Felder, Viehzucht und noch viel mehr Felder und noch deutlich mehr Viehzucht. Die spannende Gegend sorgt dafür, dass sämtliche Mitfahrer einschlafen, so jedenfalls bei uns.

Wir schafften es noch pünktlich zum Caravanpark und konnten auch noch eine Cabin bekommen. Da es bereits leicht dunkel war nahmen wir den interessant gestalteten Eingangsbereich des Caravanparks an diesem Abend nicht wahr.

Die Cabin war auch wieder mit eigenem Bad und WC ausgestattet. Allerdings konnte man einem Schild entnehmen, dass man das Wasser vorheizen musste und es einige Zeit dauerte, bis es warm war und dann für etwa 10 Minuten ausreichte. Es dauerte also etwas, bis wir alle geduscht waren. Zudem wurde der Herd nicht richtig heiß (sollten wir noch öfter erleben), so dass wir unser Fleisch eigentlich nur leicht gekocht essen konnten. Mit einem guten Abendessen und etwas Wein ging ein sehr ereignisreicher Tag vorbei.

Tag 6: Fahrt nach Esperance

16.09.2011

Ravensthorpe hatten wir nur als Zwischenstation für die Weiterfahrt nach Esperance genutzt.

Toiletten
In Esperance wollten wir einige Tage bleiben um uns dort umzusehen. Die Strecke von Ravensthorpe nach Esperance ist lediglich 200 Kilometer lang. Allerdings gibt es auf der Strecke keine erwähnenswerte Siedlung und auch nur eine Tankstelle.

An der Rezeption gaben wir den Schlüssel ab. Dabei fiel uns der kreativ gestaltete Eingangsbereich auf. Die Besitzer haben vermutlich den ganzen Schrott, der im Lauf der Jahre im Caravanpark angefallen ist zu Pflanzbehältern umfunktioniert. Neben in Toiletten wachsenden Pflanzen wurden auch Backöfen und Fernseher verwendet. Ähnlich wie wir es von Gartenzwergen kennen hatten die Besitzer einen kleinen Bereich mit Barbie-Puppen in allen möglichen Positionen gestaltet.

Wir wollten die Strecke gerne schnellstmöglich hinter uns bringen.

Backofen und Fernseher
Daher machten wir nur an der Tankstelle in Munglinup eine kurze Rast, um dort kurz einen Kaffee zu trinken. Da wir keine Kaffeemaschine dabei hatten und es in den Cabins standardmäßig nur Instantkaffee gab nutzten wir Tankstellen gerne um dort, sofern verfügbar, einen vernünftigen Kaffee zu trinken. An der Tankstelle konnten wir im Gebüsch noch einige Drosera finden.

Kurz vor Esperance machten wir noch am Pink Lake halt. Dieser Salzsee beherbergt eine bestimmte Algenart, die sich bei passenden Bedingungen stark ausbreitet und den See dann pink färben. Leider hatten wir dieses Glück nicht, der See sah ganz normal aus. Er schien allerdings etwas wenig Wasser zu haben.


Pink Lake vor Esperance


Gegen Nachmittag kamen wir in Esperance an. In der Touristeninformation fragten wir nach einer Unterkunft für die nächsten Tage.

historisches Stadtzentrum von Esperance
Die nette Dame konnte uns ein tolles Appartement vermitteln. Es handelte sich dabei um ein voll ausgestattetes Ferienhaus. Esperance war nach den Tagen zuvor eine richtige Abwechslung. Das Örtchen schien sehr lebendig zu sein. Wir hatten das Gefühl, wieder zurück in der Zivilisation zu sein.

Nach unserer Ankunft in der Ferienwohnung ruhten wir uns etwas aus, bevor wir uns Esperance etwas anschauten. Esperance wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und hat aktuell etwa 10.000 Einwohner. Die Stadt liegt direkt am Meer. Im Zentrum wurde der alte Stadtkern erhalten und zu einem kleinen Park umgebaut. Interessant war zu sehen, dass Esperance mitten im Winterschlussverkauf war. Die Geschäfte boten zum Teil stark reduzierte Mäntel und Jacken an. Eine gute Erinnerung daran, dass man sich auf der anderen Seite der Welt befand!

In den Tagen zuvor hatten wir ja immer selbst gekocht. Da wir nun aber in einer größeren Stadt waren gingen wir an diesem Abend zum Essen in ein Fischlokal. Während des Essens zogen Wolken auf und es begann zu regnen. Leider sollte sich das in den nächsten Tagen nicht mehr ändern.

Tag 7: Cape Le Grand

17.09.2011

Für die nächsten beiden Tage hatten wir uns vorkommen, den Nationalpark Cape Le Grand etwas zu besichtigen. Er liegt etwa 30 Kilometer östlich von Esperance. Zugleich sollte dies der östlichste Punkt, und damit der Wendepunkt unserer Reise sein.

Emu
Das Wetter am Morgen war gut, daher machten wir uns recht früh auf den Weg.

Wenige Kilometer außerhalb von Esperance trafen wir auf ein paar Emus. Diese flugunfähigen Vögel können eine bis zu 1,5 Meter hoch werden. Wir konnten die Tiere ein paar Minuten lang in der Ferne beobachten, bis sie zu weit weg waren.

Im Cape Le Grand Nationalpark dauerte es dann auch nicht lange, bis wir die ersten Karnivoren gefunden hatten. Einige Drosera huegelii var. huegelii standen vereinzelt in der Gegend rum. Daneben fanden wir auch hier wieder die Lackorchidee Elythranthera brunonis. Neben diesen Pflanzen konnten wir an dieser Stelle auch Drosera sargentii, also eine Zwergdrosera, finden.

Das Cape Le Grand liegt direkt am Meer. In diesem Nationalpark gibt es einige traumhaft schöne Buchten, die man sich unbedingt anschauen sollte. Das Wetter spielte an diesem Tag noch mit, so dass wir eines unserer ersten Ziele an diesem Tag die Lucky Bay war.


Anfahrt auf die Lucky Bay
Wir wurden nicht enttäuscht. Bereits auf der Anfahrt zu dieser Bucht konnte man das tiefblaue Wasser und den weißen Sandstrand erkennen. Der Anblick war in der Tat grandios und hat sich bei mir bleibend im Gedächtnis eingebrannt. Wir parkten unser Auto und liefen runter zum Wasser. Der Sand ist dort extrem fein. Es war sehr interessant, dort zu laufen, da man immer das Gefühl hatte leicht einzusacken. So ähnlich (nur viel schlimmer) stelle ich mir Treibsand vor. Der Blick in diese Bucht war in der Tat gigantisch. Wir blieben eine ganze Weile dort, und genossen die Landschaft, bevor wir aufbrachen.


Die Lucky Bay


Etwa um die Mittagszeit fanden wir eine Stelle, an der wir vermuteten, dass es dort Karnivoren geben könnte. Hier fielen uns zuerst einige Orchideen der Gattung Caladenia auf, die oftmals zusammen mit Drosera vorkommen. Wir zuvor fanden wir hier wieder einige Drosera huegelii var. huegelii. Allerdings waren diese Pflanzen bereits verblüht und kurz vor dem Einziehen.

Der Standort war sehr sandig. An offenen Stellen konnten wir im weißen Quarzsand Drosera scorpioides finden.

Drosera scorpioides
Diese für einen Zwergsonnentau sehr große Art ist vielen aus Kultur sicherlich bekannt. Leider waren die Blüten der Pflanzen, die wir gefunden hatten noch nicht offen. Wir waren vermutlich ein oder zwei Tage zu früh dort. Allerdings konnte man bereits erkennen, dass es sich um die weißblütige Form dieser Art handeln muss.

Die nächste Drosera-Art, die wir fanden war Drosera zonaria. Die Pflanzen wuchsen an offenen Stellen, direkt im Sand. Die Rosetten waren zum Teil vollkommen mit Sand bedeckt, so dass wir uns fragten, wie die Pflanzen unter diesen Bedingungen denn überhaupt noch Beute machen können.

An den feuchteren Stellen konnten wir noch zwei Zwergdrosera-Arten entdecken. Es handelte sich dabei um Drosera pulchella und Drosera australis. Die Pflanzen wuchsen teilweise komplett unter Wasser. Neben diesen Pflanzen konnten wir auch wieder eine Stylidium-Art entdecken.


Drosera pulchella, Drosera australis und Drosera zonaria


Nachdem wir diesen Standort angeschaut hatten wollten wir gerne einen der Berge im Cape Le Grand hinauflaufen. Auf dem Weg dorthin fanden wir weitere Drosera huegelii var. huegelii und Drosera zonaria sowie einige wenige Drosera neesii. Ein Grashüpfer mit einem sehr langen Schwanz hielt uns schließlich noch einige Zeit auf, bis wir schließlich auf dem Weg nach oben waren

Direkt zu Beginn der kleinen Wanderung wurden wir auch schon fündig.

Drosera esperensis
In den dichten Moospolstern wuchsen einige Drosera macrantha, die sich gestützt an der anderen Vegetation ihren Weg nach oben erkämpften.

Drosera macrantha hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits sehr oft gesehen. Daher schenkten wir einer anderen Karnivore mehr Aufmerksamkeit. Auf dem Granitfelsen hatten sich hier und einige Moospolster auf dem ansonsten nackten Fels gebildet. In diesen Moospolstern konnten wir Utricularia menziesii finden. Die Substratschicht, in der die Pflanzen wuchsen, war nur wenige Zentimeter dick. Das Besondere an dieser Art ist, dass sie sich, ähnlich wie die Knollendrosera im Sommer in eine Knolle zurückzeiht und erst wieder zu Winterbeginn austreibt. Die Blüte dieser Art gilt als eine der schönsten und interessantes der Gattung.

Die Drosera, die sicherlich am auffälligsten an diesem Standort war, ist Drosera esperensis. Diese Art wurde von Allen Lowrie erst 2013 in seinem Magnum Opus beschrieben (Lowrie, 2013/1) und nach dieser Gegend benannt. Sie wuchsen genauso wie Utricularia menziesii in den dünnen Moospolstern und begleiteten uns ein ganzes Stück den Berg nach oben. Der Überblick von diesem Berg auf das Gebiet des Cape Le Grand ist wirklich schön. Das Wetter spielte mit, daher hatten wir freie Sicht und konnten herrlich in die Ferne schauen.


Blick ins Cape Le Grand


Utricularia westonii ist eine sehr interessante Utricularia-Art. Typische Standorte dieser Pflanzen sind leicht überflutete Flächen. Oftmals liegen die Fangblasen dieser Art über dem Substrat, direkt im Wasser, so dass man sie gut erkennen kann, auch ohne sie auszugraben.

Drosera ramellosa
Die meisten Pflanzen standen kurz vor der Blüte. Ein paar offene Blüten konnten wir bereits finden. Lowrie gibt die Blütezeit dieser Art übrigens mit November/Dezember an (Lowrie, 1998). Wir hatten daher wohl großes Glück, dass diese Pflanzen in diesem Jahr etwas früher blühten.

Wenige Meter weiter fanden wir noch Drosera ramellosa. Leider waren die Pflanzen bereits verblüht. Die Pflanzen wuchsen an dieser Stelle in der Regel als isolierte Einzelpflanzen. Neben dieser Art konnten wir schließlich noch einige Drosera australis sowie Utricularia menziesii finden. Den letzten Stopp an diesem Tag machten wir gegen 16 Uhr an einer Stelle, an der es auffallend viele Orchideen der Gattung Caladenia und Diuris gab. Neben weiteren Drosera ramellosa konnten wir dort zudem noch Drosera neesii und Drosera menziesii finden. Die letzte Karnivore dieses Tage sollte dann die winzige Utricularia tenella sein.

Mit Einbruch der Dunkelheit fuhren wir zurück zu unserem Appartement. Da es in diesem Appartement einen Grill gab nutzten wir die Gelegenheit um abends etwas Kängurufleisch zu grillen. Im Gegensatz zu den Elektroherden in den Vortagen konnten wir mit dem Grill das Fleisch sogar tatsächlich braten und nicht nur kochen!

