Startseite
Neues
Die Gattungen
Gesuche
Reiseberichte und Bilder
Bilder meiner Pflanzen
Karnivoren in der Natur
Naturfotografie
Gartenbilder
Literatur
Links
Kontakt
Sitemap
Impressum und Datenschutz
© Christian Dietz
2003-2021

Brasilien 2015

09.07.2015 bis 29.07.2015

Eine Reise nach Brasilien stand schon lange auf meiner Wunschliste. Seit Jahren kultiviere ich Drosera, Utricularia und Genlisea aus diesem Land.
Hyazinthara
Der Wunsch diese Pflanzen auch mal am Naturstandort zu sehen war daher recht groß. 2015 sollte es dann so weit sein. Als Mitreisende fanden sich Anja und Holger Hennern sowie Thomas Lorenz, Tim Beier und Claus-Jürgen Lenz.

Wir waren alle bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in Brasilien gewesen und hatten keine Ahnung, was uns dort erwarten wird. Zum Glück hatte ich vor einigen Jahren Carlos Rohrbacher aus Südbrasilien kennengelernt. Als feststand, dass wir die Reise tatsächlich antreten würden kontaktierte ich Carlos. Er erklärt sich bereit, uns einige Tage durch Minas Gerais zu führen und uns das ein oder andere zu zeigen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellen sollte!

Wir buchten einen Flug von Frankfurt nach Rio de Janeiro. In Rio wollten zu Beginn gerne ein paar Tage lang die Stadt und deren Attraktionen erkunden. Dafür hatten wir die ersten drei Tage vorgesehen. Im Anschluss daran hatten wir einen Flug nach Belo Horizonte gebucht. Dort trafen wir uns mit Carlos und gingen ab dann einige Tage auf Pflanzensuche.
Landschaft in der Serra do Cipó
Für die letzten Tage unserer Reise hatten wir uns bei einem deutschen Reiseanbieter eine Tour durch das Pantanal im Westen Brasiliens, inklusive eines privaten Führers gebucht. Insgesamt standen damit zwei Langstreckenflüge zwischen Rio und Frankfurt und, zählt man das notwendige Umsteigen mit, fünf Inlandsflüge an.

Die Planung der Karnivorentour durch Minas Gerais gestaltete sich etwas schwierig. Wir mussten dazu in etwas entlegenere Orte reisen. Das Problem daran ist, dass es von Deutschland aus praktisch kaum möglich ist, dort Unterkünfte zu buchen. Schon gar nicht, wenn man kein portugiesisch spricht. Englisch spricht dort wirklich niemand mehr. Dankenswerterweise hat Carlos das dann für uns übernommen und sich darum gekümmert.

Schließlich war es soweit, der Abflugtag war gekommen! Am Abend des 09.07. trafen wir uns alle am Flughafen in Frankfurt am Main. Der Flug verlief soweit problemlos, am frühen Morgen des 10.07. kamen wir in Rio de Janeiro an.

Tag 1: Ankunft, Zuckerhut und Copacabana

10.07.2015

Wir landeten gegen 5 Uhr morgens lokaler Zeit in Rio de Janeiro. Es folgten nun die üblichen Einreiseformalitäten.
unser Flieger nach Rio
Nachdem wir alle unseren Stempel im Reisepass hatten und darauf hingewiesen wurden, dass wir das Formular, das wir im Flieger ausgefüllt hatten, bitte bei der Ausreise wieder vorlegen sollten (es bis dahin also nicht verlieren dürfen!) begannen wir mit der Suche nach einem Geldautomat. Ein freundlicher Mitarbeiter des Flughafens führte uns zu einem Automaten, an dem auch Ausländer Geld bekommen können. In Brasilien gibt es typischerweise zwei verschiedene Systeme. Eins davon kann lediglich von Menschen mit inländischen Konten genutzt werden, das andere auch mit ausländischen EC- oder Kreditkarten.

Die nächste Hürde, die wir nehmen mussten war ein Taxi zu bekommen, um zu unserem Hotel zu kommen. Das ist ja eigentlich eine recht einfache Aufgabe, kann aber kompliziert werden, wenn beide Seiten nicht dieselbe Sprache sprechen. Uns wurde im Vorfeld der Reise bereits gesagt, dass Englisch in Brasilien nicht weit verbreitet ist. Aber, dass es schon direkt nach der Anreise am internationalen Flughafen in Rio ein Problem werden könnte hätten wir nicht gedacht. Die beiden Damen am Schalter sprachen in der Tat kein Wort Englisch. Mit Händen, Füßen und Papierausdrucken machten wir ihnen klar, was wir wollten. Die Preise zeigten sie uns jeweils auf einem Taschenrechner eingetippt. Irgendwann hatten wir auch ein Taxi und wurden zum Hotel gefahren.

Der Verkehr in Rio ist sehr chaotisch. Motorradfahrer nutzen praktisch jede Gelegenheit, um zwischen den Autos durchzukommen. Auch die Autofahrer nehmen relativ wenig Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer.
Straße vor unserem Hotel
Verkehrsregeln schienen uns nur gut gemeinte Hinweise zu sein, die man generell nicht beachten muss. Zu Beginn unserer Taxifahrt hätte unser Fahrer auch fast einen Unfall gebaut. Dennoch spielte er unbeirrt während der Fahrt weiter mit seinem Handy. Die Fahrt zu unserem Hotel dauerte etwa eine Stunde. Gegen 07.15 Uhr kamen wir dort an.

Ich hatte das Hotel bereits im Vorfeld über unsere sehr frühe Ankunftszeit informiert und daher einen Tag mehr buchen müssen. Offensichtlich hatten sie uns wohl tatsächlich am Vortag erwartet, so dass unsere Zimmer bereits wieder storniert waren. Nach einigem hin und her (auch hier wurde kaum Englisch gesprochen) konnten wir die Zimmer dann aber schließlich doch beziehen.

Da wir ja sehr früh angekommen sind, waren wir genau richtig um noch etwas vom Frühstück abzubekommen. Das Angebot war reichlich, es gab praktisch alles, was man sich wünschen konnte. Von Wurst, Käse, Marmelade, diverse Gebäcke, Speck mit Eiern, Würstchen, Müsli und reichlich Obst war alles vorhanden. Im Anschluss an das Frühstück ruhten wir uns noch etwa eine Stunde aus, bevor wir uns auf der Dachterrasse unseres Hotels trafen.


Blick von der Dachterrasse unseres Hotels

Von dort aus hat man einen guten Ausblick auf den Zuckerhut und die Christusstatue, die sich etwas weiter entfernt vom Hotel befanden.
Seilbahn am Zuckerhut
Es war etwa 10 Uhr morgens, als wir das weitere Vorgehen für den Tag besprachen. Auf dem Plan stand der Besuch des Zuckerhuts und für den späten Nachmittag noch ein kurzer Abstecher an die Copacabana.

Nachdem wir uns alle bereit gemacht hatten, trafen wir uns in der Lobby des Hotels. Dort baten wir darum, uns ein oder zwei Taxis zu rufen. Der nette Mann an der Rezeption verwies uns an einen englischsprachigen Mitarbeiter aus der Lobby des Hotels. Dieser junge Mann sprach erstaunlich gut Englisch und half uns gerne dabei, uns ein Taxi zu rufen.

Bei uns ist man es ja gewohnt, dass man Taxis per Telefon ruft. Hier lief es allerdings anders ab. Um ein Taxi für uns zu besorgen sprang er auf die Straße und versuchte vorbeifahrende Taxis auf sich aufmerksam zu machen. Kurze Zeit später standen zwei Taxis bereit. Die Fahrt verlief wieder sehr chaotisch, auf Verkehrsregeln muss man in Rio wohl tatsächlich nicht unbedingt achten. An der Station zum Zuckerhut wurden wir rausgelassen.

der Zuckerhut
Auf den Zuckerhut kommt man nur mit Hilfe zweier Seilbahnfahrten. Dies ist für jemanden wie mich mit Höhenangst jedes Mal ein Abenteuer. Zuerst mussten wir allerdings eine längere Zeit anstehen. Direkt nach dem Eingang der Bergstation muss man sich in einer Schlange anstellen. Die erste Schlange führte uns allerdings nur zu einer Fotostation, an der man sich vor einem grünen Hintergrund fotografieren lassen konnte. Später wurde dieser Hintergrund durch den Zuckerhut ersetzt. Das so entstandene Bild konnte man dann käuflich erwerben.

Nach dieser Schlange folgte direkt die Schlange zu den Kassenhäusern. Irgendwann hatten wir auch das hinter uns und standen in einer weiteren Schlange, dieses Mal zu den Seilbahnen. Wenig später standen wir dann in der Seilbahn, die uns auf den Morro da Urca, dem Zwischenstopp auf dem Weg zum Zuckerhut, brachte.

Der Blick hinab auf Rio war beeindruckend.
Rio de Janeiro - Blick vom Zuckerhut
Wir blieben eine ganze Zeit dort, um den Ausblick zu genießen. Auf einer kleinen Bank machten wir kurz Pause, bevor wir uns in die Schlange zur Seilbahn auf den Zuckerhut begaben.

Nach der zweiten Gondelfahrt kamen wir auf dem Zuckerhut an. Dies ist im Prinzip lediglich eine größere Aussichtsplattform mit ein paar Getränkeständen. Das Wetter hatte uns an diesem Tag nicht im Stich gelassen, so dass wir die herrliche Aussicht auf Rio genießen konnten, während über uns die Geier kreisten. Für diesen Ausblick hat sich das Anstehen definitiv gelohnt!

Nachdem wir uns an einem der Verpflegungsstände etwas zu trinken gekauft hatten und die ersten Eindrücke von Brasilien auf uns wirken gelassen haben gingen wir zurück zur Seilbahn, um wieder zurück nach unten zu fahren.

Auch jetzt galt es wieder, jeweils einige Zeit anzustehen. Am Morro da Ucra kauften wir uns noch einen Kaffee und beobachten einige kleine Äffchen, bevor wir schließlich die Seilbahn zurück zur Bergstation nahmen.

Direkt neben dem Zuckerhut liegt ein kleiner Strand, die Praia Vermelha. Wir schauten uns diesen Strand kurz an. Auf dem Weg kamen wir noch an einem Denkmal, dem Monumento aos Heróis de Laguna e Dourados, zum Tripel-Allianz-Krieg vorbei.
Praia Vermelha
Nach dem kurzen Abstecher zu diesem Strand wollten wir uns gerne noch die Copacabana anschauen. Daher liefen wir zurück zur Bergstation des Zuckerhuts um uns von dort aus ein Taxi zu nehmen. Dort wurden wir direkt von mehreren Taxifahrern "überfallen", die uns ihre Dienste angeboten haben. Nach kurzer Verhandlung hatten wir einen Fahrer gefunden, der uns zur Copacabana brachte.

In Brasilien war zu unserer Reisezeit gerade Winter. Offensichtlich waren Temperaturen um etwa 20°C für die Bevölkerung zu kalt, um Baden zu gehen. So waren nur sehr wenige Menschen am Strand, noch weniger im Wasser. Wir setzten uns einige Zeit an den Strand und beobachteten die Wellen und das Meer. Von Zeit zu Zeit kamen Verkäufer vorbei, die allen möglichen Kram anboten.
Es ist ein Fehler aufgetreten!


Uns wurden neben diversen Kleinigkeiten zu essen, Hütte, Brillen und sogar Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft angeboten. Als die Sonne begann unterzugehen machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel.

Direkt neben unserem Hotel befand sich ein kleines Lokal. Dort gingen wir essen. An diesem Abend kamen wir auch das erste Mal mit einem sehr typischen Gericht für diese Gegend in Kontakt: Reis mit schwarzen Bohnen und einer dunklen Soße. Diese Speise sollte uns bis zum Ende der Reise begleiten und fast jeden Abend als eine Zutat auf dem Speiseplan stehen.

Tag 2: Die Christusstatue

11.07.2015

An Tag zwei unseres Aufenthalts in Rio hatten wir uns vorgenommen die Christusstatue zu besichtigen.

Die Christusstatue in Rio
Im Anschluss daran wollten wir uns am Nachmittag gerne noch das Maracanã-Stadion anschauen. Wir verabredeten uns für 08.30 Uhr zum Frühstück.

Nach dem Frühstück besorgten wir uns an einem Geldautomat schnell noch etwas Geld, bevor wir im Hotel den netten englischsprachigen jungen Mann baten uns ein Taxi zu rufen. Wenige Zeit später waren wir bereits auf dem Weg zur Christusstatue.

Die Christusstatue steht auf dem Corcovado, ein etwa 700 Meter hoher Berg. Es gibt zwei Möglichkeiten, dorthin zu gelangen. Zum einen kann man eine Zahnradbahn nehmen, zum anderen fahren Buse dorthin.

Unser Taxifahrer warf uns an einer Bushaltestelle in Nähe der Zahnradstation raus. Dort wurden wir direkt von Leuten empfangen, die uns für den Bus begeistern wollten. Sie erzählten uns, dass die nächste Seilbahn erst wieder in zwei Stunden fahren würde und wir daher mit dem Bus schneller seien. Wir haben das aber erst nicht geglaubt und gingen daher in Richtung der Zahnradstation.

Es war in der Tat so, dass die nächste Zahnradbahn erst zwei Stunden später fahren sollte. Wir kauften uns an der Seilbahnstation noch einen Kaffee und fassten den Plan, es mit dem Bus zu versuchen.

auf dem Weg nach oben
Also liefen wir zurück zu der Haltestelle, an der uns der Taxifahrer rausgelassen hatte. Wir stellten uns dort in einen kleine Schlange und warteten auf den nächsten Bus, der wenig später auch kam. Geld wollte man von uns erstmal nicht haben.

Nach einer nur kurzen Fahrt wurden wir aus dem Bus geworfen. Da wir ja alle kein portugiesisch sprachen oder verstanden wussten wir zuerst nicht genau, was los war. Uns wurde dann deutlich gemacht, dass wir an einem Kassenhäuschen nun die Busfahrt bezahlen müssen und uns danach der nächste Bus wieder mitnimmt. So war es dann tatsächlich auch. Der Bus fuhr nun die mehr oder weniger Steile Straße nach oben. Wir gewannen deutlich an Höhe und hatten zu dem Zeitpunkt die Hoffnung, bald an der Christusstatue zu stehen. Keiner von uns ahnte, was uns noch bevorstand.

Wieder blieb der Bus unerwartet stehen und wir wurden rausgeworfen. Dieses Mal allerdings nicht um etwas zu bezahlen, sondern um uns an einem Aussichtspunkt, dem Mirante Dona Marta, etwas umzuschauen. Dies ist recht lohnenswert, da man einen schönen Ausblick auf Rio hat. In der Ferne sahen wir auch die Christusstatue, die doch noch ein gutes Stück entfernt war.

die Christusstatue kommt näher!
Wir machten einige Bilder und genossen die Aussicht, bevor wir zurück zu den Bussen gingen.

Wir mussten recht lange warten, bis uns der nächste Bus mitnahm. In der Zwischenzeit kamen immer mehr Buse an, die Leute ausluden und dann aber wieder zurück nach unten fuhren. Irgendwann kam dann aber ein Bus, der uns mitnahm. Wieder hatten wir die Hoffnung nun ohne weiteren Stopp bis zur Statue zu gelangen.

Dieser Wunsch erfüllte sich allerdings auch dieses Mal nicht. Wir wurden ein drittes Mal raugeworfen. Da wir die Ansagen immer noch nicht verstanden wussten wir wieder nicht, warum. Wir schauten uns kurz um und dann wurde es uns klar. Wir mussten nun die Eintrittskarten für die Plattform, auf der die Christusstatue steht, kaufen. Die Schlange vor den Kassenhäuschen war schier endlos lang. In mehreren Reihen standen die Leute an, es ging nur langsam voran.

Nachdem wir endlich unsere Tickets in der Hand hatten ging es auch gleich mit der nächsten Schlange weiter. Dieses Mal standen die Menschen in einem kleinen Haus. Es gab keine definierten Reihen mehr, hinten im Raum schien eine Tür zu sein. Ein Mitarbeiter machte nach einiger Zeit lautstark auf sich aufmerksam und die Menschen begannen damit, sich in Bewegung zu setzen. Das absolut faszinierende daran war, dass sie von sich aus eine geordnete Reihe bildeten und sich jeder daran hielt. Also ob es abgesteckte Reihen gäbe, gingen die Menschen zur Tür, selbst zu dem Zeitpunkt, wo sie einfach geradeaus hätten gehen können!

Nachdem wir das Gebäude verlassen hatten liefen wir an den Schlangen zum Kassenhäuschen vorbei und stellten uns erneut an. Dieses Mal tatsächlich für den Bus, der uns schließlich tatsächlich nach oben fahren sollte.

Als wir auf dem Corcovado ankamen sahen wir auch gleich die Schlangen für die Buse, die wieder nach unten fuhren. Wir ahnten also, dass uns so etwas nochmal bevor stehen sollte.


die Christusstatue von Rio de Janeiro


Schließlich standen wir auf der Plattform, direkt unter der Christusstatue. Von dort wirkt die Statue beeindruckend groß. Tatsächlich muss man bis an die äußeren Ränder der Plattform gehen, um sie vollständig zu sehen.

Blick auf Rio vom Corcovado
Das Wetter auf dem Berg war deutlich windiger und kälter, als unten in Rio. Von Zeit zu Zeit zog sogar etwas Nebel auf. Neben dem Blick auf die Statue lohnt es sich auch, von dort auf Rio zu schauen. Wir teilten uns auf und machten eine Uhrzeit und einen Treffpunkt für die Fahrt nach unten aus.

Bevor wir mit dem Bus nach unten fuhren kauften wir uns in einem kleinen Shop noch ein Bier und etwas zu essen. Schließlich ahnten wir ja bereits, was uns noch bevorstand. Der Weg nach unten verlief wieder mit Umsteigen, es ging allerdings deutlich schneller als der Weg nach oben am Vormittag.

Gegen 16.30 Uhr kamen wir unten an. Da wir nun deutlich länger gebraucht hatten, als wir dachten, verzichteten wir leider auf dem Besuch des Maracanã-Stadion. Wir besorgten uns ein Taxi, das uns zurück zum Hotel fuhr. Im Hotel erfrischten wir uns etwas und suchten uns dann ein Restaurant. In einer kleinen Seitenstraße wurden wir fündig. Dort gab es Hähnchen- und Fleischgerichte. Relativ bald nach unserem Essen schloss das Restaurant. Da wir gerne noch etwas trinken wollten zogen wir weiter. Wir landeten in einer kleineren Kneipe, etwas weiter. Am späten Abend waren wir dann zurück im Hotel und legten uns schlafen.

Tag 3: Das Orgelgebirge - Serra dos Órgãos

12.07.2015

Der Parque Nacional da Serra dos Órgãos liegt etwa 60km nordöstlich von Rio de Janeiro. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Erhebungen, die aus der Ferne betrachtet wie Orgelpfeifen aussehen.

Übersichtstafel
Der höchste Berg dieses Nationalparks ist der Sina do Pedro mit fast 2300 Metern. Nach den eher touristischen Tagen in Rio wollten wir nun gerne etwas Natur erleben. Zudem erhofften wir uns im Orgelgebirge vielleicht die ersten Karnivoren zu sehen.

Kurz vor unserer Abreise hatten wir noch Kontaktdaten von Hugo Dolsan aus Rio de Janeiro bekommen. Er war bereit, uns an diesem Tag zu begleiten. Wir vereinbarten, ihn um 10 Uhr am Flughafen zu treffen. Dort wollten wir uns dann einen Mietwagen nehmen und uns auf den Weg machen.

Wieder ließen wir uns am Hotel Taxis rufen, die uns zum Flughafen brachten. Hugo fanden wir problemlos. Wir waren davon ausgegangen, dass es kein Problem sein sollte, einen Mietwagen zu erhalten. Wir scheiterten allerdings wiederholt an der Tatsache, dass keiner der Angestellten englisch sprach. Zum Glück konnte Hugo dolmetschen.

Bromelien am Straßenrand
Da wir gerne ein Auto haben wollten, dass Platz für alle sieben Leute hatte, mussten wir etwas suchen und uns bei den verschiedenen Stationen durchfragen. Nachdem wir alle Stationen erfolglos befragt hatten bot uns ein Mann seine Dienste an. Für 700 Relais wollte er uns fahren und auch wieder abholen. Glücklicherweise kam plötzlich eine Dame der Mietwagenfirma Movida zu uns und teilte uns mit, dass sie noch ein Auto für uns auftreiben konnte. Das Angebot nahmen wir gerne an!

Mit einem kleinen Bus wurden wir zur Abholstation, etwas außerhalb des Flughafens gebracht. Da die notwendigen Formulare offensichtlich nicht auf Ausländer ausgelegt waren und die nette Dame es nicht eilig hatte, dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir alle Formalitäten erledigt hatten. Etwa um 12.30 Uhr konnten wir losfahren.

Auf dem Weg zum Nationalpark machten wir in einer Parkbucht einen kurzen Stopp. Von dort aus konnte man die orgelartigen Bergspitzen dieses Gebirge gut sehen. Auf der anderen Straßenseite gab es noch einige wildwachsende Bromelien zu sehen.

Etwa 15 Minuten später kamen wir am Eingang zum Nationalpark an. Nachdem wir unseren Eintritt bezahlt hatten parkten wir unser Auto an einer Informationshütte. In einem kleinen Raum konnte man sich über die Entstehung des Gebirges und den dort vorkommenden Pflanzen und Tieren informieren. Hugo informierte sich, welche Wege wir an dem Tag gehen konnten, während wir uns die Aushänge in der Hütte anschauten. Hugo schlag vor, den Weg zum Mirante Cartão Postal (Postcard Trail) zu laufen.

der Weg durch den Wald
Dieser Weg ist etwa 1200 Meter lang und führt zu einer Aussichtsplattform mit herrlichem Blick auf die Namensgebende Bergkette. Wir nahmen Hugos Vorschlag an und machten uns wenig später auf den Weg.

Der Weg führte durch einen Wald. Alle 300 Meter standen Hinweisschilder mit der noch verbleibenden Entfernung. Die letzten 300 Meter waren (gefühlt und sicher auch real) allerdings deutlich länger als die Abschnitte davor. Nach etwa 2 Stunden waren wir zurück an unserem Auto. Mittlerweile war es etwa 15.30 Uhr, so dass es kaum Sinn machte, noch einen weiteren Weg zu laufen. Hugo schlug daher vor, dass wir uns den Anfangspunkt der Wanderung auf den Pedra do Sino anschauen. Dort gibt es einen kleinen Wasserfall und einige beeindruckende Bromelien zu sehen. Im Anschluss daran machten wir uns wieder auf den Heimweg.


Aussicht auf die Berge

Wie wir lernen mussten konzentrieren sich die Karnivoren in diesem Gebirge wohl alle auf die Gipfelregion des Pedra do Sino, dem höchsten Berg dieser Kette. Der Weg dorthin wird mit fünf Stunden einfache Strecke angegeben.

Fuchsie am Eingang zum Wanderweg
Die Zeit hatten wir leider nicht. Daher konnten wir im Orgelgebirge leider keine Karnivoren sehen. Der Ausflug dorthin hat sich wegen der grandiosen Landschaft trotzdem sehr gelohnt!

Da ich Kenntnis davon hatte, dass es in den Bergen zwischen Teresópolis und Petrópolis Karnivoren geben soll überzeugte ich die anderen (was nicht schwer war) davon, auf dem Heimweg einen kleinen Umweg zu machen. Anstatt direkt nach Hause zu fahren fuhren wir nun etwas in die Berge und machten hier und da halt.

An einem dieser Stopps sollten wir dann tatsächlich unsere ersten Karnivoren in Brasilien finden! An einem kleinen Hang im Straßengraben wuchsen einige Utricularia geminiloba. Leider wurde es bereits dunkel, so dass das Fotografieren etwas schwierig wurde. Für ein paar Belegfotos langte es aber dennoch aus. Nach einem kurzen Stopp um den traumhaften Sonnenuntergang zu beobachten fuhren wir auf direkten Weg zurück nach Rio de Janeiro.

Die Rückfahrt gestaltete sich leider sehr schwer, da wir in einen sehr langen Stau gerieten. Es ging nur sehr langsam voran und es deutete sich an, dass es noch eine ganze Weile dauern sollte, bis wir zurück sein sollten. Später stellte sich heraus, dass der Stau lediglich aufgrund einer durch eine Baustelle entstandene Fahrbahnverengung zustande gekommen war.

Sonnenuntergang zwischen Teresópolis und Petrópolis
Dies hat uns insgesamt fast drei Stunden gekostet!

Zurück in Rio gingen wir mit Hugo noch etwas essen, bevor wir unser Auto zurückbrachten und uns von Hugo verabschiedeten. Im Hotel wollten wir auf der Terrasse noch etwas trinken. Dort sollte es eine Bar geben. Allerdings war dort nichts zu bekommen. Da wir nicht nochmal in die Stadt aufbrechen wollten gingen wir zu Bett. Der Tag war sehr anstrengend, so dass uns etwas Schlaf gut tat. Am nächsten Tag mussten wir wieder recht früh raus, da unser Flug nach Belo Horizonte anstand.

Tag 4: Ankunft in der Serra do Cipó

13.07.2015

Wir mussten sehr früh aufstehen, da ein Inlandsflug von Rio de Janeiro nach Belo Horizonte anstand.

unser Flieger nach Belo Horizonte
Da wir Angst hatten einige Zeit im dichten Verkehr von Rio stecken zu bleiben wollten wir bereits gegen 8 Uhr abfahren, obwohl der Flug erst um 11.15 Uhr startete.