Tag 8: Cape Le Grand

18.09.2011


Ostufer der Bannitup Lakes
Nach dem Frühstück brachen wir zu einer weiteren Tour durch das Cape Le Grand auf. Das Wetter war morgen gut, die Sonne schien und es war nicht sonderlich kalt. Dies sollte sich im Laufe des Tages leider noch ändern.

Auf dem Weg ins dorthin machten wir in der Nähe des Bannitup Lakes bei Merivale halt, da wir hofften dort vielleicht einige Utricularia finden zu können. Karnivoren fanden wir dort tatsächlich, allerdings leider keine Utricularia. Außer einigen Drosera macrantha konnten wir in Nähe des Sees nichts finden.

Wir wollten nun weiter bis ins Cape Le Grand fahren. Allerdings mussten wir feststellen, dass der Tank unseres Autos annähernd leer war.

Caladenia flava
Am Morgen hatten wir das natürlich noch überprüft und es schien noch mehr als ausreichend Benzin vorhanden zu sein. Da wir nicht genau wussten wie viele Kilometer wir an diesem Tag fahren würden, beschlossen wir nochmal schnell zurück nach Esperance zu fahren um dort vollzutanken. Die einfache Strecke betrug 25 Kilometer, so dass wir nicht allzu viel Zeit verlieren würden. Der Tankanzeige trauten wir ab diesem Tag nicht mehr.

Nach dem Tanken fuhren wir wieder in Richtung Cape Le Grand. Wir machten an zwei Stellen noch einen kurze Halt, konnten dort aber keine Karnivoren finden.

Schließlich kamen wir im Cape Le Grand an. Dort konnten wir relativ schnell die ersten Karnivoren finden.

Drosera huegelii var. huegelii
Es waren auch dieses Mal wieder Drosera macrantha, die in der hohen Vegetation nach oben wuchsen. Daneben standen dort noch einige Caladenia flava und eine kleine Stylidium-Art.

Die Sonne schien mittlerweile relativ kräftig, so dass sich die Straße aufgeheizt hatte. Dies schien einigen Tannenzapfenechse sehr gut zu gefallen. Wir konnten während der Fahrt einige dieser Tiere auf dem warmen Asphalt liegend sehen. Eines dieser Tiere schauten wir uns etwas genauer an. Es handelte sich dabei um eine stark gedrungene, relativ kleine Art. Die Farbe passte war der der Straße relativ ähnlich. Da wir Angst hatten, dass das Tier überfahren werden könnte beförderte Bernd es mit einem Stock zurück ins Gebüsch bevor wir weiterfuhren.

Drosera pulchella sollte die erste Zwergdrosera sein, die wir an diesem Tag fanden. Die Pflanzen wuchsen an sehr feuchten Stellen, teilweise sogar leicht überflutet. An trockeneren Stellen konnten wir einige Drosera huegelii var. huegelii finden. Mit Utricularia menziesii hatten wir an dieser Stelle nicht gerechnet. Daher waren wir etwas überrascht, als wir einige bereits verblühte Pflanzen im Sand entdecken konnten. An sehr feuchten Stellen wuchsen noch einige Utricularia westonii und Drosera pulchella.


Utricularia menziesii, die Tannenzapfenechse und Drosera pulchella


Langsam verschlechterte sich das Wetter. Es war deutlich zu erkennen, dass von Süden her eine Wolkenfront auf uns zukam. Noch ließen wir uns davon nicht beeindrucken und suchten weiter nach interessanten Pflanzen.

Als nächstes fanden wir Drosera neesii und eine weitere Zwergdrosera-Art, Drosera sargentii.

Drosera sargentii
Drosera neesii standen an diesem Tag in voller Blüte, so dass wir die pinken Blüten gut anschauen und fotografieren konnten. Die Drosera sargentii waren zum Teil sehr stark mit Sand bedeckt. Auch hier wuchsen wieder einige der hübschen Lackorchideen Elythranthera brunonis.

Die Wolken kamen immer näher und es war nun absehbar, dass es bald zu regnen beginnen würde. Es war zudem auch deutlich kälter und windiger geworden. Da wir gerne nochmal den Standort von Utricularia westonii, den wir am Vortrag entdeckt hatten anschauen wollten fuhren wir auf dem schnellsten Weg dorthin. Wir vermuteten, dass die Blüten der Pflanzen nun geöffnet sein müssten.

Auf dem Weg dorthin machten wir an einer Stelle nochmal kurz halt. Bereits aus dem Auto heraus hatten wir die pinken Blüten von Drosera menziesii gesehen. Um davon ein paar Bilder zu machen blieben wir nochmal kurz stehen.

Wenig später erreichten wir den Standort von Utricularia westonii vom Vortag.

typisches Straßenschild
Wir lagen mit unserer Vermutung richtig, die meisten Blüten waren nun voll geöffnet. Einige Utricularia tenella-Blüten konnten wir auch noch finden. Mittlerweile war es auch recht stürmisch geworden. Wir machten daher nur einen sehr kurzen Stopp um einige Bilder zu machen. Nachdem wir wieder alle im Auto zurück waren begann es zu regnen. sintflutartig kam das Wasser vom Himmel. Wir hätten keine Minute länger draußen bleiben dürfen. Wir machten uns daher bereits am frühen Nachmittag zurück zu unserer Unterkunft. Der Regen war derartig stark, so dass wir zum Teil nicht weiterfahren konnten, da wir durch die Wassermengen die Straße nicht mehr gesehen haben.

Da die letzten Tage recht anstrengend waren nutzen wir die plötzlich gewonnene Zeit dazu, um uns etwas zu erholen. Nach einem erholsamen Mittagsschlaf brachen wir in die Innenstadt von Perth auf. Es regnete immer noch recht stark. In Esperance hatten die meisten Läden sonntags auch geschlossen, so dass wir für Kaffee und Kuchen auf McDonalds ausweichen mussten. Den Nachmittag verbrachten wir in Esperance. Abends kochten wir uns noch etwas in unserer Unterkunft und besprachen die Pläne für die nächsten Tage. Als nächstes größeres Ziel stand die Stirling Range an.

Tag 9: Fitzgerald River National Park

19.09.2011

Unser Ziel an diesem Tag war der Fitzgerald River National Park, der etwa 260 Kilometer westlich von Esperance liegt.

Hakea victoria
Dieser Nationalpark ist unter anderem für die dort endemisch vorkommende Drosera prostratoscaposa sowie für die Protea Hakea victoria bekannt. Des Weiteren ist dieser Nationalpark noch als Walbeobachtungspunkt bekannt. Die dafür am besten geeignete Stelle ist Point Ann. Diese Bucht hatten wir uns als Ziel für diesen Tag ausgesucht.

Hakea victoria kann zwischen zwei und drei Meter hoch werden. Die Blätter dieser Pflanze färben sich im Alter orange bis rot. Diese Eigenschaft verleiht den Pflanzen ein ganz eigenes Aussehen. Da sie unter geeigneten Bedingungen einfach zu kultivieren sein soll, ist sie zudem noch eine beliebte Kulturpflanze.

Nach dem Frühstück brachen wir in Esperance auf. Als mögliches Ziel für die Übernachtung hatten wir uns den kleinen Ort Jerramungup ausgesucht. Mit etwa 150 Einwohnern ist Jerramungup ein typischer, kleiner Ort für diese Gegend. Immerhin gibt es dort einen Caravan Park, so dass man dort übernachten kann.

Das Straßennetz in Westaustralien ist eher übersichtlich, daher hatten wir keine andere Chance als von Esperance wieder über die extrem langweilige Strecke nach Ravensthorpe und dann weiter Richtung Jerramungup zu fahren. Die Strecke führt auf einem Teil etwa 300 Kilometer kerzengerade geradeaus. Unser Navi erinnerte uns mit der Ansage "please drive 300km, then turn left" daran, dass es ab jetzt eher monoton werden würde. Als erstes Zwischenziel hatten wir uns den Supermarkt in Ravensthorpe ausgesucht, da wir dort nochmal die Möglichkeit hatten, für den Abend etwas einzukaufen.

Am Vormittag erreichten wir den Supermarkt. Dieser Supermarkt ist für den kleinen Ort erstaunlich gut sortiert. Dies liegt daran, dass Ravensthorpe einer der größten Truckstopps auf dem Weg von Perth in den Osten ist. Dort machen viele LKWs Pause. In dem Supermarkt kann man von Lebensmitteln über Kleindung, Möbel und Ersatzteile für Autos alles bekommen. Eines der Regale war mit Spritzmitteln gegen alle möglichen Tiere bestückt. Dort konnten wir dann auch das Spray entdecken, das uns einige Tage zuvor vor der Redback Spider gerettet hat.


Supermarkt von Ravensthorpe


Der Warentransport in Australien wird oftmals mit sogenannten Road Trains durchgeführt. Das sind LKWs mit in der Regel drei Anhängern, die insgesamt bis zu 50 Meter lang sein können.

Supermarkt in Ravensthorpe
Mit diesen Trucks wird auch die Versorgung der kleinen Städte im Hinterland sichergestellt. Auf unseren Fahrten in den Tagen zuvor hatten wir bereits einige dieser Ungetüme gesehen und überholen müssen. Letzteres erfordert zu Beginn doch einiges an Mut. Die LKWs fahren oftmals ebenfalls die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h, so da es sich recht lang hinziehen kann, bis man dieses Gefährt tatsächlich überholt hat.

Durch das hohe Gesamtgewicht können diese Gefährte auch nicht ohne weiteres plötzlich bremsen. Daher werden Ruheplätze für Road Trains meist bereits 5 Kilometer zuvor angekündigt, mit der Bitte bereits den Bremsvorgang einzuleiten, falls man denn Rast machen möchte. Da es praktisch keinen anderen Weg von Perth in Richtung Osten gibt kommen diese LKWs regelmäßig in Ravensthorpe vorbei. Vor dem Supermarkt kann man sie regelmäßig vorbeifahren und auch anhalten sehen.

Auf dem Weg in den National Park sahen wir dann auch unser erstes lebendes Känguru in wirklich freier Natur.

Känguru
In der Vegetation direkt neben unserem Auto sprang ein Känguru heraus. Als es uns entdeckte war es auch genauso schnell wieder weg. Die Zeit reichte gerade dazu aus, ein paar schnelle Bilder zu machen. Bis dahin hatten wir Kängurus leider nur überfahrene Kängurus im Straßengraben gesehen.

Nachmittags erreichten wir den Fitzgerald River National Park. Nur sehr wenige, ungeteerte Straßen führen in den Park hinein. Den größten Teil des Parks kann man mit dem Auto nicht erreichen. Zum Point Ann mussten wir etwa 60 Kilometer Piste zurücklegen.

Auf dem Weg dorthin konnten wir die ersten Karnivoren dieses Tages finden. Es handelte sich um Drosera scorpioides, die im weißen Quarzsand wuchsen. Später fanden wir auch noch einige Drosera trichocaulis sowie einige Stylidium schoenoides.

Auf diesen Staubpisten darf man maximal 60 Km/h schnell fahren. Daher kommt man nicht sonderlich schnell voran, hat dafür aber ausreichend Zeit um die Landschaft zu genießen. Zudem kann man auch schneller stehen bleiben, wenn man etwas interessantes findet.

Am Nachmittag fanden wir dann die ersten Hakea victoria. Die Pflanzen waren etwa zwei Meter hoch und sahen so aus, wie wir es auf Bildern gesehen hatten. Unter diesen Pflanzen fanden wir schließlich noch einige Drosera collina, die völlig mit Sand bedeckt waren.

Das Point Ann erreichten wir am späten Nachmittag. Wale konnten wir dort leider keine beobachten. Wir waren etwas enttäuscht, allerdings hat sich die Fahrt dorthin schon alleine wegen des Ausblicks gelohnt. Die Bucht wird im Sommer offensichtlich als Grillplatz verwendet.

Point Ann
Wir kamen an einer voll ausgestatten Grillhütte vorbei, die sehr gut in Takt gehalten war. Damit hatten wir nicht gerechnet, da die Anfahrt dahin ja immerhin etwa 60 Kilometer einfache Fahrt über eine Schotterpiste beträgt. Wie wir aber während der Reise gelernt hatten ist das Gefühl für Entfernung in Australien und bei uns in Europa sehr unterschiedlich. Uns kam es so vor, als ob wir unsere Entfernungen mit dem Faktor 10 malnehmen müssten um auf australische Verhältnisse zu kommen.