Ein letztes Mal ließen wir uns Taxis rufen. Die Fahrt zum Flughafen verlief problemlos, wir waren offensichtlich früh genug um dem Verkehrschaos zu entgehen. Daher hatten wir auf dem Flughafen einige Zeit übrig, die wir nun einfach absitzen mussten. Um die Zeit etwas zu überbrücken machten wir uns auf die Suche nach einen Geldautomaten um uns nochmal mit etwas Geld zu versorgen. Leider konnten wir keinen finden, der unsere Karten akzeptierte, daher verschoben wir diese Tätigkeit auf Belo Horizonte.

Der Flug dauerte nicht sonderlich lange. In dieser Zeit schaffte es die Stewardess nicht einmal, die Getränkebecher wieder einzusammeln, so dass wir sie bis zur Landung in der Hand hielten. Einmal mussten wir den Landeversuch abbrechen und wieder durchstarten, schließlich landeten wir aber sicher in Belo Horizonte. Auf dem Flughafen sollten wir uns mit Carlos treffen.

Es war kein Problem, Carlos zu finden. Dank seiner Hilfe fanden wir nun auch schnell einen Geldautomaten, der unser Karten annahm. Carlos riet uns dazu, lieber etwas mehr mitzunehmen, da er nicht sicher war, ob wir in den kommenden Tagen an Geld kommen würden. Er vermutete, dass es in der Gegend, in die wir die nächsten Tage fahren werden keine internationalen Geldautomaten geben würde.

Nun mussten wir unsere beiden Mietwagen abholen. Die Autos hatte ich im Vorfeld von Deutschland aus reserviert. Wir liefen also nun zu dem entsprechenden Stand der Mietwagenfirma. Von dort aus wurden wir zur Abholstation gebracht. Dieses Mal lief alles problemlos, so dass wir wenige Zeit später unsere Autos hatten. Erwähnenswert ist sicher noch, dass wir mehrmals auf den tadellos sauberen Zustand der Autos aufmerksam gemacht wurden. Das sollte sich schnell ändern.....

Für die ersten beiden Übernachtungen hatte Carlos eine kleine Unterkunft in der Nähe der Serra do Cipó gebucht. Auf der Fahrt dorthin lernten wir bereits eine Eigenart des Verkehrs kennen, die wir aus Rio noch nicht genannten, die sogenannten Lombadas. Dabei handelt es sich um kleine Hügel, die quer auf die Straße gebaut wurden. Diese dienten – sehr effektiv – der Geschwindigkeitskontrolle. Sie waren in der Regel so gebaut, dass man maximal mit Schrittgeschwindigkeit darüber fahren konnte.

eine Elektrodusche
Oftmals kamen sie scheinbar wie aus dem Nichts. Sie sollten uns von nun an bis zum Ende unserer Reise begleiten.

Kurz vor 15 Uhr kamen wir in unserer Unterkunft an. Wir wollten nur schnell einchecken, da Carlos uns gerne schnell noch einen Standort in der Nähe zeigen wollte. Wir brachten schnell unsere Sachen auf unsere Zimmer und wollten kurze Zeit später bereits wieder losfahren. Leider mussten wir aber feststellen, dass ein Reifen nur sehr wenig Luft hatte. Damit unterwegs nichts passiert wollten wir den Reifen kurz überprüfen lassen. In der kleinen Stadt gab es auch eine Art Werkstatt, die wir aufsuchten. Dort wurde uns etwas Luft in den Reifen gepumpt.

Der Standort, den Carlos uns zeigen wollte lag einige Kilometer in den Bergen. Leider war es mittlerweile bereits recht spät am Nachmittag, so dass es bereits leicht dunkel wurde, als wir ankamen. An diesem Standort wachsen jede Menge Karnivoren. Wir fanden dort einige Drosera, Utricularia und Genlisea. Wir blieben dort bis kurz nach Sonnenuntergang. Da wir auf die Schnelle kaum etwas erfassen konnten, was es dort alles zu sehen gab, beschlossen wir, diesen Standort ein paar Tage später nochmal etwas genauer anzuschauen.

In einem kleinen Restaurant gingen wir am Abend etwas essen.

eine Elektrodusche
In einem angeschlossenen Shop kauften wir noch ein paar Getränke für den Abend in unserer Unterkunft.

Zurück in der Unterkunft machten wir uns kurz etwas frisch. Dabei kamen wir zum ersten Mal mit den für diese Gegend typischen Duschen in Berührung. Anders, als in Rio waren die Duschen hier elektrisch betrieben. Für die Temperatureinstellung gab es genau drei Stufen, kalt, mittel und warm. Die Elektrik hing zum Teil offen im Duschraum rum. Nachdem wir uns alle etwas frisch gemacht hatten trafen wir uns auf der Veranda wieder. Dort verbrachten den Rest des Abends.

Tag 5: Serra do Cipó

14.07.2015

Da wir an diesem Tag viel vor hatten wollten wir bereits um 07.30 Uhr frühstücken. Dies hatten wir auch mit unserer Unterkunft vereinbart. Als wir, typisch deutsch, pünktlich erschienen wurde gerade damit begonnen, das Frühstück aufzubauen.

unser Frühstückstisch
Während wir die ersten Sachen aßen wurde immer mehr aufgetischt, es schien kein Ende zu nehmen! In dieser Unterkunft war das Frühstück sehr reichhaltig. Von Kuchen über Brötchen, Wurst, Obst, frischen Säften und Käse bis hin zu Marmelade und Honig war alles dabei. Wir wurden von der Dame aus der Unterkunft aufgeklärt, dass es sich bei dem Honig und dem Käse um jeweils ganz besondere Sorten handelte, die für Minas Gerais typisch sind. Typischerweise isst man diesen Käse (Queijo-Minas) mit diesem Honig.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Serra do Cipó. Zuvor wollten wir aber noch etwas Verpflegung für den Tag organisieren. In einer kleinen Bäckerei bestellten wir einige Brötchen für den Mittag. In Seelenruhe wurden sie zubereitet. Nachdem wir noch schnell eine Karte besorgt hatten ging es dann endlich los.

Carlos hatte für diesen Tag einen Standort ausgesucht, der etwas schneller zu erreichen war, als der am Tag zuvor. Es war kein Problem, diese Stelle zu finden. Wir parkten unser Auto und machten uns auf die Suche.

Die ersten Karnivoren, die wir fanden waren Drosera tentaculata. Die Pflanzen standen an einer sehr trockenen Stelle, teilweise in fast reinen Sand. Die trockene Umgebung dieser Pflanze überraschte uns.

Drosera tentaculata
Die Pflanzen waren schön rot ausgefärbt und standen in Blüte. Leider konnten wir keine offenen Blüten finden.

Wenig später fanden wir an einer leicht nassen Stelle, die ersten Utricularia. Es handelte sich dabei um Utricularia tricolor. In der Nähe konnten wir noch eine Gottesanbeterin beobachten.

Von nun an ging es Schlag auf Schlag. Die nächste Drosera-Art, die wir finden konnten war Drosera tomentosa var. tomentosa. Die Pflanzen waren gerade dabei, Blüten zu auszubilden. Die dicht behaarten Blüten machen die Identifikation der Pflanze sehr einfach. Sie wuchsen an recht nassen Stellen. Die knallroten Rosetten setzten sich deutlich vom Untergrund ab.

Als nächstes fanden wir einige Drosera communis. Wie Drosera tomentosa wächst diese Art meist an sehr feuchten Stellen. Die Pflanzen waren bereits verblüht.

Wir liefen nun immer weiter ins Gelände. Neben vielen anderen Pflanzen konnten wir wenige Zeit später Drosera hirtella var. hirtella finden. Damit hatten wir nicht mehr gerechnet, da diese Art dafür bekannt ist während der Trockenzeit eine Ruhepause, ähnlich Drosera cistiflora aus Südafrika, einzulegen.

Drosera hirtella
Umso mehr freuten wir uns! In unmittelbarer Nähe fanden wir dann noch einige Drosera tomentosa var. glabrata, die Varietät von Drosera tomentosa mit unbehaartem Blütenstiel. Zu guter Letzt fanden wir an dieser Stelle noch eine offene Blüte von Drosera hirtella var. hirtella!

Dies sollten noch lange nicht alle Karnivoren sein, die wir an diesem Standort zu sehen bekamen. Weiter ging es mit Drosera camporupestris, die an feuchteren Stellen wuchs. Drosera camporupestris wuchs an dieser Stelle zusammen mit weiteren Drosera tomentosa var. tomentosa, die wir im weiteren Verlauf der Wanderung noch häufiger finden konnten.

Nun zog allerdings erstmal ein kleiner Vogel seine Aufmerksamkeit auf sich. Auf einem Ast auf einem der wenigen vorhandenen Bäume saß eine Camposspottdrossel (Mimus saturninus). Sie war annähernd bewegungslos und ließ sich daher gut fotografieren. Leider war sie etwas weit weg um gute Fotos zu machen.

Dieses Gebiet weist eine derartige Dichte an Karnivoren auf, so dass man praktisch alle paar Meter etwas Neues findet. Die nächste Art lies daher nicht lange auf sich warten, es handelte sich hierbei um Utricularia nana. Diese Art besitzt nur sehr kleine Blüten, so dass sie nicht ganz einfach zu entdecken ist. Man muss schon sehr genau suchen, um die winzigen Blüten zu finden. Wir fanden noch eine weitere gelbblühende Art, bei der es sich um Utricularia subulata oder Utricularia triloba handeln müsste.


Utricularia nana, subulata(?) und tricolor

Die letzte Karnivore, die wir an diesem Standort gefunden haben ist Genlisea aurea var. aurea. Die großen gelben Blüten konnte man bereits gut aus der Ferne erkennen, sie bildeten teilweise richtige Felder aus.

Genlisea aurea var. minor
Nun machten wir uns auf den Rückweg zu unseren Autos. Es war mittlerweile bereits Mittag.

Auf dem Rückweg schauten wir uns hier und da noch die sehr interessanten Steine und Mineralien an, die auf und am Wegesrand lagen.

Etwa 13.10 waren wir am Auto zurück und machten dort eine Pause um unsere morgens erworbenen Brötchen zu essen, bevor wir weiter auf die Suche nach Karnivoren gingen. Carlos kannte eine Stelle in unmittelbarer Nähe,, an der Drosera spirocalyx wächst. Diese Pflanze wollte er uns gerne zeigen.

Wir aßen in Ruhe unsere Brötchen, ruhten uns noch etwas aus und fuhren dann zu der Stelle, die Carlos uns zeigen wollte. Den Einstieg zu dem Standort hatten wir schnell gefunden. Bereits nach kurzer Zeit hatten konnten wir auch schon die ersten Pflanzen von Drosera spirocalyx finden. Sie standen sehr trocken in fast reinem Sand. Oftmals bildeten sie dichte Klumpen aus. Einige der Pflanzen hatten bereits einen Blütenansatz.

Als letzten Standort für diesen Tag wollte Carlos uns gerne noch einen Standort mit Drosera quartzicola zeigen. Wir suchten mithilfe des GPS nun die Stelle. Dabei stellte es sich heraus, dass es sich um dieselbe Stelle handeln muss, wo wir morgens bereits waren, der Weg allerdings ein paar Kilometer weiter ins Gelände führte. Da es bereits etwa 16 Uhr war und somit absehbar, dass wir es vor Anbruch der Dunkelheit nicht bis zu den Pflanzen schaffen konnten, ließen wir das leider bleiben. Stattdessen machte Carlos den Vorschlag, uns noch etwas den Rio do Cipó, der für den Nationalpark namensgebend ist, anzuschauen.


der Rio do Cipó
Wir fuhren nun zum Eingang eines kleinen Parks, in dem man sich Teile des Rio Cipó anschauen konnte. Am Eingang wurde uns gesagt, dass bis 18 Uhr geöffnet sei. Es war mittlerweile bereits 16.30 Uhr, daher konnten wir uns nur noch einen recht kleinen Teil des Parks anschauen.

An dieser Stelle hatten wir mit Karnivoren nicht mehr gerechnet. Zu unserer Überraschung konnten wir am Flussufer aber dennoch ein paar wenige Utricularia, vermutlich U. subulata finden. Auf dem Rückweg aus dem Park fielen uns noch ein paar Blattschneiderameisen auf. Leider war es bereits dunkel, so dass wir sie lediglich mit Taschenlampen beobachten konnten. Das Fotografieren war entsprechend schwer. Die großen Soldaten waren besonders beeindruckend. Um kurz nach 18 Uhr hatten wir den Park auch schon verlassen.