In Jerramungup konnten wir eine Hütte für die Nacht bekommen. Als nächstes Ziel stand die Stirling Range auf dem Plan, die wir am kommenden Tag erreichen wollten.

Die Nacht in Jerramungup war saukalt. Tatsächlich betrug die Temperatur am Morgen nur wenig über Null. Da die Wände der Hütte sehr dünn waren wurde es auch im inneren recht bald sehr frisch. Unsere Winterschlafsäcke konnten uns auch kaum warm halten. Umso erfreuter waren wir über eine warme Dusche am nächsten Morgen. Zum Glück hatten wir diese direkt in unserer Cabin und mussten nicht erst noch zu den Gemeinschaftsräumen pilgern.

Tag 10: Fahrt in die Stirling Range

20.09.2011


Bluff Knoll
Etwa 90 Kilometer nördlich von Albany liegt die Stirling Range. Diese Gegend ist als Ausflugsort bekannt für die hohe Anzahl an Wandermöglichkeiten. Außerdem beherbergt dieser Nationalpark eine der höchsten Bergketten Westaustraliens. Mit etwa 1100 Metern Höhe ist der Bluff Knoll der zweithöchste Berg dieses Bundesstaats.

Nach dem Frühstück in unserer Cabin in Jerramungup packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg in die Stirling Range. An einem Roadhouse in der Nähe von Amelup machten wir auf der Suche nach für uns annehmbaren Kaffee halt. Direkt neben der Tankstelle wurden in einem eingezäunten Areal einige Kängurus gehalten. Wir nutzen die Gelegenheit, um einige Bilder dieser Tiere zu machen. Da wilde Kängurus oftmals recht scheu sind, ist uns das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelungen.

Der Weg war nicht sonderlich weit, daher sind wir bereits am Vormittag in der Stirling Range angekommen. Unser erstes Ziel war der Parkplatz am Bluff Knoll.

Straße zum Bluff Knoll
Wir wollten uns den Berg gerne anschauen, obwohl wir nicht vorhatten ihn zu besteigen. Auf dem Weg dorthin haben wir die ersten Karnivoren des Tages gefunden.

Bei den Pflanzen handelte es sich um Drosera erythrorhiza. Der Großteil der von uns gefundenen Pflanzen war bereits eingezogen, nur ein paar wenige waren noch im Wachstum. Daneben fanden wir auch Drosera platystigma, eine Zwergdrosera-Art. Leider waren die Pflanzen an diesem Tag nicht in Blüte. Die meisten hatten allerdings bereits weit ausgebildete Blütenstände und es war absehbar, dass sie demnächst aufgehen würden. Daher beschlossen wir, am nächsten Tag nochmal vorbeizuschauen. Hier und da fanden wir noch einige Caladenia.

Wenig später fanden wir größere Bestände von Drosera purpurascens, einer weiteren Pflanze aus dem Drosera stolonifera-Komplex.

Drosera purpurascens
Die recht kompakten Pflanzen sind in der Regel tiefrot gefärbt. Außer diesen Pflanzen konnten wir noch größere Bestände von Drosera androsacea finden.

Diese Pflanzen fanden wir von nun an regelmäßig. An einer Stelle in einem Waldstück schauten wir uns nochmal etwas länger um. Dort konnten wir eine gelbblühende Drosera-Art finden. Es handelte sich um Drosera subhirtella. Die langen Triebe der Pflanzen krochen am Boden entlang, da sie offensichtlich keine Vegetation gefunden hatten, an der sie nach oben hätten wachsen können. Leider waren die Blüten ebenfalls nicht vollständig geöffnet.

Auf der Suche nach Stellen, die noch etwas feucht waren hielten wir an einer kleinen Senke an einer Brücke. Dort konnten wir aber leider nichts Neues mehr entdecken.


Drosera platystigma, Drosera subhirtella und Drosera androsacea


Nach Erreichen des Parkplatzes stellten wir unser Auto ab und schauten uns etwas um. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, so dass wir eine hervorragende Sicht auf die Berge und die Landschaft der Stirling Range hatten.

Blick in die Stirling Range
Da der Parkplatz etwas erhöht liegt hat man dort einen schönen Überblick über die Berge. Man konnte gut erkennen, dass sich die Landschaft deutlich von dem unterscheidet, was wir in den Tagen zuvor gesehen hatten.

Für den nächsten Tag wollten wir einen kleineren Berg der Stirling Range besteigen. Dort sollten wir noch berechtigte Hoffnung haben, blühende Utricularia menziesii zu finden. Damit wir am nächsten Tag nicht lange suchen mussten, machten wir uns auf die Suche nach dem Startpunkt dieser Wanderung.

Auf dem Weg dorthin konnten wir wieder eine für uns neue Drosera-Art finden. Dieses Mal war es die aufrechtwachsende Drosera platypoda, ebenfalls eine Pflanze aus dem Drosera stolonifera-Komplex. Wir schauten uns an dieser Stelle weiter um, in der Hoffnung noch mehr entdecken zu können. Tatsächlich fanden wir hier noch einige Drosera menziesii sowie Drosera androsacea. Neben den Karnivoren fielen uns noch einige Stylidium ins Auge.

Während der Suche hatten wir einen stechenden Geruch in der Nase.

Stylidium sp.
Es stellte sich heraus, dass ein paar Meter weiter ein totes Känguru lag, das bereits leicht verwesen war. Direkt neben dem Tier wuchsen sogar einige Drosera platypoda.

Wir fanden den Startpunkt für die Wanderung am nächsten Tag problemlos. Nachdem wir uns dort etwas umgeschaut hatten und die Route für den kommenden Tag geplant hatten wollten wir als nächstes gerne in unsere Unterkunft fahren um unser Gepäck loszuwerden. Bereits einige Tage zuvor hatten wir uns im einzigen Caravanpark im Nationalpark eine kleine Hütte reserviert.

Die Hütte bestand aus einem einzigen kleinen Raum mit zwei Stockbetten und einem Doppelbett. Hier hätten im Notfall bis zu sechs Personen übernachten können. Mir fällt es aber immer noch schwer mir vorzustellen, dass das funktionieren soll. Uns standen unsere Koffer ständig im Weg, um den Esstisch aufzubauen mussten wir sie sogar vor die Hütte stellen, da ansonsten innen kein Platz gewesen wäre. Alles in allem war es schon recht eng. Glaubt man den Hinweisen in der Hütte, sollte man das Wasser aus dem Wasserhahn nicht trinken. Der Wasserbedarf des Parks wird zum größten Teil durch Regenwasser gedeckt. Offensichtlich kam dieses auch aus dem Wasserhahn in unserer Hütte. An einem einzigen Hahn auf dem Park kann man sich mit frischem Trinkwasser versorgen.


unsere Unterkunft


An der Rezeption des Parks erhielten wir einige Tipps, wo es in der Gegend interessante Pflanzen geben sollte. Auf einer Karte zeichnete uns die nette Dame einige Wege ein, die es lohnen sollte, sich anzuschauen. Da wir für den Nachmittag noch keinen Plan hatten, beschlossen wir uns einen dieser Wege anzuschauen.

Das erste, was wir fanden waren einige Caladenia. Wenige später sahen wir die ersten Drosera purpurascens. Auf einer der Pflanzen konnte Bernd einige Wanzen der Gattung Setocorisfinden.

Setocoris auf Drosera purpurascens
Es ist bekannt, dass diese Wanzen auf Drosera und Byblis zu finden sind. Sie leben mit der Pflanze, ähnlich wie die Wanzen auf Roridula in Südafrika in Symbiose. Diese waren für uns die ersten Wanzen, die wir auf Drosera gesehen hatten. Zu Hause, bei Durchsicht der Reisebilder, fand ich dann heraus, dass wir bereits viel früher einige der Tiere gesehen haben. Hier und da waren bei genauem Betrachten der Bilder einige der Tiere auf den in den Vortagen gefundenen Drosera erythrorhiza zu sehen. Die letzten Karnivoren dieses Tages waren Drosera menziesii, sowie Drosera intricata, eine weitere gelbblühende Art. Als es dunkel wurde machten wir uns auf den Weg zurück in unser Cabin.

Der Abend ging mit einem herrlichen Sonnenuntergang zu Ende. Wir nutzen die Gemeinschaftsgrills auf dem Campingplatz und bereiteten dort unser Fleisch zu. In der Hütte kochte zeitgleich etwas Gemüse, zum Abendessen gab es eine gute Flasche Wein. Ein erfolgreicher Tag ging zu Ende.

Auch hier war die Nacht wieder recht kalt. In der Cabin stand ein Radiator bereit. Allerdings waren die Betriebsgeräusche recht störend. Da die Außentemperatur allerdings nur wenig über Null betrug, nahmen wir das in Kauf. Da wir die Fenster geschlossen hielten wurde es sehr schnell sehr luftfeucht, so dass am kommenden Morgen alle Wände, Fenster inkl. unserer Schlafsäcke von außen, leicht beschlagen waren.

Tag 11: Stirling Range

21.09.2011

Der Morgen begann mit einer Ernüchterung. Da die Nacht recht kalt war, freuten wir uns auf eine warme Dusche. Leider mussten wir feststellen, dass es an den beiden Tagen unseres Besuchs im Park kein warmes Wasser gab.

Blick auf die Stirling Range
Offensichtlich ist die Heizung für das Regenwasser ausgefallen. Zu dem standen die Tanks noch im freien, so dass das Duschwasser über Nacht sehr kalt geworden ist. Wir verzichteten daher auf eine Dusche und warteten damit, bis wir einen Tag später in Albany waren.

Der Plan für diesen Tag sah vor, einen etwa 800 Meter hohen Berg zu besteigen. Dort sollten wir mit etwas Glück noch blühende Exemplare von Utricularia menziesii finden können. Lowrie gibt die Blütezeit mit Juli bis September an (Lowrie, 2013/3). Wir waren also am Ende der Blütezeit unterwegs.

Gegen 10 Uhr begannen wir mit dem Aufstieg. Der erste Teil führte über eine enge Holztreppe steil nach oben. Leider war das Wetter an diesem Tag nicht so gut. Es war relativ kalt, leicht regnerisch und die Sonne war weit und breit nicht zu sehen. Die Sicht war zu Beginn noch ok. Durch die steilen Treppen kamen wir recht schnell nach oben.

Am Ende der Holzstufen wurde es etwas flacher. Hier fanden wir dann einige Drosera huegelii var. phillmanniana. Die dort vorkommende Form ist wesentlich kleiner als die Pflanzen, die wir am Vortag gesehen hatten.

Drosera huegelii var. phillmanniana
In der Regel hatten sie nur 3-4 Blätter und wenige Zentimeter hoch, waren aber bereits blühfähig. Die Blüte war im Verhältnis zur Pflanze überproportional groß.

Eine weitere Drosera aus dem Stolonifera-Komplex, Drosera monticola, ist von den Bergregionen der Stirling Range bekannt. Sie kommt nur in dieser Gegend vor (Lowrie, 2013/2). Auf dem ersten Blick sieht sie Drosera purpurascens sehr ähnlich, allerdings bildet Drosera monticola keine langen Triebe aus.

Diese beiden Pflanzen begleiteten uns bis auf den Gipfel des Berges. Ein paar wenige Drosera squamosa fanden wir auch noch. Auch sie waren deutlich kleiner als die Pflanzen, die wir in den kommenden Tagen noch finden sollten.

Vom Gipfel hat man einen schönen Ausblick über die Stirling Range. In der Ferne konnte man den Bluff Knoll im Nebel erkennen. Die anderen Berge lagen mittlerweile ebenfalls etwas im Nebel. Mittlerweile war es recht trüb geworden. Der leichte Nebel sorgte für eine leicht unheimliche, aber sehr reizvolle, Stimmung.


Blick auf die Landschaft der Stirling Range


Utricularia menziesii konnten wir lange Zeit leider nicht finden. Selbst nach einigem Suchen blieben wir erfolglos. Wir waren leicht enttäuscht und dachten bereits daran, den Rückweg anzutreten. Alles, was wir fanden waren weitere Drosera monticola und einige Drosera glanduligera.

Drosera glanduligera
Wir waren praktisch bereits auf dem Rückweg, als wir schließlich an einem leichten Abhang ein paar Pflanzen entdeckten! Und tatsächlich, einige davon waren in Blüte.

In den Tagen zuvor hatten wir ja bereits Rosetten von Utricularia menziesii gefunden, allerdings waren alle Pflanzen bereits verblüht. Das kühle Klima auf dem Berg sorgt offensichtlich dafür, dass die Blütezeit dort deutlich später als im Flachland ist.

Die Blüten konnte man deutlich zwischen den Steinen erkennen. Ähnlich wie die Pflanzen, die wir im Cape Le Grand gefunden haben, wuchsen sie hier auch wieder in einer sehr dünnen Substratschicht auf Granit.

Glücklich machten wir uns einige Zeit später auf dem Rückweg.

Utricularia menziesii
Das Wetter war mittlerweile noch schlechter geworden und es war zu befürchten, dass wir noch in einen Regenschauer geraten könnten. Das wollten wir gerne vermeiden.

Am frühen Nachmittag waren wir zurück an unserem Auto. Es war noch ausreichend Zeit, um uns etwas weiter im Nationalpark umzuschauen. Dort gibt es einen ungeteerten Rundweg, der sogenannte Scenic Drive, den man mit dem Auto befahren kann. Dies war in der verbleibenden Zeit gut zu schaffen, daher nahmen wir diese Fahrt in Angriff.

Neben schönen Ausblicken auf die Landschaft konnten wir auf diesem Weg noch einige interessante Pflanzen finden.

Drosera platypoda
Zum einen fanden wir Drosera platypoda, deren Blüten selbst bei diesem trüben Wetter geöffnet waren. Außerdem fanden wir noch Drosera pallida, Drosera purpurascens und Drosera pycnoblasta sowie einige schöne Orchideen.

Vor Sonnenuntergang waren wir zurück in unserer Hütte. Da wir den kompletten Tag auf ungeteerten, feuchten Straßen, verbracht haben hatte unser Auto mittlerweile eine orange Grundfarbe angenommen. Das ursprüngliche Weiß war stellenweise nicht mehr zu sehen. Da Autowaschen nicht in unseren Zeitplan passte blieb das auch bis zum Ende unserer Reise so.

Die Herdplatten in unserer Cabin funktionierten auch hier nicht wirklich gut. Also nutzten wir auch wieder die Gemeinschaftsgrills und bereiteten in der Hütte lediglich etwas Gemüse zu. Auch dieser Abend bot wieder einen traumhaft schönen Sonnenuntergang. Nachts wurde es auch wieder richtig kalt, so dass wir den Radiator wieder anschalteten.

Tag 12: Fahrt nach Albany

22.09.2011

Nach der Stirling Range war der Küstenort Albany unser nächster Stopp. Der Weg dorthin ist mit etwa 150 Kilometern nicht sonderlich lang.

Drosera platystigma
Auf dem Weg dorthin wollten wir hier und da stoppen um die Gegend zu erkunden.

Das Wetter war gut, so dass wir hofften, die an den Vortagen gefundenen Drosera platystigma und Drosera subhirtella in Blüte zu finden. Daher fuhren wir nochmal kurz zu diesen beiden Standorten bevor wir weiter in Richtung Süden fuhren.

Wir lagen mit unserem Gefühl richtig. Allerdings waren wir zu früh am Morgen da Die Blüten waren daher nur leicht geöffnet und es war absehbar, dass sie gegen Mittag in voller Blüte stehen würden. Wir konnten leider nicht so lange warten. Im Gegensatz zu den beiden Pflanzen waren einige Bltüten von Drosera pallida bereits geöffnet.

Auf dem Weg fiel uns an einer Stelle ein Briefkasten auf, der scheinbar mitten im Nichts stand. Ein Wohnhaus war weit und breit nicht zu sehen.

westaustralischer Briefkasten von innen
Offensichtlich gehörte er aber zu einer angrenzenden Farm. Dieser Briefkasten hatte die Form eines kleinen Hauses. Schaute man hinein konnte man tatsächlich ein kleines eingerichtetes Zimmer erkennen. Allerdings hätte es eine Renovierung dringend nötig gehabt. Der Sinn dessen hat sich uns bis heute nicht erschlossen.

Auf der Suche nach Kaffee machten wir noch an einem Roadhouse halt. Leider gab es dort auch nur diesen Pulverkaffee, den wir auch in unser Cabin hatten. Wir nahmen uns noch etwas Verpflegung mit und fuhren weiter.

Der Weg von der Stirling Range nach Albany führt durch den Porongurup National Park. Dort fiel uns allerdings zuerst ein Weingut aus, das wir uns kurz anschauen wollten. Wir blieben stehen und schauten uns etwas um.

Bernd war bereits kurze Zeit später mit dem Besitzer des Weinguts in den Katakomben verschwunden. Wir drei begannen nun damit, uns etwas auf dem Weingut umzuschauen. Tatsächlich konnten wir auf dem Gelände auch Karnivoren finden. Drosera hyperostigma wuchs in einem kleinen unbearbeiteten Waldstück. Zudem wachsen auf dem Gelände noch einige Drosera pallida, Drosera purpurascens und Drosera glanduligera.


Drosera pallida, Drosera hyperostigma und Drosera purpurascens


Irgendwann kam Bernd und der Besitzer wieder zurück. Es folgte nun noch die obligatorische Weinprobe, an der ich leider (ich musste ja noch fahren) nur sehr begrenzt teilnehmen konnte. Ein paar Flaschen Wein kauften nahmen wir noch mit, bevor wir weiterfuhren.

Etwas östlich von Albany liegt der Gull Rock Nationalpark. Dort wollten wir uns noch etwas umsehen, bevor wir uns für den Abend eine Unterkunft in Albany suchen wollten.

Ledge Beach
In diesem Nationalpark gibt es eine tolle Bucht, den Ledge Beach, den es sich lohnt anzuschauen. Wir fuhren zuerst dorthin und wurden nicht enttäuscht. Das Wasser war tiefblau, der Sand weiß. Solche Buchten gibt es in vielen Nationalparks in Westaustralien. Oftmals ist man dort sogar vollkommen alleine und kann daher die Landschaft in aller Ruhe genießen.

Während eines weiteren Halts in diesem Nationalpark konnten wir auf einer Wiese einen recht großen Bestand an Drosera menziesii finden. Die Pflanzen standen an diesem Tag in voller Blüte. Aufgrund fehlender Begleitvegetation wuchsen sie dort meist am Boden aufliegend.

Utricularia menziesii kommt dort mindestens genauso häufig vor. Allerdings waren die Pflanzen leider bereits alle verblüht, so dass wir nur noch die Blattrosetten finden konnten.

Gull Rock
Es muss ein grandioser Anblick sein, wenn diese Pflanzen in voller Blüte stehen. Mit Drosera pulchella konnten wir auch noch eine Zwergdrosera finden.

Wir hielten an einer weiteren Bucht an. Wir hatten mittlerweile ja bereits einiger solcher Buchten gesehen, es ist aber jedes Mal wieder ein tolles Erlebnis, das man mitnehmen sollte.

Das letzte Ziel vor Albany war der Two People's Bay National Park noch etwas weiter östlich. Dort konnten wir noch einige Drosera collina finden.


Utricularia menziesii, Drosera pulchella und Drosera collina


Am frühen Abend erreichten wir Albany und fuhren zuerst in die Touristeninformation. Dort wurde uns ein tolles Appartement vermietet. Nach zwei Tagen ohne warmes Wasser und Dusche nahmen wir dieses schöne Ferienhaus gerne an.

Blick aufs Meer in Albany
Dort hatten wir zwei Bäder, einige Schlafzimmer, eine voll ausgestattet Küche und einen großen Aufenthaltsraum. Nach den Tagen im Hinterland Westaustraliens konnten wir diesen Luxus richtig schätzen.

Vor unserer Reise nahm ich bereits Kontakt mit Phill Mann auf. Wir wollten uns mit ihm in der Nähe von Perth treffen. Um einen genauen Treffpunkt auszumachen rief ich ihn aus unserem Haus an . Wir vereinbarten und zwei Tage später in der Nähe seines Wohnorts zu treffen und zusammen einen Tag zu verbringen.


unser Ferienhaus in Albany


Tag 13: Unterwegs nach Walpole

23.09.2011

Cephalotus follicularis ist eine der Pflanzen, an die man schnell denkt, wenn man sich mit Karnivoren in Australien beschäftigt.

interessante Orchidee
Dieser Art ist für Westaustralien endemisch und kommt dort nur an einem Streifen entlang der Südküste vor. Gerne wollten wir diese Pflanze natürlich auch am Naturstandort sehen. Wir hatten Kenntnis über einen Standort in der Nähe von Walpole. Daher beschlossen wir, die Nacht in dem dortigen Caravanpark zu verbringen.

Eine der wenigen Touristenattraktionen in dieser Gegend ist das Valley of the giants. Dort kann man sehr alte und riesig große Bäume (Eucalyptus jacksonii anschauen. In die Krone der Bäume wurde ein Weg gebaut, den man begehen konnte. Da es auf dem Weg nach Walpole liegt wollten wir es uns gerne auch anschauen.

Phill hatte uns am Vorabend noch einige Tipps für die Fahrt gegeben, so dass wir Hoffnung hatten unterwegs bereits interessante Pflanzen zu finden. Das erste Mal hielten wir auf einer Piste, abseits des Highways an. Dort verlief ein kleiner, tiefbraun gefärbter, Fluss, an dessen Ufern wir uns auf die Suche machten. Es dauerte auch nicht lange, bis wir Drosera pulchella fanden. Daneben kam dort auch Drosera glanduligera sowie etwa 1,5 Meter hohe Drosera pallida vor. Schließlich fanden wir noch einige Drosera menziesii. Hier und da konnte man die Blüte von Utricularia multifida sehen.

Neben den Karnivoren gab es dort noch sehr interessante Orchideen, wieder aus der Gattung Caladenia.

Begleitvegetation
Wir verbrachten dort noch einige Zeit, konnten aber keine weiteren Karnivoren finden. Also fuhren wir weiter in Richtung Valley of the Giants.

An einer Stelle wollten wir uns nochmal im Gebüsch umschauen. Wir parkten unser Auto und machten uns auf die Suche. Wir konnten an dieser Stelle nichts finden. Als wir zum Auto zurückkamen und weiterfahren wollten kam ein recht wütender Mann auf uns zu und beschimpfte uns kräftig. Offensichtlich hatten wir auf seinem Privatgelände geparkt, zudem ein kleines Museum gehört. Dieses hatten wir nicht besucht, was ihn scheinbar sehr aufregte. Etwas irritiert fuhren wir weiter.

Der Weg zum Valley of the Giants ist gut ausgeschildert, so dass wir den Park schnell und problemlos erreichten. Nachdem wir die Eintrittsgebühren bezahlt hatten konnten wir loslaufen.

Um in den eigentlichen Park zu gelangen muss man zuerst über den in den Baumkronen gebauten Tree Top Walk laufen, ob man will oder nicht, meinem Fall eher letzteres.

Tree Top Walk
Der Weg schwankte leicht und war nach unten durchsichtig. Über gerade Stücke gelangt man von einer Plattform auf die nächste. Auf diesen Plattformen sollten sich zeitglich nicht mehr als sechs Personen aufhalten. Daran schienen sich die meisten Besucher aber nicht wirklich zu halten. Ich war jedenfalls heilfroh, als wir den Weg hinter uns hatten.

Nach dem Tree Top Walk führt ein kleiner Rundweg durch den Park. Die Bäume sind sehr beeindruckend und müssen uralt sein. Die Stämme waren riesig, teilweise führte der Weg durch Aushöhlungen alter Stämme. Teilweise hätte dort sogar ein Kleinlaster durchgepasst.