Für das Abendessen hatten wir uns ein Restaurant in unserem kleinen Örtchen ausgesucht, das mit den Worten Churrasco warb. In der Hoffnung dort ein gutes Stück Fleisch zu erhalten gingen wir dort hin. Allerdings war der Ofen an diesem Abend nicht geheizt und unsere Hoffnung erfüllte sich nicht. Das Essen war dennoch recht lecker.

Den Abend verbrachten wir in unserer Unterkunft. Carlos bereitete uns Caipirinha zu und zeigte uns, wie man dieses Getränk ordnungsgemäß zubereitet.

Tag 6: Fahrt nach Diamantina

15.07.2015

Nach zwei Tagen in der Serra do Cipó stand nun die Weiterreise an. Unsere nächste Unterkunft hatten wir in Diamantina (ausgesprochen wird das landestypisch übrigens in etwa wie Dschiamantschina) gebucht. Auf dem Weg dorthin wollten wir uns gerne noch einen Standort in der Nähe der kleinen Stadt Gouveia anschauen.

Wir hatten uns wieder für etwa 07.30 Uhr zum Frühstück verabredet. Nach einem reichhaltigen Frühstück brachen wir gegen 08.30 auf. Da unser Sprit langsam zur Neige ging wollten wir gerne noch etwas tanken. Allerdings gibt es in diesem Ort keine richtige Tankstelle. Von der Besitzerin der Unterkunft erhielten wir den Tipp, dass die Werkstatt, wo wir einen Tag zuvor die Reifen aufpumpen ließen auch etwas Benzin hätte. Daher war dies wieder unser erster Stopp.

Dort angekommen sprach Carlos mit dem Besitzer und vereinbarte in jedes Auto 20 Liter Sprit zu füllen.

Drosera chrysolepis
Das Benzin wurde kurz Zeit später in Plastikflaschen herangebracht und mit einem Trichter in die Autos gefüllt. Eine Viertelstunde später war alles geschehen. Auch, wenn die Farbe etwas komisch aussah, so konnten wir damit doch wieder einige Kilometer fahren, bis wir hoffentlich eine ordentliche Tankstelle erreichen würden.

Wir suchten noch schnell einen Supermarkt auf, um uns etwas Verpflegung für den Tag zu besorgen und brachen dann gegen 09.30 Uhr auf. Da wir alle gerne nochmal an den Standort fahren wollten, den wir an unserem ersten Tag in der Serra do Cipó nur Abends schnell gesehen hatten fuhren wir zuerst dorthin.

Wir beschlossen uns dort nicht mehr als eine Stunde aufzuhalten, da wir ja noch ein gute Stück an dem Tag fahren mussten. In dieser kurzen Zeit konnten wir problemlos jede Menge Karnivoren finden. Zuerst fielen uns eine Gruppe Drosera tomentosa var. glabrata auf. Direkt neben den Pflanzen standen einige Drosera chrysolepis. Natürlich gab es an diesem Standort auch jede Menge Utricularia zu finden. Die erste Pflanze dieser Gattung, die wir finden konnten war Utricularia tricolor, eine in Minas Gerais sehr weit verbreitete Pflanze. Daneben konnten wir an diesem Standort auch noch einige Utricularia amethystina finden.

An diesem Standort fielen die gelben Blüten von Genlisea aurea var. aurea besonders auf.

Genlisea aurea var. minor
Man konnte sie bereits aus großer Entfernung sehen. Der Anblick war recht beeindrucken. Wenig später fanden wir noch einige sehr große Drosera chrysolepis, sowie ein paar wenige Drosera communis.

Unsere Zeitvorgabe hielten wir recht gut ein. Wir hatten innerhalb dieser Stunde eine recht hohe Anzahl an Karnivoren gefunden und konnten uns so zufrieden auf die Weiterfahrt begeben. An dieser Stelle hätten wir sicherlich noch deutlich mehr Zeit verbringen können, aber leider lies das unser Zeitplan nicht zu.

Die weitere Fahrt verlief annähernd problemlos. Lediglich an einer Stelle gab es ein kleines Problem. Auf der Gegenseite hatte sich eine sehr lange Schlange von LKWs gebildet. Da wir uns nicht ganz sicher waren, ob wir rechts oder links abbiegen mussten kam es zu einem Missverständnis und wir fuhren Mitten in den Gegenverkehr hinein. Zum Glück kam uns niemand entgegen! Die Schlange stellte sich als Stau heraus, so dass wir eigentlich hätten warten müssen. Glücklicherweise reagierten die anderen Autofahrer gut und machten uns etwas Platz, so dass wir mit beiden Autos in eine Lücke fahren konnten und nichts schlimmes passiert ist.


Utricularia amethystina, Drosera tomentosa var. glabrata und Genlisea aurea var. minor

Wir erreichten den Standort bei Gouveia gegen 15 Uhr. Das Gelände war recht flach und gut begehbar. Wir strömten in alle Richtungen aus und machten uns auf die Suche.

Wenige Zeit später fand ich einen recht großen Bestand an Drosera camporupestris. Diese Art war für uns zu diesem Zeitpunkt neu. Die Pflanzen standen auf einer offenen Fläche in voller Sonne und waren tiefrot gefärbt. Daneben standen einige Drosera tentaculata. Beide Arten standen in recht sandigem Untergrund, der - zumindest an diesem Tag - recht trocken war.

Drosera camporupestris
Die Pflanzen wuchsen alle an einem Granitausbruch in nicht sonderlich tiefem Substrat. Es war mittlerweile Spätnachmittag und die Sonne begann unterzugehen. In der tiefen Sonne glitzerten die Pflanzen sehr schön, so dass wir ein paar schöne Gegenlichtaufnahmen machten konnten.

An diesem Standort konnten wir noch Genlisea violacea finden. Sehr vereinzelt wuchsen hier und da einige dieser Pflanzen. Ohne die Blüten hätten wir diese Art sicherlich übersehen. Neben diesen Arten kommt an diesem Standort noch Drosera tomentosa var. tomentosa und eine gelbblühende Utricularia vor, die wir aber nicht weiter bestimmen konnten.

Erst zu Hause wurde ich von einem meiner Mitreisenden darauf aufmerksam gemacht, dass es an diesem Standort sogar noch Drosera hirtella var. hirtella gegeben hat. Vor Ort habe ich diese Pflanze nicht gesehen. Wer weiß, was wir noch alles übersehen haben!

Um kurz vor fünf waren wir dann schließlich zurück an unserem Auto und fuhren auf direkten Weg zu unserer Unterkunft in Diamantina. Am Ortseingang stoppten wir nochmal kurz um uns nach dem Weg zu erkundigen. Diamantina ist sehr bergig und die Straßen oft nur mit großen Pflastersteinen gepflastert. Man kann daher nicht sonderlich schnell durch die Stadt fahren. Gegen 18.30 waren wir dann schließlich am Ziel.

Zu unserem Schrecken stellten wir fest, dass die Zimmer alle in der oberen Etage lagen und wir unsere Koffer über Treppen bis ganz nach oben bringen mussten. Dies war ein kleiner Kraftakt. An der Rezeption erkundigte sich Carlos noch nach einem guten Lokal in der Nähe. Er ließ sich eine Beschreibung eines Restaurants geben, dass zu Fuß nur etwa 10 Minuten entfernt liegen soll. Wir haben allerdings deutlich länger benötigt. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass wir uns einfach verlaufen haben

Dort angekommen bestellten wir das übliche Bier. Neben dem Bier war dort auch Wein im Angebot. Wir entschieden uns dazu, zwei Sorten brasilianischen Wein zu testen. Das Essen und der Wein waren gut, auch wenn leider zuerst ein Essen vergessen wurde und wir daher recht lange warten mussten, bis wir alle etwas zu Essen hatten. Danach gingen wir zurück zum Hotel und planten noch schnell den nächsten Tag, bevor wir müde zu Bett gingen.

Tag 7: Die Gegend von Diamantina

16.07.2015

Das Motto dieser Reise war wohl "nur der Frühaufsteher findet die Karnivoren" bzw. "Schlaf ist vollkommen überbewertet", daher war auch an diesem Tag das Frühstück für spätestens 07.30 Uhr angesetzt.

Blick von der Terrasse unseres Hotels
Mittlerweile hatten wir uns aber auch schon daran gewöhnt. Das Frühstück ins unserer Unterkunft in Diamantina bestand hier auch wieder aus landestypischen Sachen wie Kuchen, Obst, Queijo de Minas, Honig und Wurst. Was uns hier allerdings zum ersten Mal begegnete war gesüßter Kaffee. Offensichtlich ist es in dieser Region von Brasilien normal, dass der Kaffee von Haus aus gesüßt wird. Es gab Kaffee in zwei Kannen, einen wenig gesüßten und einen stark gesüßten. Ungesüßten Kaffe gab es dort leider nicht.

Gegen 08.30 Uhr verließen wir unsere Unterkunft. Unser erstes Ziel sollte ein Standort von Drosera schwackei ganz in der Nähe sein. Wir suchten einige Zeit, konnten die Pflanzen aber leider nicht finden. Da wir an diesem Tag noch mehr vorhatten brachen wir die Suche ab.

Unser nächstes Ziel war ein Standort von Drosera latifolia an einem Flussufer, bereits auf dem weg nach Bocaiuva, wo wir unsere nächste Unterkunft hatten. Der Weg zu diesem Standort verlief abseits der Hauptstraßen auf einer kleinen Staubpiste. Irgendwann erreichten wir schließlich die Stelle, die wir suchten.

Drosera latifolia
Da wir zur Trockenzeit dort waren hatte der Fluss Niedrigwasser und wir konnten unser Auto im Flusslauf parken. Zur Regenzeit ist das sicher nicht möglich.

Die ersten Pflanzen waren schnell gefunden. Die Pflanzen waren sehr auffällig und standen meist am Flussufer. Einige der Pflanzen standen an diesem Tag in voller Blüte, so dass wir eine Reihe offener Blüten beobachten und auch fotografieren konnten. Die Pflanzen stehen dort mitten um Flusslauf, meistens in kleinen Inseln auf Granitausbrüchen. Die feuchten Stellen waren etwas rutschig, so dass man ein wenig aufpassen musste wo man hintrat.

Neben Drosera latifolia fanden wir wenig später noch eine recht kleine Utricularia, nämlich Utriularia neottioides. Diese Pflanze ist sofern etwas Besonderes, da es die einzige (mir) bekannte Utricularia ist, die keine Fangblasen mehr bildet und somit bereits keine echte Karnivore mehr ist. Die Blüten dieser Pflanze sind weiß und auffallend klein. Sie standen ausschließlich in fließendem Wasser, lediglich die Blüten ragten heraus.
Die Gattung Genlisea war dort durch Genlisea repens vertreten. Die Pflanzen wuchsen an schlammigen, feuchten Stellen auf Granitfelsen. Genlisea repens besitzt eine kleine gelbe Blüte mit mehr oder weniger langem Sporn an einem unbehaarten Blütenstiel.

Auch an diesem Standort konnten wir wieder einige Utricularia tricolor finden. Diese Art ist in Minas Gerais offensichtlich weit verbreitet. Die Blütenform ist an den verschiedenen Standorten ist allerdings oftmals leicht verschieden.

Genlisea repens
Gegen 12 Uhr brauchen wir wieder auf. Wir hatte noch einen weiteren Standort in dieser Gegend auf dem Programm, den wir aufsuchen wollten. Also gaben wir die Koordinaten ins GPS ein und versuchten den Standort zu finden. Uns wurde eine Distanz von 4,4 Kilometern angezeigt.

Die Entfernung nahm leider nicht wirklich ab. Wie wir wenig später herausfanden hatte sich offensichtlich ein Eingabefehler eingeschlichen, so dass die Mühe vergeblich war. Mit den richtigen Koordinaten machten wir uns wieder auf den Weg, es ging nun wieder zurück.

Zu unserer Überraschung war die Stelle mit der kürzesten Entfernung auf dem GPS nur etwas weiter als die Stelle, an der wir zuvor waren. Wir parkten unser Auto also wieder in der Nähe und machten uns per Fuß auf ins Gelände. Das GPS zeigt uns an, dass wir etwa 700 Meter Fußmarsch durchs Gelände vor uns hatten. In der Ferne konnte man deutlich einen kleinen Berg sehen. Wir vermuteten, dass der Standort vor diesem Berg lag. Da es dort Drosera spiralis und Drosera grantsaui geben sollte und wir diese Art unbedingt sehen wollten machten wir uns auf den Weg.

Das erste, was hier auffiel war, dass es auf dem ersten Stück deutlich trockener war als der Standort zuvor. Zwar lief der Fluss in unmittelbarer Nähe vorbei, allerdings konnte er nicht sonderlich viel Feuchtigkeit zur Verfügung stellen. Hier wuchsen tatsächlich viele große Kakteen! Die erste Drosera, die wir auf dem Weg finden konnten war Drosera tentaculata. Auch hier wuchsen sie wieder sehr trocken in Sandflächen. Im Unterschied zu den Pflanzen an den anderen Standorten waren sie hier nicht so kräftig ausgefärbt.

Die Gegend blieb vorerst weiterhin so trocken. Wir erreichten schließlich die Stelle, an der ein paar Jahre zuvor Drosea spiralis) gefunden wurde. Offensichtlich hatte sich die Gegend stark verändert.

der zweite Standort
Also machten wir uns auf die Suche. Es war immer noch sehr trocken. Schließlich fanden wir ein paar nassere Stellen. Dort konnten wir dann einige Drosera camporupestris finden. Die Pflanzen waren nicht so zahlreich und schön wie am Tag zuvor, dennoch freuten wir uns sehr darüber. Daneben fanden wir Rosetten einer Genlisea, die wir aber nicht bestimmen können.

Drosera grantsaui war an diesen feuchten Stellen recht einfach zu finden. Neben Drosera grantsaui war Drosera communis und Drosera tomentosa var. tomentosa dort stark vertreten. Auf der weiteren Suche nach Karnivoren fanden wir kurze Zeit später noch Utricularia hispida. Diese Art war für diesen Standort bis dahin noch nicht bekannt. Uns freute die Entdeckung daher besonders. Wir konnten lediglich eine Blüte dieser Pflanze finden.


Drosera grantsaui, Utricularia hispidula und Drosera tomentosa var. tomentosa

Durch die ganzen anderen Funde vergasen wir bald, dass wir ja eigentlich nach Drosera spiralis suchten. Holger war es schließlich, der an einem Granitausbruch die ersten – und einzigen Pflanzen – fand. Wir hatten nun doch noch welche, wenn auch nur ein paar wenige, gefunden!

Die Pflanzen wuchsen an einem Granitausbruch in flachem Gelände. An der Stelle scheint ständig, also auch insbesondere in der Trockenzeit, etwas Wasser durchzusickern.

Drosera spiralis
Die Größe der Pflanzen betrug geschätzte 20cm, teilweise hatten sie deutliche Stämmchen. Die Blütenansätze waren weit vorangeschritten, allerdings dauerte es wohl noch ein paar Tage, bis die Pflanzen blühten. Daher konnten wir hier leider keine Blütenbilder machen. Hier und da konnten wir ein paar kleinere Pflanzen erkennen. Mittlerweile stand die Sonne auch schon ein kleines bisschen tiefer, was uns die Möglichkeit bot schöne Gegenlichtbilder zu machen.

Am frühen Nachmittag machten wir auf den Weg nach Bocaiuva. Wir mussten nun erstmal die Piste zurückfahren, bevor wir dann auf eine geteerte Straße kamen. Etwa gegen 20 Uhr kamen wir in Bocaiuva an.

Auch in dieser Unterkunft mussten wir unser Koffer wieder ganz nach oben tragen. Die Zimmer lagen alle im zweiten und dritten Stock. Auf der Straße hatte das Hotel ein kleines angeschlossenes Restaurant. An diesem Abend gab es dort Livemusik, sie sollte bis etwa Mitternacht dauern.

Neben unserer Unterkunft befand sich eine Pizzeria. Dort gingen wir hin um noch etwas zu Essen. Nach dem Abendessen gingen wir zurück ins Hotel und legten uns ins Bett. Die Musik sollte übrigens noch bis weit nach 2 Uhr Nachts andauern, entgegen dem, was uns von der Dame an der Rezeption gesagt wurde. Durch die laute Musik und die Hitze im Raum wurde es - mal wieder - eine sehr kurze Nacht.

Tag 8: Itacambira und die Fahrt nach Botumirim

17.07.2015

Nach einer kurzen Nacht begann der Tag wieder früh. Wir wirkten alle etwas müde. Da die Livemusik doch deutlich länger als angekündigt dauert fiel die Nacht bei allen recht kurz aus.
Bocaiuva vom Balkon unseres Hotels
Das Frühstück bestand auch in Bocaiuva wieder aus dem Minas-Käse, etwas Wurst, Brötchen, Gebäck und Kaffee.

An diesem Tag standen Standorte um Itacambira auf dem Plan. Itacambira liegt von Bocaiuva nur etwa 50 Kilometer entfernt, allerdings besteht ein Großteil der Strecke lediglich aus Pisten. Gegen 9 Uhrbrachen wir auf.

Kurz nach Bocaiuva bogen wir auch schon auf eine kleine, ungeteerte Straße ab. Der Weg sollte durch kleinere Dörfchen bis nach Itacambira führen. In einem dieser Dörfchen machten wir kauften wir noch schnell etwas Verpflegung für den Tag ein.

Wir begann nun die Suche nach den Standorten. Dort sollte es Drosera ascendens und Drosera graomogolensis geben.
die Straße nach Guaraciama
Leider schafften wir es trotz aller Bemühungen nicht, diese Standorte zu finden. Carlos hatte noch Kenntnisse über einen Standorte etwas außerhalb von Itacambira. Diesen wollten wir nun versuchen zu finden. Dort sollte es besonders große Drosera spiralis und auch nochmal Drosera graomogolensis zu sehen geben.

Zur Mittagszeit erreichten wir diesen Standort. Nach wenigen Minuten Fußmarsch hatten wir die ersten Pflanzen auch schon gefunden! Es war eine recht feuchte Stelle, wieder auf einem Granitfelsen, an der sich einige Drosera spiralis angesiedelt hatten. Die Pflanzen standen recht offen, so dass sie volles Sonnenlicht abbekamen. Tatsächlich schien es uns so, als ob die Pflanzen besonders groß seien. Zwischen all den Drosera spiralis wuchsen zudem noch einige Drosera tomentosa sowie einige Utricularia.


Drosera tomentosa var. glabrata, Drosera spiralis und Kakteen

Wir fanden nun noch weitere solcher Stellen mit Drosera spiralis. Unsere Fotoapparate standen nicht mehr still. An einer dieser Stellen konnten wir dann auch noch blühende Utricularia nana entdecken. Was uns alle etwas verwunderte war die Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe zu den Drosera teilweise sehr große Kakteen standen.
Drosera spiralis
Die Flächen mit den Kakteen schienen zu dem noch sehr trocken zu sein. Die Karnivoren kamen nur an den wenigen feuchten Stellen vor.

Wir hielten uns eine ganze Weile an dieser Stelle auf, bevor wir uns auf die Suche nach Drosera graomogolensis machten. Wir vermuteten die Pflanzen oberhalb eines kleinen Berges. Tim, Thomas und ich machten uns zusammen mit Carlos auf die Suche. Mit den anderen verinbarten wir, dass wir uns später am Auto wieder treffen würden.

Wir liefen nun über die Flächen und suchten die Gegend ab. Dabei fanden wir noch viele Drosera spiralis, eine schöner als die andere. Auch hier standen die Pflanzen wieder auf Granitausbrüchen an Stellen, die vermutlich ganzjährig zumindest leicht feucht sind. An den trockeneren Stellen wuchsen auch hier wieder nur Kakteen.

Schließlich konnten wir, sehr zu unserer Freude, noch eine offene Blüte von Drosera spiralis finden! Ein paar wenige der Pflanzen standen tatsächlich in Blüte. Insgesamt schienen die Pflanzen hier oben etwas weiter zu sein und auch noch etwas kräftiger und schöner als die Exemplare ein paar Meter weiter unten. Auch hier wuchsen sie wieder zusammen mit Drosera tomentosa.

Da der Standort sehr beeindruckend war verbrachten wir eine ganze Zeit dort. Leider ist es uns nicht gelungen, Drosera graomogolensis zu finden. Da wir Angst hatten, dass uns die anderen bereits vermissten machten wir uns langsam aber sicher auf den Weg zurück zum Auto. Auf dem Weg dorthin konnten wir dann noch Exemplare von Drosera tomentosa finden, dieses Mal mit Blütenansatz.
Abgottschlange - Boa constrictor
Es war deutlich zu erkennen, dass es sich zumindest bei diesen Pflanzen um Drosera tomentosa var. tomentosa handelte.

Kur bevor wir das Auto erreichten hatten wir noch eine Begegnung mit einer Schlange. Tim sah das Tier zuerst und informierte uns darüber. Es handelte sich dabei um eine Boa constrictor. Wir kamen nun alle zu ihm um das Tier anzuschauen und zu fotografieren. Die Schlange lag regungslos am Boden und lies alles über sich ergehen. Direkt neben der Schlange konnten wir dann sogar noch einige Drosera hirtella var. hirtella sehen.

Es war mittlerweile etwa 15.30 Uhr. Da es um die Uhrzeit keinen Sinn mehr macht weitere Standorte zu suchen und wir wussten, dass wir noch eine recht lange und evtl. auch komplizierte Fahrt vor uns hatten brachen wir auf. Was uns noch erwartete konnten wir kaum ahnen.

Die Strecke von Itacambira nach Botumirim ist offensichtlich eine Piste, die streckenweise nicht in besonders guten Zustand ist.
die Strecke nach Botumirim
Noch in Itacambira fragten wir an einer Tankstelle nach dem Weg und einer asphaltierten Piste. Wir bekamen zur Antwort, dass es nur diese eine Piste geben soll.

Zu Beginn war es noch hell und wir kamen recht gut voran. Die erste Pause machten wir noch im Hellen. Es handelte sich um eine kleine Brücke über einen kleinen Fluss. Dort machten wir schnell noch ein paar Bilder.

Der weitere Verlauf des Wegs machte uns etwas Probleme. Es gab diverse Abzweigungen, die alle nicht beschildert waren und teilweise einfach auf Farmen endeten. Die Regel "nimm einfach die größte Straße" führte auch nicht immer zum Erfolg. Unser Navi kannte die Strecke (wie eigentlich alle anderen auch) natürlich auch nicht. Daher nutzten wir jede sich ergebene Chance um nach dem Weg zu fragen. An einer dieser Abzweigungen hielten wir einen Motorradfahrer an. Offensichtlich sahen wir so verzweifelt aus, dass er uns eine Karte zeichnete. Diese Karte sollte noch sehr hilfreich sein!

Langsam wurde es immer dunkler und die Strecke nicht besser. Ein oder zweimal sind wir falsch abgebogen und landeten auf einer Farm. Die Fahrt wurde zunehmen schwerer. Mit Hilfe der gezeichneten Karte und Fragen kamen wir aber dennoch voran. Ob wir allerdings richtig waren wusste niemand! Die größten Gedanken machten uns die Autos. Wir hatten leider für diese Straßenverhältnisse keine wirklich geeigneten Autos. Daher hofften wir sehr, dass sie uns heil über diese Piste bringen würden.

An einer weiteren Abzweigungen kamen wir an einer kleinen Hütte vorbei. Dort spielten ein paar Cowboys Tischfußball(!).
unser dreckiges Auto
Ihre Pferde hatten sie außen angebunden. Zum Glück konnten sie uns bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

Wenig später standen wir vor einem Sandberg. Zu dem Zeitpunkt bin ich gefahren. und habe es nicht geschafft, unser Auto darüber zu fahren, so dass wir stecken blieben. Mit etwas Anlauf und etwas Anschieben schafften wir es schließlich beide Autos über den Berg zu bringen. Mittlerweile war es stockfinster.

Gegen 19.30 Uhr kamen wir in Botumirim an. Wir wussten, dass unser Hotel am Stadtrand liegt. Dort stand allerdings nur ein nagelneues weißes Haus. Das konnte unmöglich unser Hotel sein, dachten wir! Daher fuhren wir erstmal daran vorbei. Es stellte sich aber heraus, dass es sich bei diesem Haus doch um unser Hotel handelte. Wir waren sehr überrascht darüber! Auch das Innere konnte sich sehen lassen, es war modern gestaltet und machte einen guten Eindruck.

Es war nicht sicher, ob an diesem Abend noch ein Restaurant geöffnet hatte. Daher fragten wir bei der Hotelbesitzerin nach. Sie konnte uns tatsächlich noch telefonisch ein Restaurant finden, das sogar noch in laufweite lag. Unser Abendessen schien gesichert!

Das Essen bestand hier landestypisch aus Reis mit Bohnen, Nudeln und gegrilltem Fleisch. Schließlich orderten wir noch einige Caipirinha. Offensichtlich war das Restaurant darauf nicht ausgelegt und es gab nicht ausreichend Gläser. Kurzerhand erhielten wir dann zwei dieser Getränke in einer ausgehölten Ananas. Damit ging ein Tag zu Ende, den wir alle so schnell nicht vergessen werden!

Tag 9: Botumirim

18.07.2015

Nach der Fahrt am Vorabend blieb nur sehr wenig Zeit zur Erholung. An diesem Tag wollte Carlos uns einen seiner Lieblingsstandorte zeigen. Dort sollte es vor allem Drosera graomogolensis sowie eine neue bisher unbeschriebene Utricularia-Art geben.
Blick auf Botumirim
Daher begann auch dieser Tag wieder um 07.30 Uhr.