Hier sahen wir auch zum ersten Mal eine Huntsman Spieder. Dies Spinne erreicht problemlos die Größe von Vogelspinnen und ist somit eine der größten Spinnen Australiens. Für Menschen sind sie nicht gefährlich. Das Exemplar, das wir sahen wohl noch ein recht kleines Jungtier, dennoch aber sicherlich die größte Spinne, die ich bisher in der Natur gesehen habe!


Eucalyptus jacksonii und Huntsman Spider


Am Ende des Rundwegs landeten wir im Souvenir-Shop. Da er aber neben dem üblichen Kram wie Tassen, Schilder, Anstecker usw. nicht viel interessantes im Angebot hatte verbrachten wir hier kaum Zeit und fuhren weiter.

Unser nächstes Ziel war nun der Standort von Cephalotus follicularis in der Nähe von Walpole. Wir hatten eine ungefähre Ahnung, wo wir suchen mussten.

Blick aufs Meer entlang der Klippen
Allerdings gestaltete es sich vor Ort dann doch deutlich schwieriger als im Vorfeld angenommen.

An diesem Standort wachsen die Pflanzen an senkrechten Klippen in direkter Nähe zum Meer. Von der Straße aus gibt es praktisch keine sichere Möglichkeit, die Klippen hinabzusteigen. Sicherlich waren wir stellenweise nur wenige Meter von den Pflanzen entfernt, kamen aber nicht runter. Wir liefen daher relativ lange oberhalb der Klippen und suchten nach einer Möglichkeit nach unten zu gelangen. Auf der Suche fanden wir einige Drosera collina und Drosera glanduligera. Dafür interessierten wir uns allerdings in diesem Augenblick nicht.

Etwas enttäuscht und frustriert wollten wir aufgeben und am nächsten Tag nochmal auf die Suche gehen. Daher fuhren wir zum Caravanpark, mieteten uns dort eine Cabin und fragten dort einfach mal nach den Pflanzen.

Cephalotus follicularis
Tatsächlich konnten die Leute mit der "Albany Pitcher Plant" etwas anfangen. Mehr, als dass sie an den Klippen wachsen wussten sie allerdings leider auch nicht.

So schnell wollten wir dann aber doch nicht aufgeben, daher waren wir kurze Zeit später wieder auf der Suche. Kurz bevor wir erneut aufgeben wollten fanden wir dann tatsächlich eine Stelle, an der wir in Richtung Meer die Klippen hinunterlaufen konnten! Wir standen plötzlich am Meer und konnten an den Klippen entlang laufen. Es war noch ein Stück Weg bis zu den Pflanzen, aber das hatten wir schnell hinter uns und die ersten Pflanzen hatten wir schnell gefunden.

Wir waren sehr froh, dass wir sie doch noch gefunden hatten. Die Pflanzen waren tiefrot gefärbt und hingen in zum Teil großen Horsten an den Wänden. Die Pflanzen hatten fast ausschließlich karnivore Blätter gebildet. Die für Cephalotus typischen Winterblätter konnten wir kaum finden. Interessant war auch zu sehen wir unterschiedlich die Deckel der Pflanzen gefärbt waren.

Cephalotus follicularis
Einige waren fast komplett rot, während andere fast weiß blieben.

Die Pflanzen wachsen tatsächlich nur wenige Meter vom Meer entfernt. Bei Hochwasser oder Sturm bekommen sie vermutlich etwas Salzwasser ab. Da die Bucht aber nur durch einen Zufluss mit dem Meer verbunden ist und auch einige kleinere Flüsse hineinmünden kann ich mir gut vorstellen, dass der Salzgehalt leicht unter dem des offenen Meeres liegt. Wie genau und in welchen Mengen sie mit dem Salzwasser in Berührung kommen war für uns schwer einschätzbar. Dieser Hang hat übrigens Südlage. Auf der Südhalbkugel ist dies, anders als bei uns, die sonnenabgewandte Seite. Trotzdem waren die Pflanzen tiefrot gefärbt.

An den Klippen lief ständig etwas Wasser herab. An einigen Stellen konnten sich Moose bilden und es war auch zu erkennen, dass Teil der Klippen wohl regelmäßig ins Meer fallen. Dieser natürliche Vorgang wird sicher früher oder später die Klippenstücke mit den Pflanzen betreffen. Es bleibt abzuwarten, wie die Pflanzen damit umgehen würden**.

Cephalotus ist aber nicht die einzige Karnivore, die man dort finden kann. An einigen Stellen konnten wir kleine Drosera pulchella finden.

Als wir den Standort verlassen hatten und zurück am Auto waren war es mittlerweile etwa 16.30 Uhr. Bis zum Sonnenuntergang waren es noch etwa 90 Minuten. Die Zeit wollten wir noch für einen weiteren Standort in der Nähe nutzen. Dort soll es Drosera hamiltonii und Drosera binata geben, die aber beide wohl sehr schwer zu finden sind. Obwohl uns das bewusst war wollten wir diese kleine Chance gerne noch nutzen.

Nach einer kurzen Fahrt waren wir im Nationalpark angekommen und begannen auf einer Wiese mit der Suche. Leider konnten wir, nicht ganz unerwartet, weder Drosera hamiltonii, noch Drosera binata finden. Trotzdem gingen wir nicht leer aus. Auf dieser Wiese wuchsen einige Drosera neesii, die im Sonnenuntergang herrlich glitzerten. Daneben fielen uns noch interessante Orchideen auf. Auf dem Boden konnten wir noch Drosera glanduligera und einige Blüten von Utricularia multifida finden.


Drosera neesii, Drosera glanduligera und Orchidee


Während der Autofahrt zurück fielen uns einige Granithügel auf, die wir uns am nächsten Tag auf dem Weg nach August gerne anschauen wollten. Übernachten wollten wir dann schließlich in der Nähe des Lake Navarino, da wir von dort aus gut zu unserem Treffpunkt mit Phill Mann kommen könnten.

Der Grill
Der Plan war recht sportlich, schien uns aber durchaus möglich.

Nach dem Appartement in Albany verbrachten wir diese Nacht wieder in einer kleinen Cabin auf einem Campingplatz. Fast schon erwartungsgemäß konnte man auf den Herdplatten das Fleisch maximal kochen. Daher suchten Bernd und ich wieder den Gemeinschaftsgrill auf um unser Fleisch braten zu können. Leider war es dort sehr dunkel und wir konnten kaum etwas erkennen. Ein kleines, rattenähnliches Tier lenkte uns zudem noch ab und das Fleisch geriet etwas in Vergessenheit. Zum Glück hatte der Grill eine Ausschaltautomatik, so dass es wenigstens nicht verbrannt ist.


**: Nach Berichten sollen in den Jahren nach unserem Besuch tatsächlich große Stücke der Klippen ins Meer gefallen sein, unter anderem auch Stellen, an denen Cephalotus vorkam. Es gibt aber zum Glück auch neuere Berichte darüber, dass es dort immer noch einige Pflanzen gibt.

Tag 14: Von Walpole nach Bunbury

24.09.2011

Das Programm für diesen Tag war recht sportlich, so dass wir bereits sehr früh morgens aufbrachen. Das erste Ziel waren die Granithügel nur wenige Kilometer weiter, die wir am Vortag bereits gesehen hatten.

South Western Highway
Schnell waren wir dort.

Das erste, was uns ins Auge fiel waren große Bestände von Utricularia multifida. Praktisch alle Stellen, an denen sich etwas Wasser ansammeln konnte waren davon besetzt. Daneben fanden wir eine weitere für uns neue Utricularia-Art, Utricularia violacea.

Die Blüten dieser Art sind recht klein. Hier und da konnten wir sie aber zwischen den Utricularia multifida entdecken. Neben diesen beiden Pflanzen konnten wir noch extrem kleine Blüten von Utricularia tenella entdecken.

Drosera gibt es dort natürlich auch.

Utricularia violacea
Neben Drosera pulchella konnten wir noch die kletternde Art Drosera modesta entdecken. Diese Pflanzen waren kurz vor dem Einziehen.

Kurz nach der Weiterfahrt standen wir auch schon wieder. Ein weiterer Granithügel ist uns ins Auge gefallen. Hier konnten wir direkt beim Aussteigen im Straßengraben bereits Blüten von Utricularia tenella finden. Daneben wuchsen hier auch wieder einige Drosera pulchella, direkt daneben auch noch wenige Drosera erythrorhiza. Das auffälligste an diesem Standort war die endlos große Fläche, auf der Utricularia multifida wuchs. Die Landschaft war von den Blüten pink gefärbt. Einen solch großen Bestand hatten wir vorher noch nie gesehen!

Beim genaueren Betrachten der Pflanzen fiel und auf, dass die Blütenform und Größe recht variabel ist. Praktisch keine Blüte glich der anderen. Wir blieben recht lange an dem Standort und schauten uns alles genau an. Als wir weiterfuhren standen wir nach 10 Minuten bereits wieder am nächsten Granithügel.

Hier konnten wir neben weiteren Drosera modesta noch einige Drosera menziesii finden. Ansonsten gab es hier nichts weiteres zu entdecken, so dass wir schnell wieder weiterfuhren.

Es kam, wie es kommen musste: Nur wenige Minuten später hielten wir schon wieder an.

typischer Granithügel
Dieses Mal standen wir wieder vor einem nicht endend wollenden Granithügel, der komplett mit kleinen pinken Blüten bedeckt war. Wir hatten natürlich direkt Utricularia multifida im Verdacht, mussten aber feststellen, dass es sich um eine Stylidium mit exakt gleicher Blütenfarbe handelte.

Die Blütenfarbe ist absolut identisch mit der von Utricularia multifida! Wenig später stießen wir dann tatsächlich noch auf größere Bestände dieser Utricularia.


Utricularia multifida "white flower"
An diesem Standort konnten wir zu unserer Überraschung auch noch eine annähernd weißblühende Utricularia multifida finden. Diese Blütenfarbe ist recht selten, kommt aber gelegentlich wohl vor. In der Tat fanden wir nur eine einzige dieser Blüten zwischen tausenden von pink blühenden Pflanzen.

Drosera glanduligera gab es dort, wie an fast jedem Standort, natürlich auch. Daneben konnten wir noch Drosera macrantha entdecken. Der Massenbestand der Stylidium und Utricularia fanden wir in diesem Moment aber deutlich interessanter.

Es war nun bereits 11.30 Uhr. Für die ersten 20 Kilometer das Tages hatten wir also knapp einen halben Tag gebraucht. Dies warf unseren Plan vollkommen durcheinander. Uns wurde klar, dass wir nicht alles schaffen können, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten.


Utricularia violacea, Drosera macrantha und Utricularia multifida


In Northcliffe machten wir in einem Restaurant Mittagspause. Dort gab es Burger. Gerne griffen wir zu. Während des Essens besprachen wir den weiteren Plan. Wir wollten eigentlich über Augusta und dann weiter Richtung Norden fahren. Leider war der Umweg über Augusta nicht mehr drin.

Warnhinweise!
Das hätte viel zu viel Zeit gekostet. Die Ecke um Augusta soll einiges an Karnivoren beherbergen, daher fiel es uns recht schwer, darauf zu verzichten. Schließlich beschlossen wir aber über Pemberton weiter in Richtung Perth zu fahren. Dadurch ergab sich noch die Möglichkeit, den Gloucester Tree zu besichtigen.

Dieser Baum war einer von acht Aussichtspunkten der Feuerwehr. Von dort aus wurden Brände überwacht. Der Gloucester Tree ist mit etwa 70 Meter der höchste dieser Bäume. Heute kann er von (wagemutigen) Touristen bestiegen werden. Als Kletterhilfe sind Metallstäbe in den Baum gehämmert worden. Auf diesen kann man den Baum bis zu einer Plattform in knapp 60 Metern Höhe besteigen. Es gibt keine größeren Sicherheitsmaßnahmen und/oder Aufsichtspersonal. Sicherlich wäre das bei uns in Deutschland nie erlaubt! Von uns hat sich niemand mehr als ein paar Meter in den Baum getraut. Wir schauten lieber denjenigen zu, die es versuchten. Die wenigstens sind wohl oben angekommen.

Da wir noch etwas Weg vor uns hatten machten wir nur noch einen kurzen Stopp direkt neben der Straße.