Das Frühstück bot auch hier keine Überraschungen, allerdings gab es hier zusätzlich noch frische Eier und eine Art Milchbrei. Die Küche sowie der Speisesaal machten einen ähnlich modernen Eindruck wie die Zimmer, wir fühlten uns hier alle sehr wohl. Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen und fuhren los. Dabei ist mir noch ein kleines Missgeschick geschehen. Beim Ausparken blieb ich mit dem Auto auf einem recht hohen Bordstein hängen. Dies hatte eine kleine Beule zur Folge. Da ich recht heftig aufgesessen bin machten wir uns um unser Auto etwas Gedanken. Man konnte von unten sehen, dass ein schwarzes Teil heraushing. Soweit so gut...

An diesem Tag besorgten wir uns auch wieder etwas Frühstück. Während dieser Zeit nurze Tim die Gelegenheit, um unser Auto kurz an einem Bordstein aufzubocken um darunter zu schauen.Er stellte fest, dass das schwarze Teil wohl irgendwas mit der Benzinleitung zu tun hatte und man es recht einfach wieder einklicken konnte.
in der Nähe von Botumirim
An einer Tankstelle ließen wir nochmal alles checken und unsere Reifen aufpumpen. Gegen 09.30 konnten wir uns auf den Weg zu dem Standort machen.

Der Standort, den wir suchten, liegt entlang eines Flusses. Um dort hinzukommen mussten wir von Botumirim aus etwas südlich fahren. Wieder führte der Weg über eine Sandpiste. Im Vergleich zum Vorabend war dies allerdings kein Problem. Gegen 10.30 Uhr waren wir dort.

Wir parkten unsere Autos an einem kleinen Sandstrand und machten uns auf den Weg Richtung Fluss. Der Sand war knallweiß. Da es morgens noch etwas bewölkt war hielt sich die Reflexion des Sandes zum Glück etwas in Grenzen. Bereits nach kurzer Suche fanden wir die ersten Drosera graomogolensis. An dieser Stelle wuchsen sie zusammen mit Drosera spiralis, die wir ja bereits vom Vortag kannten. Auch hier hatten sie wieder Blütenstände und wir konnten einige offene Blüten finden.

Die erste Utricularia, die wir an diesem Standort fanden war Utricularia subulata. Die kleinen gelben Blüten waren gut als Kontrast zu den roten Drosera zu erkennen.
Drosera spiralis
Ein paar Meter weiter wuchs eine halbaquatische Utricularia mit gelber Blüte. Es handelte sich dabei um Utricularia gibba. Drosera spiralis und Drosera graomogolensis sind an diesem Fluss sehr weit verbreitet, insbesondere Drosera graomogolensis. Die roten Rosetten bildeten einen tollen Kontrast zu den ansonsten weißen Steinen. Der komplette Flussrand war mit diesen Pflanzen besetzt. Die Landschaft selbst war auch atemberaubend. Der leicht ausgetrocknete Flusslauf war sehr schön anzusehen. Sicherlich einer der schönsten Orte, die ich auf diesem Planeten bereits sehen durfte! Durch das wenige Wasser hatten sich hier und da ein paar kleine Wasserfälle gebildet.

Wir sollten über den ganzen Tag immer wieder neue Karnivoren finden. Die nächste Art, die wir fanden war Drosera tomentosa var. tomentosa. Die Pflanzen hatten zwar nur einen sehr leicht behaarten Blütenstiel, dürften aber dennoch unter die Varietät fallen. Zum Teil standen sie voll in Blüte.

Wir suchten den Fluss immer weiter nach Karnivoren ab. Die nächste Entdeckung ließ nicht lange auf sich warten, es waren einige Blüten von Utricularia amethystina.

Auf einer kleinen Pflanzeninsel konnten wir dann schließlich noch blühende Exemplare von Drosera tomentosa var. tomentosa finden. Beim genaueren hinschauen standen neben den Drosera auch einige kleine weiss blühende Utricularia amethystina und weitere Utricularia subulata.


Drosera tomentosa var. tomentosa, Drosera graomogolensis und Utricularia subulata

Nur ein paar Meter weiter stand bereits die nächste Utricularia-Art. Dieses Mal handelte es sich um Utricularia tenuissima. Die kleinen weißen Blüten waren sehr schwer zu fotografieren. Genlisea gab es an diesem Standort auch! Wir konnten allerdings leider nur ein paar überflutete Blätter finden, so dass wir die Art nicht weiter bestimmen konnten. Später fanden wir noch Blüten von Genlisea repens und Genlisea aurea var. aurea.

Wir suchten relativ lange nach der neuen Utricularia.Art, die an diesem Standort vorkommen soll. An einem Abschnitt des Flusses konnten wir die Pflanzen dann endlich entdecken. Die kleinen hell-lila-farbenen Blüten konnte man gut erkennen.
kleiner Wasserfall
Da sie an recht langen Blütenstielen standen wackelten sie sehr stark und es war sehr schwer sie zu fotografieren. Leider hatte keine dieser Pflanzen Samen angesetzt. Dabei wären Samen für die Beschreibung der Art sehr wichtig, da es das letzte Merkmal ist, das noch nicht bekannt ist.

Ein Ziel hatten wir immer noch! An diesem Fluss sollte es auch Drosera grantsaui geben. Dies fiel mir plötzlich wieder ein und ich machte mich auf die Suche. Ich lief das Ufer entlang und schaute hier und da nach den Pflanzen. Tatsächlich konnte ich dann einige entdecken!
Graubrust-Degenflügel - Campylopterus largipennis
Die Pflanzen standen nur an leicht erhöhten Uferbereichen, oftmals von recht dichter Vegetation umgeben. Daneben wuchsen einige Drosera graomogolensis und weitere weißblühende Utricularia amethystina.

Utricularia nana sollte schließlich die letzte Karnivoren sein, die wir an diesem Standort noch finden konnten. Mittlerweile war es Mittag. Wir beschlossen daher zurück zu unseren Autos zu laufen und unsere am Morgen gekauften Brötchen zu essen.

Für den Mittag hatten wir keinen weiteren Plan. Da wir aber sehr beeindrucket waren wollten wir gerne noch etwas an diesem Fluss bleiben. Daher vereinbarten wir eine Uhrzeit und jeder konnte bis dahin tun, was er wollte. Ich nutzte den Nachmittag dazu, um einige Vögel, die Landschaft und noch einige Karnivoren zu fotografieren.

Zu unserer vereinbarten Uhrzeit trafen wir uns alle wieder. Wir mussten ja noch bis nach Cristalia fahren. Von Botumirim kann über zwei Wege dorthin kommen. Einmal eine 37KM lange Schotterpiste und einmal etwa 60KM über geteerte Straßen. Da wir von Schotterpisten aufgrund des Vortrags genug hatten entschieden wir uns für die geteerte Straße.
der fast ausgetrocknete Fluss
Die Fahrt verlief dann auch problemlos. Vor Cristalia blieben wir dann nochmal kurz stehen um uns nach dem Hotel zu erkundigen, nur um festzustellen, dass es etwa 300 Meter weiter war.

Carlos erkundigte sich im Hotel nach einem Restaurant und bekam eines in der Nähe genannt. Dort angekommen dachten wir zuerst, dass es kein Restaurant sein kann, da es einfach aussah wie eine Garageneinfahrt. Innen gab es dann ein paar Tische und Stühle, wir waren die einzigen Gäste. Wir bestellten etwas zu essen, was kommen wird konnten wir nicht genau sagen. Was wir bekamen war sicherlich eines der besten Essen, die wir in Minas Gerais zu uns genommen haben. Neben den üblichen Bohnen mit Reis gab es hier panierten, knusprigen Fisch, Hähnchenteile Fleischstücke und eine Art Gulasch. Letzteres gibt es wohl nur an Samstagen, wurde uns gesagt. Nach dem Essen fuhren wir zurück ins Hotel, wo wir uns nur noch Müde ins Bett legten.

Tag 10: Grão Mogol

19.07.2015

Das Ziel dieses Tages war es Drosera chimaera in der Nähe von Grão Mogol zu sehen. Uns lagen einige Standorte vor. Da wir im Vorfeld allerdings nicht überprüft hatten, wo diese Stellen genau lagen versuchten wir während des Frühstücks mit unseren Handies und einem Tablet herauszufinden, wo wir ungefähr hinfahren mussten. Dies war aufgrund der schlechten Internetverbindung praktisch nicht möglich, so dass wir kaum mehr Informationen als ein paar Koordinaten hatten.

Da wir wussten an welchem Fluss die Standorte liegen hatten wir eine grobe Richtung. Da auch auf unsere Navis kein Verlass war fuhren wir lediglich mit dem GPS-Gerät los und suchten nach der Stelle auf der Straße mit der kürzesten Entfernung. Auf dem Weg dorthin fanden wir eine kleine Einfahrt, die uns wohl zu dem Fluss führen würde. Wir waren allerdings noch ein ganzes Stück von der Stelle, die wir eigentlich suchten, entfernt.
Fluss in der Nähe von Itacambira
Da wir dort aber zumindest die Möglichkeit sahen, an den Fluss heranzukommen fuhren wir hinein.

Es stelle sich heraus, dass es sich um Privatgelände handelte. Wir fragten die Männer kurz, ob wir parken dürften um uns am Fluss umzusehen. Dies wurde bejaht, so dass wir uns kurze Zeit später auf den Weg machten. Ein kleiner Weg führte hinunter zum Fluss. An dieser Stelle waren einige Steine künstlich aufgeschüttet, so dass wir gut über den Fluss laufen konnten. Es war allerdings recht glatt. Man musste etwas aufpassen, wo man hintritt. Das Wetter an dem Tag war leider nicht so gut. Es war zwar Trockenzeit, aber wohl nicht an diesem Tag. Es nieselte etwas und dicke graue Wolken waren am Himmel.

Am Ufer des Flusses konnte man recht gut laufen. Es war teilweise etwas steil und glitschig aber kein wirkliches Problem. Laut meinem GPS waren es noch etwa zwei Kilometer bis zu der Stelle, die wir eigentlich suchten. Zu unserer großen Überraschung fanden wir kurze Zeit später bereits die ersten Drosera chimaera. Damit hatte zu dem Zeitpunkt niemand gerechnet!

Nach unserem ersten Fund konnten wir noch weitere Drosera chimaera finden. In einer Umgebung von etwa 40-60 Metern wuchsen die Pflanzen am Flussufer. Auffällig war, dass sie alle auf einer Höhe wuchsen. Wir nehmen an, dass diese Höhe den Wasserstand des Flusses während der Regenzeit anzeigt.
Drosera chimaera
Wären wir während der Regenzeit dort gewesen hätte wir wohl teilweise unter Wasser gestanden!

Wir liefen nun immer weiter den Fluss entlang und hielten Ausschau nach Pflanzen, konnten aber keine weiteren entdecken. Dafür fiel mir ein Wespennest ins Auge. Zuerst dachte ich, dass der Bau unbewohnt sei, allerdings hatten sie sich alle – wohl aufgrund des schlechten Wetters – auf die Rückseite des Nestes verzogen. Die Tiere schienen recht friedlich und bewegten sich, vielleicht zum Glück, kaum.

Der Weg führte langsam aber sicher immer weiter nach oben über den Fluss. Hohe Säulenkakteen prägten oberhalb des Flusses die Landschaft. Von dort hatte man auch einen recht schönen Überblick auf den Fluss, der unten im Tal verlief.

Tim und Thomas waren etwas voran gelaufen und wir hatten den Blickkontakt verloren. Als wir sie später wiedertrafen erzählten sie uns, dass sie auf der anderen Seite des Flusses waren und es dort noch weitere Drosera chimaera gibt.


Fangschrecke, Drosera chimaera und Säulenkakteen

Gegen Mittag verließen wir den Standort. Auf dem Weg zurück zur Straße schauten wir uns noch eine Bromelie an, die am Straßenrand stand. Die Pflanze hatte eine beachtliche Höhe von etwa 67cm.
Aechmea bromeliifolia
Ich vermute, dass es sich bei der Pflanze um Aechmea bromeliifolia handelt. Auf der anderen Straßenseite standen einige teils sehr alte Melokakteen, teils mit Blütenansätzen.

Am Nachmittag wollten wir noch einen Standort bei Itacambira besuchen. Wir fanden die Stelle problemlos und machten uns auf den Weg. Das Gelände war nicht sonderlich gut zu begehen, aber mit etwas Zeit gut machbar. Es ging immer nach oben. Die Vegetation wurde zunehmend höher, der Boden matschiger. Durch die hohe Vegetation haben wir uns teilweise nicht sehen können.

Die ersten Pflanzen, die mir auffielen waren Drosera tomentosa var. tomentosa. Die Pflanzen standen nur an den nassesten Stellen. Da das Wetter immer noch nicht wirklich besser war, ließ es sich nur sehr schwer einschätzen, ob es dort immer so nass ist oder ob es nur an diesem Tag so war.

Als nächstes fielen mir einige Genlisea aurea var. aurea auf. Diese Pflanzen waren hier auch wieder zahlreich vertreten und aufgrund der recht großen gelben Blüten gut zu finden. Schließlich fanden wir auch die nach dem Ort im Tal in der Nähe benannten Sonnentaue, Drosera graomogolensis. Die Pflanzen schienen hier besonders groß und kräftig zu sein.
Drosera tomentosa var. tomentosa
Teilweise hatten sie sehr lange Stämmchen und bildeten dichte Horste. An sehr nassen Stellen fanden wir dann noch zwei weitere Drosera-Arten, Drosera communis und Drosera grantsaui.

Auf dem Weg nach unten schauten wir uns hier und da noch einige der Kakteen an, die an trockeneren Stellen vorkamen. Teilweise blühten sie sogar. Am Auto machten wir kurz eine Pause und tranken etwas. Da wir alle etwas Hunger hatten, aber nichts dabei entschlossen wir uns dazu, nach Grão Mogol zu fahren, in der Hoffnung, dort etwas zu Essen zu bekommen.

Gegen 16 Uhr kamen wir in der Stadt an. Carlos fragte einen älteren Mann in der Stadt, wo wir denn etwas zu Essen bekommen könnten. Wir wurden an ein Restaurant in der Stadtmitte nahe der Kirche verwiesen.

Als wir dort ankamen war die Tür des Restaurants offen, es waren aber keine Gäste da. Dennoch wurden wir herzlich empfangen und bekamen etwas zu Essen und zu trinken.

Das Wetter hatte sich draußen mittlerweile weiter verschlechtert und es regnete sehr kräftig. Wir hatten also alles richtig gemacht! Bei dem Wetter wären wir draußen richtig nass geworden.
Drosera graomogolensis
Ein solcher Regen in der Trockenzeit ist wohl sehr ungewöhnlich. Die Leute vor Ort schoben es darauf, dass es ein El Nino Jahr sei.

Nach dem Essen fuhren wir auf direktem Weg weiter nach Bocaiuva, wieder in dieselbe Unterkunft, in der wir zwei Tage zuvor bereits waren. Gegen 21 Uhr kamen wir dort an. Auch dieses Mal stand wieder ein Musiker auf dem Platz vor dem Hotel! Zum Glück war die Livemusik dieses Mal bereits um 22 Uhr zu Ende, so dass es nachts nicht so laut war.

Wir gingen wieder in die Pizzeria. Da wir mittags ja bereits gut gegessen hatten und daher nicht so hungrig waren haben wir uns zu fünft drei große Pizzen bestellt. Von den riesen Lasagnen haben wir dieses Mal abgesehen. Wir tranken ein paar Bier und Caipirinha bevor wir zurück ins Hotel gingen.

Tag 11: Philcoxia in der Serra do Cabral

20.07.2015

Das eigentliche Ziel für diesen Tag war der Transfer nach Belo Horizonte. Es galt etwa 380Km hinter uns zu bringen.
Vorort von Belo Horizonte
Dennoch wollten wir am Morgen noch die Chance nutzen und uns Philcoxia minensis am Naturstandort anzuschauen.

Der Weg zu dem Standort führte wieder Abseits der Hauptsraße durch einige kleiner Örtchen. Die Straße war ab einem gewissen Punkt nicht mehr geteert, aber dennoch sehr gut befahrbar. In einem der kleineren Orte machten wir eine kurze Pause und kauften etwas Verpflegung in einem kleinen Supermarkt. Dort gab es auch Kuchen, die aus Guavenmus hergestellt wurden. Etwas später erreichten wir die Stelle, die wir als Standort beschrieben bekommen hatten.

Da der Standort von Philcoxia minensis nur sehr klein und sehr fragil ist beschlossen wir noch, uns lediglich am Rand aufzuhalten und nach Möglichkeit nicht durch die Pflanzen zu laufen.
Philcoxia minensis
Das nächste „Problem“ war, dass von uns niemand so genau wusste, wie Philcoxia minensis denn aussieht und nach was wir suchen müssten. Uns war nur bewusst, dass die Blüte große Ähnlichkeiten mit Pinguicula aufweist.

Die Gegend um den Standort war eine Sandwüste, die jede Menge Kakteen beherbergt. Es dauerte etwas, bis wir die Pflanzen finden konnten. Sie waren relativ klein und unscheinbar. Zum Glück waren sie gerade in Blüte, ansonsten hätten wir sie wohl niemals gefunden. Das Feld auf dem sie stehen ist vielleicht 15 x 15 Meter groß. Der Standort ist durch zwei kleine Gräben begrenzt. Sicher fließt dort während der Regenzeit etwas Wasser durch. Diese Stelle ist auch der einzige Bestand, den wir finden konnten und den es geben soll. Wir fotografierten die Pflanzen – so wie beschlossen – nur vom Rand des Standortes. Die Sonne schien sehr stark und reflektierte auf dem hellweißen Sand enorm. Das Fotografieren war daher gar nicht so einfach. Zudem schwankten die Pflanzen noch stark im Wind. Die kleinen runden Blätter liegen typischerweise unter dem Sand.


Philcoxia minensis

Die Fahrt bis Belo Horizonte verlief problemlos. Wir machten insgesamt zwei Stopps. Der erste Stopp fand zeischen Corinto und Corvelo statt. Hier hielten wir an einer Tankstelle, die auch einen größeren Shop hatte.
Tankstelle auf dem Weg nach Belo Horizonte
Wir aßen eine Kleinigkeit und tranken etwas. Nach diesem Stopp übernahm Thomas von mir das Lenkrad.

Je näher wir Belo Horizonte kamen um so dichter wurde der Verkehr. Es war jetzt nur noch schwer möglich, beide Autos zusammenzuhalten. Zum Glück hatten wir Walkie Talkies dabei, mit denen wir uns verständigen konnten. So kämpften wir uns nach und nach durch den Verkehr. Bei Spurwechseln blockierten wir jeweils ein Spur, so dass das andere Auto rüberfahren konnte. Zum Glück ging alles gut und wir kamen irgendwann an. Wir parkten unsere Autos direkt vor dem Hotel, um unsere Sachen erstmal wegzubringen.

Wir checkten nun ein. Hierzu mussten wir unsere Reisepässe vorzeigen und Formulare ausfüllen. Das nächste Problem war, unsere Autos zu parken. Das Hotel hatte einen eigenen Parkplatz, dessen Einfahrt in der Nebenstraße liegt. Wir hatten dies nicht gleich gefunden und fuhren erst etwas rum. Erst nachdem wir nochmal im Hotel fragten wurde die Tür der Einfahrt aufgemacht und wir sahen, wo wir hinmussten.

Für das Abendessen hat uns das Personal des Hotels einen Italiener um die Ecke empfohlen. Dort gingen wir hin und wurden nicht enttäuscht. Es gab gute Pizza und guten Wein.

Tag 12: Ouro Preto

21.07.2015

An diesem Tag wollten wir nicht auf die Suche nach Karnivoren gehen. Wir wollten uns die schöne Stadt Ouro Preto, etwas südlich von Belo Horizonte anschauen.
Igreja de São Francisco de Assis
Daher planten wir das Frühstück erst für etwa 08.30 Uhr ein und gönnten uns etwas Schlaf. Da wieder zu befürchten war, dass wir am Abend in einen Stau geraten werden, entschlossen wir uns dazu, nur mit einem Auto zu fahren. Da jedes unserer Autos eigentlich ein Siebensitzer war, konnten wir das problemlos tun.

Am späten Vormittag kamen wir in Ouro Preto an. Unser erstes Ziel war ein kleiner Markt, an dem man alle möglichen Souvenirs kaufen konnte. Hier schauten wir uns zuerst etwas um und beschlossen dann uns aufzuteilen und ein paar Stunden später dort wieder zu treffen.

Wir liefen zu einigen Kirchen und schauten uns die Gebäude und Geschäfte an. Die Stadt liegt auf über 100m Höhe und ist mehr oder weniger direkt in die Berge gebaut. Dies hat zur Folge, dass es eigentlich immer entweder steil nach oben, oder steil nach unten geht. Dies war einer der wenigen Tage, an denen wir uns vollkommen touristisch verhalten haben. Wir haben Eis gegessen, Kaffee getrunken, die Stadt angeschaut und ansonsten nichts Besonderes gemacht. Ouro Preto ist in der Tat ein Ausflug wert, diese schöne alte Stadt sollte man sich anschauen, wenn man in dieser Gegend ist.

Pünktlich haben sich alle wie besprochen getroffen. Wir gingen nun alle zusammen etwas trinken um den weiteren Tag zu planen. Nun kam auch die Frage auf, wann genau wir unsere Autos wieder abzugeben hatten. Darüber hatte sich bis dahin offensichtlich niemand Gedanken gemacht.
Igreja de Santa Efigênia
Da dies unser letzter Tag in Minas Gerais war, stand eigentlich auch die Autoabgabe auf dem Programm. Carlos informierte sich telefonisch kurz bei der Mietwagenfirma und erfuhr, dass wir die beiden Autos noch an diesem Abend abgeben sollten. Hätten wir die Autos erst am nächsten Tag abgegeben, hätten wir nochmal 200€ bezahlen müssen. Daher brachen wir recht schnell auf, damit wir das noch pünktlich erledigen konnten.

Die Rückfahrt verlief problemlos. Es gab zwar auch wieder etwas Stau, aber wir kamen dafür noch recht gut durch. In Nähe unseres Hotels befand sich eine Rückgabestelle von Localiza. Dort wollten wir unsere Autos wieder abgeben, bevor wir zum Abendessen gehen. Thomas, Carlos und ich nahmen dieses Abenteuer in Angriff.
Stadtmitte von Ouro Preto
Die Autos waren extrem dreckig, eines hatte eine Beule, bei einem fehlten alle Radkappeninnenteile und der Unterboden konnte unmöglich noch gut aussehen. Wir waren uns recht sicher, dass wir für irgendwas Strafe zahlen würden. Allerdings wurden wir dann überrascht. Wir mussten lediglich für die Reinigung des Autos jeweils 120 R$ zahlen. Die Beule und Kratzer waren belanglos. Wir hätten sogar die Spiegel verlieren dürfen und die Scheiben kaputtmachen dürfen. Aufgrund der Motorradfahrer und deren Fahrtweise kommt das wohl regelmäßig vor. Ohne zu diskutieren bezahlten wir die Strafe und machten uns schnell aus dem Staub.

Für das Abendessen hatten wir uns eine Chudascaria in Nähe des ruhmreichen Stadions ausgesucht. Das Essen dort war hervorragend, die Angestellten kamen immer wieder mit neuen Sachen auf Spießen vorbei. Schnell waren unsere Teller voll und schnell waren auch alle satt. Mit einem Caipirinha und einem Schnaps ging der Abend dann zu Ende. Im Hotel überreichten wir Carlos noch die von uns mitgebrachten Geschenke (Kalender + GFP-Mitgliedschaft) Da wir am anderen Morgen sehr früh aufstehen mussten legten wir uns bald ins Bett. Es blieben uns nur noch etwa 4 Stunden Zeit, etwas Schlaf zu bekommen.

Tag 13: Flug nach Cuiabá

22.07.2015

Leider ging unsere Zeit in Minas Gerais schnell zu Ende. Der Abreisetag war gekommen. Für Carlos ging es wieder zurück nach Hause, wir hatten noch ein paar Tage im Westen Brasiliens vor uns.
Falter in der nähe von Chapada dos Guimarães
Unser Flug dorthin ging bereits um kurz vor sieben los. Daher war die Nacht sehr kurz. Gegen 04.30 Uhr trafen wir uns bereis in der Hotellobby. Auch Carlos hatte einen ähnlich frühen Heimflug, so dass wir uns zusammen Taxis nahmen um an den Flughafen zu kommen. Dort verabschiedeten wir uns von Carlos. Ohne ihn hätten wir vermutlich nichtmal die Hälfte dessen gesehen, was wir gesehen haben. Wir sind ihm für das, was er für uns getan hat sehr dankbar!!

Unser Flug nach Cuiabá ging über Brasilia. Dort mussten wir einmal umsteigen. Beide Flüge verliefen problemlos, so dass wir pünktlich in Cuiabá ankamen. Für die kommenden Tage hatten wir uns über ein deutsches Reisebüro einen Privatführer gebucht. Mit ihm sollten wir in den kommenden Tagen die Chapada dos Guimarães und das Pantanal erkundigen.