Drosera intricata
Die Stelle war leicht feucht und ist uns daher ins Auge gefallen. Hier konnten wir noch einmal die gelbblühende Drosera intricata finden. Des Weiteren kamen hier noch Drosera gigantea sowie Utricularia multifida vor. Mit Drosera tubaestylis fanden wir schließlich noch eine Art, die wir bisher noch nicht gesehen hatten.

Am Vorabend begannen wir damit, uns eine Cabin für die Nacht zu suchen. Leider war das etwas komplizierter. Die ersten beiden Campingplätze hatten leider nichts mehr frei. Zum Glück ist diese Ecke Westaustraliens bewohnter als das Hinterland, so dass es hier mehr Möglichkeiten gab. Wir wurden schließlich in Bunbury fündig und mieteten uns dort für zwei Tage ein.

Damit waren wir immer noch knapp 90 Kilometer von unserem ursprünglichem Ziel, dem Lake Navarino entfernt. Wir hatten uns für den Tag wohl einiges zu viel vorgenommen und auch nicht damit gerechnet, dass wir am Mittag erst 20 Kilometer weit gekommen sind.

Da Bunbury ein etwas größerer Ort ist gab es hier einige Einkaufsmöglichkeiten. Da wir in den letzten Tagen meist selbst gekocht haben gingen wir an diesem Abend in eine lokale Pizzeria. An einer Telefonzelle versuchten wir noch kurz Phill anzurufen und ihm zu erklären, dass wir es leider doch nicht (für unsere Verhältnisse) in seine Nähe geschafft hatten. Leider war er aber nicht erreichbar.


Drosera intricata (links und rechts) und Drosera gigantea (Mitte)


Neben Phill wollten wir noch gerne einen weiteren Australier treffen. Mit David Banks hatte ich bereits vor der Reise vereinbart, dass wir uns gegen Ende unserer Reise treffen. Daher rief ich ihn an diesem Abend noch an um einen Treffpunkt auszumachen. David lud uns für zwei Tage später zu sich nach Hause ein. Das nahmen wir natürlich gerne an.

Claus-Jürgen hatte an diesem Abend noch ein besonderes Erlebnis! In seinem Bett hatte es sich eine Huntsman Spider gemütlich gemacht. In einigen Reiseführern und Berichten liest man von sowas ja hin und wieder mal. Dass es einen von uns aber treffen würde hätten wir allerdings nicht für möglich gehalten.

Tag 15: Unterwegs mit Phill Mann – Tag 1

25.09.2011

Bereits beim Frühstück erlebten wir das erste kleine Abenteuer. Offensichtlich waren die Rauchmelder in unseren Zimmern so feinfühlig, dass bereits das Toasten eines handelsüblichen Toasts dafür sorgte, dass sie ansprangen.

Diuris magnifica bei Harvey
Wir befürchteten nun, dass die Feuerwehr direkt kommen würde, dies war aber zum Glück nicht der Fall. Das offen lassen der Türe während des Toastvorgangs erledigte das Problem schließlich.

Wir waren mit Phil an einer Tankstelle in Waroona verabredet. Nach dem Frühstück machten wir uns direkt auf den Weg. Phill Mann gehört zu den Urgesteinen der australischen Karnivoren-Szene und kannte sich als echter Westaustralier sehr in seiner Heimat aus. Wir waren sehr froh, dass er sich etwas Zeit für uns genommen hat.

Wir fanden die Tankstelle problemlos und erkannten Phil sofort, ohne dass wir uns jemals gegenseitig gesehen haben. Auf der anderen Straßenseite stand eine kleine Bank mit einem Tisch. Dort setzen wir uns etwas hin und unterhielten uns.

Kurze Zeit später ging es auch bereits los. Wir sollten Phil einfach folgen. Der Weg sollte in Richtung Bunbury führen, also genau dahin zurück, wo wir herkamen!

Wir fuhren Phil blind nach. Dies führte dazu, dass wir bereits wenige Zeit später die Orientierung verloren hatten. Phil fuhr über viele kleine Straßen, die unser Straßenatlas nicht kannte. Als er plötzlich in einen Weg abbog, der nur für Allradfahrzeuge vorgesehen war wunderten wir uns etwas und blieben kurz stehen. Phil versicherte uns, dass es auch mit unserem Auto kein Problem sei.

blühende Drosera glanduligera
Abgesehen davon sei das Auto ja auch "nur" ein Mietwagen. Wir machten uns auf die Fahrt. Es war zwar nicht ganz unkompliziert, aber irgendwann kamen war am Ziel an. Auf einer offenen Fläche vor einem Waldstück blieben wir stehen.

Phil führte uns nun durch das Waldstück. Die ersten Karnivoren, die wir fanden waren Drosera glanduligera am Waldrand. Dort gab es einen richten Massenbestand, einige der Pflanzen waren in voller Blüte. Danach fanden wir einige Drosera pallida und Drosera rosulata.

Als nächstes zeigte Phill uns die sogenannte Strohblume. Die Blüten dieser Pflanzen fühlen sich tatsächlich an, als ob man Papier in die Hand nimmt. Sicherlich wären wir ohne Phill an dieser interessanten Pflanze einfach vorbeigelaufen. Neben dieser Pflanze wies er uns noch auf einige Caladenia flava, sowie pink blühende Stylidium.

Nach dem wir wieder freie Sicht hatten konnten wir unten deutlich die Straße erkennen, von der wir gekommen waren.

Drosera stolonifera
Uns lies das Gefühl nicht los, dass wir die Stelle auch einfacher hätten erreichen können.

Wir standen nun vor offenem Gelände auf einem Granithügel. Dort fielen uns sofort riesige Bestände von Drosera stolonifera und Drosera gigantea auf. Teilweise war der komplette Boden von diesen Pflanzen bedeckt! In den Tagen zuvor hatten wir beide Arten ja bereits gesehen, aber nie in einem solchen Massenbestand. Wir waren davon sehr beeindruckt.

Daneben kamen in dem Gelände weitere Drosera macrantha und Drosera rosulata vor. Hier und da konnten wir auch Drosera menziesii entdecken. An dieser Stelle kommt Drosera mangna ebenfalls vor. Die grünen Rosetten erreichten einen Durchmesser von bis zu 15cm.

Wir blieben einige Zeit an diesem faszinierenden Standort. Hätte Phil nicht mehr mit uns vorgehabt wären wir sicher noch deutlich länger dort geblieben. Irgendwann machte Phil uns aber deutlich, dass wir aufbrechen müssen.


Stylidium sp., Drosera macrantha und Drosera gigantea


Es folgte wieder eine Irrfahrt durch die Gegend. Lediglich an dem ein oder anderen Straßenschild konnten wir uns orientieren.

Drosera marchantii
Nach etwa 20 Minuten hielt Phill. Wir standen am Rand eines kleinen Laubwaldes.

An diesem Standort gab es einen größeren Bestand von Drosera marchantii. Wir hatten Glück, die Pflanzen standen an diesem Tag in voller Blüte.

Eine kleine Spinne erregte dann noch unsere Aufmerksamkeit. Nicole fand zwischen zwei Grashalmen eine kleine, sogenannte, Jewel Spider (Austracantha minax). Diese Spinnen werden auch Spiny Spider oder Christmas Spider genannt. Die Weibchen erreichen eine Größe von gerade mal 8mm, die Männchen bleiben kleiner. Auf dem auffällig gefärbten .Hinterleib dieser Tiere befinden sich Stacheln. Wir fanden schließlich noch mehr dieser Tiere.

An diesem Standort gibt es auch wieder einige Drosera rosulata. Dieses Mal waren die Pflanzen schön rot gefärbt. Weiterhin konnten wir noch einige Drosera pallida, Drosera collina und Drosera menziesii finden. Phill erzählte uns noch, dass dieser Standort leider häufig für illegale Geländewagen-Rennen verwendet wird. Dadurch sei der halbe Bestand bereits zerstört worden. Nach Besichtigung dieses Standortes machten wir an einer Tankstelle Mittagspause.


Drosera marchantii, Jewel Spider und Drosera menziesii


Phill wollte uns nun gerne den Typusstandort von Drosera bulbigena zeigen.

Drosera tubaestylis
Als wir dort ankamen mussten wir aber leider feststellen, dass das Gelände viel zu nass war und wir daher leider nicht bis zu den Pflanzen gelangen konnten. Immerhin fanden wir noch einige Drosera rosulata und Drosera tubaestylis. Im Wasser fand Phill noch einen sehr kleinen Frosch. Danach fuhren wir recht schnell weiter.

Die Fahrt zum nächsten Standort war noch etwas verwirrender, als zuvor. Wir folgten wieder Phill. Offensichtlich hatte er auch die Orientierung verloren und machte einen kurzen Stopp um auf der Karte den Weg zu suchen. Wenigstens hatten wir dadurch wieder in etwas ein Gefühl dafür, wo wir gerade waren. Dies war wenige Minuten und einige Nebenstraßen später allerdings schon wieder vorbei.

Schließlich erreicht wir die Stelle, die Phill gesucht hatte. Wir stiegen aus dem Auto aus und liefen wieder durch ein kleines Waldstück. Dort fanden wir auch direkt die ersten Drosera, Drosera rosulata und Drosera glanduligera.

Caladenia sp.
Auch hier gab es wieder einige Caladenia. Hier und da befanden sich große Spinnennetze zwischen den Bäumen. In einigen der Netzten konnte man auch die Bewohner finden. Für unsere Verhältnisse waren die Spinnen durchaus groß.

Nachdem wir durch den Wald gelaufen sind befanden wir uns an einer recht offenen Stelle. Hier konnten wir einen größeren Bestand an Drosera tubaestylis finden. Die typischen Ausläufer dieser Pflanzen waren deutlich zu erkennen. Drosera tubaestylis wuchs in dichten Kolonien, die vermutlich durch diese Ausläufer entstanden sind.

Utricularia multifida war an diesem Standort nicht zu übersehen. Die Pflanzen wuchsen hier auch wieder in sehr dichten Beständen, teilweise waren die Wiesen pink gefärbt.

Drosera nitidula
Zwischen diesen Pflanzen konnten wir immer wieder einige Utricularia violacea finden.

Die Mücken waren hier besonders nervig. Unser Abwehrspray schien hier zum Teil zu versagen. An diesem Tag wurden wir alle trotz diverser Gegenmaßnahmen reichlich gestochen.

Natürlich fehlte auch eine Zwergdrosera an diesem Standort nicht. Hier konnten wir einige Drosera nitidula finden. Auch diese Pflanzen bildeten einen dichten Bestand. Leider blühten sie an diesem Tag nicht.


Utricularia multifida, Drosera nitidula und Utricularia violacea


Phill hatte sich, und somit auch uns, für diesen Tag viel vorgenommen. Daher brachen wir kurze Zeit später zu einer weiteren Irrfahrt durch Südwestaustralien auf.

der Quarzsand-Berg
An einem riesigen Quarzsand-Berg blieben wir stehen.

Direkt nach dem Aussteigen konnten wir Drosera micrantha finden. Die Pflanzen wuchsen in purem Sand. Die roten Rosetten hoben sich gut vom Untergrund ab, so dass die Pflanzen gut zu finden war. Einige standen sogar in Blüte. Da die Sonne stark schien und der helle Sand stark reflektierte war es sehr schwer gute Fotos zu machen.

Wir liefen dem Sandberg hoch. Oben war er flach und man konnte sich etwas umschauen. Dort konnten wir neben den Zwergdrosera noch blühende Exemplare von Drosera drummondii finden. Laut Phill sollte es dort auch Drosera zonaria geben, die wir allerdings nicht fanden. Vermutlich waren die Pflanzen bereits eingezogen.

Elythranthera brunonis
Neben den Karnivoren konnten wir oben noch die beiden, uns mittlerweile bekannten, Erdorchideen Elythranthera brunonis und Caladenia flava finden.

Während wir uns auf dem Berg umschauten kam der Besitzer mit einem kleinen Quad zu uns gefahren. Er war alles andere als erfreut, uns dort zu sehen. Phill konnte ihn aber schnell besänftigen und versichern, dass wir uns lediglich die Pflanzen anschauten. Schließlich wollte er Phill noch einige interessante Pflanzen zeigen, die er auf seinem Grundstück gefunden hatte. Bernd kam mit Phill und sie verschwanden für einige Zeit. Nun fing es leicht zu regnen an.

Leider wird dieser Standort nicht mehr lange existieren. Der Sand dieses Berges soll verkauft werden. Der Gewinn daraus soll mehrere Millionen australische Dollar betragen. Dies wird dort leider alles zerstören.

Als nächstes fuhren wir mit Phill zu einem kleinen Waldstück. Dort fanden wir direkt einige Drosera pallida. Hier und da fanden wir noch einige Drosera huegelii var. huegelii. Als Zwergdrosera-Art war dort Drosera stelliflora vertreten. Phill entdeckte noch eine Stabheuschrecke. Die Farbe dieses Tieres entsprach exakt dem der Umgebung. Phill lockte das Tier auf einen kleinen Ast, so dass wir es gut anschauen konnten.

Es war erschreckend zu sehen, dass an diesem Standort überall Müll rumlag. Wir sahen allte Schuhe, leere Dosen und weiteren Müll. Offensichtlich wird diese Stelle als billige, illegale Müllhalde verwendet.


Stabheuschrecke, Drosera huegelii var. huegelii und Drosera stelliflora


Phill wollte uns noch einen Standort zeigen. Dieser liegt in der Nähe von Bunbury.

Drosera gigantea
Er versprach uns dort einige Utricularia sowie besonders schöne rote Drosera gigantea.

Dort angekommen fanden wir zuerst Drosera tubaestylis. Die Pflanzen dort bilden kaum Stolone aus. Dies führt dazu, dass sie nicht, wie sonst üblich, dichte Horste bilden. Auch die Blattform ist leicht unterschiedlich.

Nur wenig später fanden wir die von Phill versprochenen Drosera gigantea. Sie waren deutlich anders als die Pflanzen, die wir bisher gesehen hatten. Zwischen den Drosera gigantea wuchsen einige Drosera intricata.

Die ersten Utricularia, die wir fanden waren Utricularia multifida, gefolgt von Utricularia violacea. Das eigentliche Highlight war allerdings eine andere Art, nämlich Utricularia inaequalis. Auch hier war die Bandbreite der Blüten in Form und Farbe recht groß.

Es regnete nun immer kräftiger. Da es hier nichts weiteres zu entdecken gab machten wir uns auf den Rückweg. Dabei konnten wir sogar noch eine sehr selten weißblühende Utricularia violacea finden.

Am Auto angekommen verabschiedeten wir uns von Phill und überreichten ihm noch einen der GFP-Kalender, die wir für ihn mitgebracht hatten. Daraufhin zeigte er uns in seinem Auto noch ein paar Plakate, die die dortige Karnivorengesellschaft entworfen hat.

Utricularia inaequalis
Auf den Plakaten waren Bilder der heimischen Arten in sehr guter Qualität!

Phill fragte uns noch, ob wir Lust hätten am nächsten Tag nochmal mit ihm aufzubrechen um uns weitere Standorte anzuschauen. Das Angebot nahmen wir natürlich gerne dankend an! Phill lud uns am kommenden Morgen zu sich nach Hause ein, von wo aus wir starten sollten.

Da wir keine guten Möglichkeiten zum Kochen in unseren Zimmern hatten gingen wir Abends in Bunbury Essen. Nach dem Essen besuchten wir noch ein lokales Pub und probierten einige der heimischen Biere mit so klingenden Namen wir Redback Beer oder Emu Export. Nach diesem interessanten Erlebnis schauten wir in unserem Zimmer noch etwas fern, bevor wir uns ins Bett legten.


Utricularia inaequalis, Drosera intricata und Drosera gigantea


Tag 16: Unterwegs mit Phill Mann – Tag 2

26.09.2011

Nach dem Frühstück fuhren wir zu Phills Haus. Dort wurden wir bereits von Phill erwartet. Kurze Zeit später brachen wir auch bereits auf.


Orchidee bei Harvey
Wir fuhren zu einem Standort, den Phill seit einiger Zeit selbst nicht gesehen hatte. Es handelte sich dabei wieder und ein Waldstück. Die ersten Karnivoren, die uns dort auffielen waren sehr schön rot gefärbte Drosera squamosa. Daneben gab es auch hier wieder die Lackorchideen der Art Elythranthera brunonis.

Hier und da wuchsen einige Drosera micrantha, Drosera glanduligera und Drosera porrecta. Auf letzteren konnten wir einige Setocoris-Wanzen beobachten. Die Wanzen verschwanden bei der kleinesten Störung hinter den Blättern der Pflanzen. Warten man lange genug ruhig vor der Pflanze kommen sie wieder hervor. Mit etwas Geduld gelangen uns ein paar brauchbare Bilder.

Laut Phill sollte es in dort noch einige Drosera gigantea geben. Daher machten wir uns auf die Suche. Phill führte uns mitten durch den teilweise sehr dichten Wald. Sobald die Stellen etwas offener wurden konnten wir auch jeweils einige Drosera finden, allerdings keine Drosera gigantea.

Drosera porrecta
Sie wuchsen oftmals zusammen mit Orchideen der Gattung Diuris. Ebenfalls erwähnenswert ist der recht hohe Bestand an Grasbäumen.

Wir kamen nach einiger Zeit an einem kleinen See an. Phill sagte, in diesem See könnte es durchaus Utricularia volubilis geben. Allerdings hätten wir dazu durch diesen See waden müssen. Phill hielt das allerdings für keine gute Idee, da er in diesem See ebenfalls die sehr giftigen Tigerottern (Notechis sp.) vermutete. Daher sahen wir davon ab, so gerne wir Utricularia volubilis auch gesehen hätten! Drosera gigantea konnten wir nicht finden. Wir waren mittlerweile auch schon recht lange im Unterholz unterwegs und entschlossen uns daher dazu, die Suche abzubrechen. Phill gab nun an, dass er nicht mehr so genau wisse, wo unser Auto steht und in welche Richtung wir zurücklaufen müssen. Angeblich ohne Orientierung liefen wir los. Dennoch kamen wir wie durch ein "Wunder" wieder direkt an unserem Auto an. Wir wurden das Gefühl nicht los, dass er uns hier und da etwas auf die Schippe genommen hat.

Es war mittlerweile Mittagszeit. Phill machte den Vorschlag, etwas zu Essen zu besorgen und dies gemeinsam bei ihm einzunehmen. Daher fuhren wir auf dem Rückweg an einer Tankstelle vorbei und kauften dort noch schnell etwas ein. Unter anderem kauften wir einige Beefpies ein. Phill reagiert etwas verdutzt, als wir ihm erzählten, dass wir uns dieses Gepäck öfter morgens bereits für den Mittag geholt haben und sie mittags dann kalt gegessen hatten. Dass man sie auch kalt essen kann schien für ihn zumindest ungewöhnlich zu sein.


Diuris longifolia, See im Wald und Setocoris auf Drosera porrecta


Vor unserer Abfahrt, zeigte Phill uns noch schnell sein Arbeitszimmer. In diesem Zimmer hat er einige Andenken von seinen Reisen, unter anderem einige vergoldete Nepenthes-Kannen, ausgestellt. Uns fiel zudem noch der GFP-Kalender auf, der an seiner Wand hing.

Ich hatte mit Phill nach unserer Reise noch hier und da Kontakt per Email und wir tauschten Bilder aus. Leider musste ich 2015 dann erfahren, dass er gestorben ist. Gerne hätten wir uns mit ihm auf einer zukünftigen Reise nochmal getroffen. Dies ist jetzt leider nicht mehr möglich. Die zwei Tage mit ihm werden wir sicherlich nicht vergessen.

Wir fuhren nun Richtung Norden. Die Nacht wollten wir gerne in der Nähe von Perth verbringen, da wir dort am kommenden Tag mit David Banks verabredet waren.

verschiedene Drosera squamosa
Auf dem Weg dorthin wollten wir uns gerne am Lake Navarino etwas umschauen, da es dort sehr interessante Bestände von Drosera squamosa geben sollte.

Es war kein Problem, den See zu erreichen. Kurz zuvor hielten wir noch einmal an. Dort fanden wir im Wald auch bereits die ersten Drosera. Hier kamen flächendeckend Drosera aus dem Drosera erythrorhiza-Komplex vor. Die meisten fallen wohl sicherlich unter die Art Drosera squamosa, einige andere eher unter Drosera collina oder Drosera magna. Wieder andere konnten wir keiner der bekannten Arten zuordnen. Die Bandbreite an Blattformen, Farbe und Größe war wirklich enorm!

Am See selbst erlebten wir noch eine Überraschung! Offensichtlich wurde das Wasser mehr oder weniger komplett abgelassen. Da es sich um einen künstlichen Stausee handelt ist dies möglich.

der ausgetrocknete See
Ein Schild am Ufer wies daraufhin, dass man auf dem See wohl sogar Wasserski fahren kann. Zumindest an dem Tag, an dem wir dort waren, war das nicht möglich. Im Randbereich fanden wir die letzten Karnivoren dieses Tages, einige Drosera marchantii und Drosera pulchella.

Die Suche nach einer Unterkunft gestaltete sich schwerer als wir dachten. Auf dem Capingplatz von Pinjarra war leider nichts mehr frei. In Ravenswood gab es nur noch Cabins mit Notbetten, so dass wir dort auch nicht blieben. Erst an der dritten Anlaufstelle, in Mandurah, hatten wir Glück und konnten etwas bekommen. Die Cabin war wirklich sehr schön, daher beschlossen wir dort gleich zwei Nächte zu bleiben und hielten uns die Option für die letzte Nacht offen.

Mandurah ist ein für diese Gegend recht großer Ort, direkt am Meer. Vor Sonnenuntergang fuhren wir daher noch zu einem kleinen Strand um die untergehende Sonne zu beobachten. In einem Supermarkt konnten wir problemlos alles erhalten, was wir für den Abend benötigten. Nach dem Einkauf kochten wir unser Abendessen und ließen mit dem ein oder anderen Wein den Abend zu Ende gehen.

Tag 17: Unterwegs mit David Banks

27.09.2011

Am Vorabend telefonierte ich nochmal kurz mit David.

Cephalotus von David
Er gab mir seine Adresse und wir machten uns nach dem Frühstück auf den Weg zu seinem Haus. David wohnte damals in Baldivis, einem kleineren Vorort von Perth. Dank unserem Navi fanden wir sein Haus problemlos und wurden von ihm herzlich empfangen. David zeigte uns seine Pflanzensammlung, die in einem kleinen ungeheizten Gewächshaus und auf seiner Terrasse verteilt war. Seine Sarracenia standen gerade in voller Blüte und begannen gerade damit, Schläuche zu bilden. Im Haus kultivierte er noch einige Pflanzen in kleinen Terrarien.

Wir schauten uns seine Pflanzen eine ganze Zeit lang an und sprachen über die Unterschiede in Kultur zwischen Australien und Deutschland. Es war sehr interessant zu hören, mit welchem Aufwand er die in Europa einheimischen Drosera wie z.B. Drosera rotundifolia pflegen muss. Dafür fand seine Zwergdrosera-Sammlung ungeschützt im Garten Platz.

Der erste Standort, den wir uns zusammen mit David anschauten lag etwas nördlich von Baldivis.

Drosera porrecta mit Setocoris
Hier fanden wir einige Drosera erythrorhiza und Drosera porrecta. Die Pflanzen standen sehr schattig und waren daher recht grün. Auch hier konnten wir beim genauen Hinsehen einiger der Setocoris-Wanzen finden. Wir hielten uns hier nicht sonderlich lange auf.

Der nächste Standort, den David uns zeigte, lag nur wenige Kilometer entfernt. Dort fanden wir auf einer Sandfläche einige Rosetten von Drosera zonaria. Die Pflanzen standen in der Regel unter Bäumen und Büschen und bildeten größere Kolonien, die vermutlich durch unterirdische Ausläufer entstanden sind. Daneben fanden wir dort auch wieder Drosera erythrorhiza und Drosera pallida.

Nachdem wir uns in einer Bäckerei mit etwas Kaffee und etwas zu Essen versorgt hatten fuhren wir weiter. Die nächste Stelle sollte ein Granithügel in der Nähe von Jarrahdale sein. Die Fahrt dorthin war problemlos. Allerdings zogen mittlerweile große graue Wolken auf.

Die erste Karnivore, die uns auffiel waren Drosera rosulata. Die roten Rosetten dieser Art waren gut zu erkennen. Dort muss es kurz vor unserem Besuch kräftig geregnet haben. Die Pflanzen standen teilweise sogar unter Wasser.

An diesem Standort kamen noch viele andere Karnivoren vor.

Drosera rosulata
Unter anderem fanden wir dort noch Drosera macrantha, die bedingt durch das Fehlen größerer Vegetation, kriechend über den Boden wuchsen. An sehr nassen Stellen fanden wir Blüten von Utricularia menziesii. Hier fanden wir auch wieder einige der selteneren weißen Blüten. Bei genauerem Hinsehen entdeckten wir noch die kleinen Blüten von Utricularia violacea. An Drosera gab es dort noch große Bestände von Drosera menziesii und Drosera gigantea.

Leider wurde das Wetter immer schlechter und es fing langsam an zu regnen. Plötzlich wurde der Regen sehr stark und es hagelte auch etwas. Fluchtartig suchten wir unsere Autos auf, trocken blieben wir alle nicht. Wir kümmerten uns erstmal um die Fotoausrüstung um sicherzustellen, dass nichts nass geworden ist, bevor damit begannen uns zu trocknen. An diesem Standort hätten wir sicher noch etwas Zeit verbringen können, allerdings lies uns das Wetter hier nachhaltig im Stich.


Utricularia multifida (white flower), Utricularia violacea und der Standort


Da es nun nicht mehr danach aussah, dass sich das Wetter wieder besserte hatten wir den Tag in Gedanken bereits abgehakt.

Drosera glanduligera
David sah das allerdings offensichtlich anders. Mit einem Regenschirm bewaffnet kam er an unser Auto und sagte uns, dass wir als nächstes in den John Forrest National Park, etwa eine Austostunde weiter, fahren würden. Das Wetter dort wäre vermutlich nicht besser, aber das sei nicht so schlimm. Um uns zu trocknen drehten wir die Heizung im Auto auf und fuhren los.

Als wir in dem Nationalpark ankamen war das Wetter sogar wieder etwas besser. Nach unserer Ankunft fanden wir schnell die ersten Drosera. Neben Drosera magma, Drosera glanduligera und Drosera pallida fanden wir eine Zwergdrosera-Art, die wir aber leider nicht bestimmen konnten.

Drosera bulbosa
Wir vermuten, es handelt sich um Drosera callistos, können es aber leider nicht mit Sicherheit sagen.

David führte uns auch hier wieder auf einen Granithügel. Dort wuchsen neben Drosera rosulata, Drosera bulbosa und Drosera menziesii auch Drosera heterophylla. Leider waren die Pflanzen bereits verblüht, so dass wir die für die Gattung Drosera untypischen Blüten (Drosera heterophylla hat als einzige Drosera-Art immer mehr als fünf Blütenblättern) nicht sehen konnten.

Der Tag näherte sich langsam dem Ende und die Sonne begann unterzugehen und es regnete nicht mehr. Dadurch glitzerten die Drosera herrlich im Sonnenlicht. Die Fahrt dorthin hat sich definitiv noch gelohnt!

Auch hier wuchs eine pink blühende Stylidium-Art. Sie bedeckte teilweise den kompletten Hügel. Von weitem hätte man sie problemlos auch für Utricularia multifida halten können. Auf diesem Granithügel konnten wir dann sogar noch Elythranthera emarginata, die zweite Art der Lackorchideen-Gattung Elythranthera finden. Am Fuße des Hügel gab es noch größere Bestände von Drosera gigantea und Drosera menziesii.


Drosera heterophylla, Drosera menziesii und Drosera gigantea


Da es mittlerweile zu spät war um weitere Standorte zu besuchen suchten wir mit David noch eine kleine Gaststätte auf. Dort tranken wir noch etwas und verabschiedeten uns schließlich von David.

Baum im John Forrest National Park
Auch er erhielt von uns als Dankeschön ein Exemplar des 2012er Kalenders der GFP.

Unser Weg zurück nach Mandurah führte direkt durch Perth. Dort standen wir wieder im Stau, ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir in einer belebten Gegend waren. In den Tagen zuvor wäre Stau unvorstellbar gewesen. Schließlich kamen wir aber in unserer Unterkunft an.

Die beiden Tage mit Phill und der Tag mit David waren für uns sehr lehrreich. Wir haben viel gesehen und erlebt, was wir ohne die beiden ganz sicher nicht hätten. Neben vielen Pflanzen haben wir noch tolle Landschaften gesehen und viel über Land und Leute kennengelernt. Wir sind daher sehr dankbar, dass sich die beiden die Zeit für uns genommen haben. Leider werden wir Phill nie mehr wiedersehen können, da er 2015 verstorben ist. David lebt mittlerweile in Ostaustralien und hat somit diese Gegend auch verlassen.

Tag 18: Perth

28.09.2011

Da unsere Unterkunft im Mandurah recht schön war, haben wir uns dazu entschlossen auch unsere letzte Nacht in Australien dort zu verbringen.

Einkaufsstraße in Perth
Daher fragten wir morgens an der Rezeption nach, ob diese spontan möglich sei. Uns wurde gesagt, dass wir uns später nochmal melden sollten und es sein könnte, dass wir die Cabin wechseln müssten. Zum Glück ging alles gut und wir konnten sogar in unserer Cabin bleiben.

Wir hatten für diesen Tag keinen großen Plan und wollten den Tag einfach in Perth verbringen und ein paar Souvenirs und Mitbringsel für zu Hause zu besorgen. Wir wussten zudem, dass Martin Hingst mit Familie am Vortag in Perth angekommen ist um selbst zu einer Reise durch Westaustralien aufzubrechen. Wir hatten uns bereits im Vorfeld für diesen Tag mit ihm verabredet.

In Perth herrschte Ende September bereits Weihnachtsstimmung. In den Schaufenstern standen geschmückte Weihnachtsbäume, überall konnte man bereits das erste Weihnachtszubehör kaufen.

Muräne
Allerdings kam aufgrund der Temperatur von deutlich mehr als 20°C bei uns kein wirkliches Weihnachtsgefühl auf.

Martin meldete sich tatsächlich gegen Mittag. Er saß nur wenige Straßen weiter in einem Kaffee. Wir machten uns direkt auf dem Weg zu ihm. Das Treffen war ja nicht sonderlich überraschend, dennoch war es irgendwie komisch, dass wir uns so viele Kilometer von der Heimat entfernt getroffen hatten. Wir erzählten Martin von unseren Erlebnissen und verabredeten uns für den nächsten Tag zu einer schnellen Karnivorensuche bei Armadale.

Wir hatten nachmittags noch etwas Zeit und beschlossen daher, uns das Western Australian Aquarium bei Duncraig, einem kleinen Vorort von Perth, anzuschauen.

Rotfeuerfisch
Das Aquarium liegt direkt am Meer und bietet neben diversen Innenanlagen auch eine Außenanlage mit sehr schönem Blick auf das Meer.

Auf der Heimfahrt hatten wir auch an diesem Tag wieder mit Stau zu kämpfen. Erst hinter Perth wurde es wieder etwas ruhiger. Es war nun so weit, unser letzter Abend war gekommen. Ein letztes Mal kochten wir uns zusammen in unserer Cabin etwas zu essen. Zur Feier des Tages machten wir uns noch einen guten Wein auf und sprachen über die Erlebnisse der letzten Tage. Eine schöne Reise ging zu Ende!

Tag 19: Armadale und Rückflug

29.09.2011

Nun war es tatsächlich soweit! Unser letzter Tag in Australien war gekommen, am späten Abend ging unser Flieger wieder zurück nach Frankfurt.

Drosera menziesii
Wie am Vortag besprochen tragen wir uns mit Martin und Familie in der Nähe von Armadale. Da wir den Mietwagen am frühen Nachmittag abgeben mussten hatten wir nochmal knapp einen halben Tag, um nach Pflanzen zu suchen.

Wir begannen die Suche und fanden schnell die ersten Utricularia multifida. Leider war der Standort sehr nass. Da wir bereits unsere Kleidung für den Rückflug anhatten wollten wir uns nicht übermäßig schmutzig machen. Daher suchten wir sicher nicht so angestrengt, wir in den Tagen zuvor. An trockeneren Stellen fanden wir dann noch Drosera glanduligera sowie einige Drosera erythrorhiza und Drosera menziesii. Eine einzige Pflanzen von Drosera neesii konnten wir auch noch finden. Auch hier gab es diverse Orchideen zu bewundern.

An diesem Standort soll es noch deutlich mehr Karnivoren geben, die wir allerdings (trotz Telefonat mit David) nicht finden konnten. Für eine ausgedehnte Suche fehlte uns etwas die Zeit. Sicher hatten wir auch nicht mehr den Ehrgeiz wie in den Tagen zuvor. Dennoch waren wir mit der Ausbeute für unseren letzten Tag sehr zufrieden.

In Armadale aßen wir bei einem Inder noch alle zusammen zu Mittag und verabschiedeten uns dann von Martin, Vera und Ilva.


Drosera neesii, Drosera glanduligera und Caladenia sp.


Als nächstes stand die Rückgabe unseres Mietwagens an. Da wir das Auto sehr dreckig gemacht hatten wollten wir noch kurz durch eine Waschanlage fahren. Was wir alle bis zu diesem Zeitpunkt nicht wussten war, dass unser Auto eine ausfahrbare Radioantenne hatte.

Nepenthes auf dem Flughafen in Singapur
Dies merkten wir leider zu spät, so dass sie während des Wachvorgangs abgebrochen ist.

Die Firma befindet sich etwas außerhalb Perths, so dass es sich nicht mehr lohnte nach der Rückgabe für ein paar Stunden in die Innenstadt von Perth zu fahren. Daher fuhren wir mit einem Taxi direkt zum Flughafen, auch wenn wir dort noch einige Stunden Aufenthalt haben sollten.

Der Flughafen in Perth ist nicht sonderlich groß, daher wurde uns schnell langweilig. Irgendwann hatten wir allerdings die Zeit totgeschlagen und der Rückflug begann. Zwischenstopp war auch dieses Mal wieder Singapur.

Wir landeten am frühen Morgen in Singapur. Dort hatten wir knapp sechs Stunden Aufenthalt. Die Zeit überbrückten wir mit Schlafen, Frühstücken und dem Besuch des Schmetterlingsgartens, der sich auf dem Flughafengelände befindet. Dort waren sogar einige Nepenthes ausgestellt. Der Flug nach Frankfurt verlief unspannend, am frühen Abend kamen wir sicher an. Wir waren alle wieder zurück und um ein Erlebnis reicher.

verwendete Literatur

Darnowski, D.W., Carroll, D.M., Plachno, B., Kabanoff, E., and Cinnamon, E. (2006): Evidence of protocarnivory in triggerplants (Stylidium spp.; Stylidiaceae). Plant Biology, 8(6), pp. 805 - 812.

Lowrie, A. (1987):Carnivorous Plants of Australia, Volume 1. University of Western Australia Press, Nedlands, Western Australia

Lowrie, A. (1989):Carnivorous Plants of Australia, Volume 2. University of Western Australia Press, Nedlands, Western Australia.

Lowrie, A. (1998):Carnivorous Plants of Australia, Volume 3. University of Western Australia Press, Nedlands, Western Australia.

Lowrie, A. (2013/1):Carnivorous Plants of Australia, Magum Opus Vol. 1. Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-1-908787-11-8

Lowrie, A. (2013/2):Carnivorous Plants of Australia, Magum Opus Vol. 2. Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-1-908787-12-5

Lowrie, A. (2013/3):Carnivorous Plants of Australia, Magum Opus Vol. 3. Redfern Natural History Productions Ltd., Poole, ISBN: 978-1-908787-13-2