Nachdem wir unsere Koffer in Empfang genommen hatten begaben wir uns Richtung Ausgang. Dort sollten wir abgeholt werden. Tatsächlich fanden wir relativ schnell einen Mann, der unsere Namen auf einem Schild stehen hatte.
Mirante Da Chapada
Es stellte sich heraus, dass es unser Guide für die nächsten Tage ist. Er nannte sich DJ und machte einen sehr freundlichen Eindruck.

Die Fahrt in unsere Unterkunft in der Chapada Dos Guimarães dauerte etwa 2 Stunden. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten gab es Mittagessen. Danach hatten wir etwas Zeit, um uns von der Anreise zu erholen.

Gegen Abend wollte DJ uns gerne noch den geodätischen Mittelpunkt Südamerikas (Mirante do Centro Geodesico) zeigen. Dieser liegt nur etwa 10 Kilometer von unser Unterkunft entfernt. Gegen 16.30 Uhr machten wir uns auf den Weg. Auf dem Weg dorthin machten wir einmal Halt, da wir in der Ferne einige Tukane sehen konnten. Leider waren die Tiere recht weit entfernt, aber dennoch konnten wir sie gut beobachten und auch das ein oder andere Bild machen.

Der Aussichtspunkt ist im Prinzip lediglich ein mehr oder weniger flach abfallender Berg am Rande der südlichen Chapada Dos Guimarães.
Mirante Da Chapada
Von dort aus hat man einen schönen Blick von der Hochebene in den flacheren Cerrado. Zu unserer Freude konnten wir hin und wieder eine Gruppe Grünflügelaras sehen, die von Berg zu Berg flogen. Für mich waren dies die ersten Papageien, die ich jemals in freier Wildbahn gesehen habe.

Langsam wurd es immer dunkler und die Sonne immer roter. Wir konnten einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten. Ein paar Biker nutzten diesen Platz wohl um ihre Kunststücke zu trainieren und vorzuführen. Nachdem die Sonne untergangen war fuhren wir zurück in unsere Unterkunft. Das Abendessen wartete. Wir ließen den Abend in unserer Unterkunft unter anderem mit einem Caipirinha ausklingen.

Tag 14: Chapada dos Guimarães - Tag 1

23.07.2015

DJ hatte für diesen Tag zwei Ausflüge vorgeschlagen. Morgens wollte er uns zwei Wasserfälle in der Chapada dos Guimarães zeigen, für den Nachmittag schlug er einen Ausflug zur sogenannten " Cidade de Pedra" vor. Dort kann man am Rande der Hochebene laufen und die tolle Aussicht in die Ebene geniessen.

Während des Frühstücks kam der Besitzer unserer Unterkunft zu uns und sagte uns, dass ein Nachbar eine Korallenschlange gefangen habe. Offensichtlich wurde die Schlange bereits eingefangen, uns wurde sie in einem Eimer präsentiert.
Véu de Noiva
Ich vermute, es handelte sich dabei um eine ungefährliche Südamerikanische Hakennasennattern (Xenopodon pulcher)

Gegen 9 Uhr machten wir aus den Weg zum ersten Wasserfall, dem 92 Meter hohen Veu de Noiva. Der Wasserfall liegt nur etwa 20 Kilometer Luftlinie von unser Unterkunft weg, so dass wir relativ schnell dort waren. Ein großer Parkplatz ließ vermuten, dass diese Stelle öfter von Touristen besucht wird.

An einer kleinen Hütte in Nähe des Parkplatzes saßen ein paar Aufseher. Dort mussten wir ein Formular ausfüllen, bevor wir zu dem Wasserfall gehen durften. mit den vorbereiteten Formularen. Lustigerweise waren unsere Namen dort bereits eingetragen, inkl. einer Schätzung unseres Alters durch DJ. Wir mussten nur noch unterschreiben.

Der Weg zum Wasserfall war nicht sonderlich weit, nur etwa 500 Meter. Ein kleiner Weg, im späteren Verlauf durch Holzbohlen befestigt führte zu einer Stelle, von der aus man gut auf den Wasserfall blicken konnte. Auf der linken Seite konnte man den Wasserfall beobachten, rechts konnte man sich die herrliche Landschaft bzw. die Steilwände anschauen. Wir blieben etwa 30 Minuten an dieser Stelle und und genossen die Aussicht.

Zurück an der Hütte mit dem Aufpassern nahmen wir einen anderen Weg. Dieser sollte etwa 1 Kilometer lang sein und zu einem Wasserfall, dem so gennanten Cachoerinha, mit Bademöglichkeit führen.
Schmetterlinge
Der Weg war zuerst ein Sandweg, später führte er durch den Wald. Es war mittlerweile sehr warm, so dass wir alle ordentlich schwitzten.

Gegen 10.45 Uhr erreichten wir die Stelle und mussten feststellen, dass wir nicht alleine dort waren. Neben uns war noch eine andere Gruppe dort, die sich bereits im Wasser tummelten. Wir machten zuerst eine kurze Rast im Schatten an den Bänken, bevor wir uns etwas umsahen.

Vor dem Wasserfall hing eine Leine über dem Wasser. Offensichtlich sollte man diese nicht passieren und immer davor bleiben. Uns zog der Wasserfall aber an, war doch durch die Feuchte die Chance auf Karnivoren gegeben. Mit dieser Einschätzung sollten wir richtig liegen. An den nassen Wänden in Nähe des Wasserfalls konnten wir eine kleine gelbblütige Utricularia finden. Wir nehmen an, es handelt sich um Utricularia subulata oder Utricularia triloba. Die Pflanzen wuchsen an den senkrechten Wänden, man konnte bereits von weitem die kleinen Blüten erkennen – zumindest wenn man wusste, nach was man suchen muss.

Gegen 12.30 Uhr waren wir wieder zurück an unserem Auto und fuhren in den Ort Chapada dos Guimarães zum Mittagessen. Ein richtiges Mittagessen hatten wir zu diesem Zeitpunkt das letzte Mal in Deutschland gehabt.
Eidechse
In den letzten Tagen hatten wir die Zeit lieber dafür genutzt, um uns etwas anzusehen. Es gab ein Buffet mit landestypischen Gerichten. Neben den obligatorischem Reis und Bohnen gab es noch diverse Fleischstückchen, sowie Obst und Nachtische. Wir aßen vermutlich alle zu viel und wurden müde.

Gegen 14 Uhr fuhren wir weiter zum Mirante da Cidade de Pedra. Dort soll es tolle Aussichtspunkte in die Ebene südlich der Chapada dos Guimarães geben. Der Weg dorthin führte auf den letzten Kilometern über eine recht ruppige Piste, so dass wir alle etwas durchgerüttelt und wieder wach wurden.

DJ hatte sich am Vormittag an der Hütte mit den Aufpassern am Veu de Noiva einen Schlüssel besorgt. Er sagte, er sei einer der wenigen Guides, die dieses Gelände betreten dürften.
Cidade de Pedra
Die Gegend bestand aus interessanten Felsgebilden. Nach einer kurzen Wanderung waren wir bereits am ersten Aussichtspunkt. Von dort aus konnte man sehr gut in den Cerrado schauen. Man konnte gut erkennen, dass die Kanten der Chapada dos Guimarães, ähnlich einem Tafelberg, sehr steil nach unten abfielen. Das Wetter war hervorragend, die Sicht daher fantastisch. Wir konnten weit in das flache Tal sehen.

Wir verbrachten den Nachmittag in dieser Gegend. Wir liefen den kleinen Weg entlang und schauten uns hier und da die Gegend an. An einer Stelle konnten wir noch eine Gruppe Grünflügelaras (Ara chloroptera) auf einem Berg gegenüber beobachten. Leider waren sie etwas weit entfernt. Die Tiere flogen von Zeit zu Zeit etwas herum. Wir warteten geduldig auf die Chance ein paar gute Bilder von ihnen zu machen.

DJ musste den Schlüssel pünktlich um 16.30 Uhr wieder abgeben. Daher konnten wir leider nicht bis zum Sonnenuntergang dort bleiben. Da wir durstig waren setzte er uns kurz an einem Kiosk ab und so konnten wir in der Zeit, wo er den Schlüssel zurückbrachte etwas trinken. Danach fuhren wir in unsere Unterkunft zurück, wo wir den Abend verbrachten.

Tag 15: Chapada dos Guimarães - Tag 2

24.07.2015

DJ hatte am Vorabend vorgeschlagen, uns an diesem Tag einige weitere Wasserfälle anzuschauen. Insgesamt sollte es eine kleine Wanderung von etwa 7 Kilometern werden. Nach dem Frühstück, so gegen 08.30 Uhr, ging es mit dem Auto los.
Cachoeira das Andorinhas
Der Startpunkt der Wanderung war nicht sonderlich weit von unserer Unterkunft entfernt. Karnivoren hatten wir an diesem Tag so gut wie nicht auf der Rechnung. Wir malten uns lediglich eine geringe Chance aus, an den Wasserfällen etwas zu finden. Umso mehr waren wir überrascht, als wir schon kurze Zeit nach Beginn der Wanderung eine Stelle fanden, an der es so einige Karnivoren gab.

Zuerst fielen uns kleine gelbblütige Utricularia auf. Insgesamt konnten wir gleich drei Arten finden, nämlich Utricularia simulans, Utricularia pusilla und Utricularia nana. Neben den Utricularia standen zudem noch jede Menge Drosera communis in direkter Nähe. Mit Genlisea filiformis konnten wir gleich drei Gattungen auf einmal an dieser relativ kleinen Stelle finden.

Der weitere Weg bot zum Teil sehr schöne Ausblicke auf die Landschaft. Der Weg wurde zunehmend zu kleinen Sandwegen, ließ sich aber recht gut laufen. Gegen 10.30 Uhr erreichten wir dann den ersten Wasserfall. Er nannte sich Cachoeira das Andorinhas.

Es handelte sich um einen kleinen Wasserfall mit einem Pool davor. An den nassen Wänden konnte man bereits aus der Ferne kleine gelbe Punkte sehen. Wir vermuteten, dass es sich dabei offensichtlich um Utricularia handelt. Wir schauten also nach und lagen richtig. Vermutlich handelt es sich dabei um Utricularia pusilla, die dort – ähnlich wie die Pflanzen am Tag zuvor – wieder an nassen Felswänden wächst.


Utricularia simulans, Drosera communis und Utricularia nana

Wir blieben etwa 45 Minuten dort, bevor wir weiterliefen. Kurze Zeit später kamen wir auch schon am nächsten Wasserfall an. Es handelte es sich eher um ein Wasserfällchen. Das Wasser fiel vielleicht einen Meter nach unten. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei Hochwasser nicht mehr viel davon zu sehen ist.

Holger hatte es wohl gepackt. Er machte sich kurzerhand über den Wasserfall und begann auf der anderen Seite nach Pflanzen zu suchen.
Genlisea filiformis
Als er zurückkam erzählt er, dass er dort eine Genlisea und ein paar Drosera communis gesehen hat. Bei der Genlisea handelte es sich um Genlisea filiformis. Gegen 12 Uhr erreichten wir den dritten Wasserfall, den sogenannten Cachoeira da Prainha. Auch er war wieder kein sonderlich hoher Wasserfall, dafür war er aber recht breit. Hier konnte man sich auch wieder problemlos aufhalten und etwas Pause machen, was wir auch ausnutzen.

Nur wenige Meter von dieser Stelle entfernt lag der vierte Wasserfall des Tages. Er nannte sich Cachoeira do Pulo. Hier standen wir praktisch über dem Wasserfall und konnten nach unten in den Pool sehen. Der Flusslauf war landschaftlich recht schön. Dort konnten wir auch wieder einige Karnivoren finden.

Zuerst fielen uns einige Utricularia nana auf. Diese Art war uns mittlerweile bekannt, da wir sie bereits ausgiebig in Minas Gerais und am morgen zu Beginn der Wanderung ansehen konnten. Daneben fanden sich an dieser Stelle auch noch einige Utricularia neottioides. Letztere wuchsen wieder, wie für diese Art typisch, in fließendem Wasser auf annähernd nacktem Stein. Auch hier konnten wir wieder einige Genlisea filiformis finden.

Nachdem wir noch einen weiteren Wasserfall angeschaut hatten (den Cachoeira 7 de Setembro) wollte DJ uns zum Abschluss noch eine Höhle zeigen.
Cachoeira 7 de Setembro
Offensichtlich wusste er aber auch selbst gar nicht so ganz genau, wo sie ist. Wir hatten uns etwas verlaufen. Schließlich konnte DJ den Weg aber doch finden.

Kurz vor der Höhle fielen mir noch ein paar Drosera auf. Es handelte sich dabei um rosettenbildende, mehr oder weniger kleine Pflanzen. Diese Pflanzen konnten wir leider keiner Art zuordnen. Evtl. handelt es sich um eine verwante von Drosera cayennensis oder Drosera hirtella var. lutescens. An einer nassen Stelle fanden wir zum Schluss nochmal einige Utricularia neottioides.

Die Höhle nannte sich Casa de Pedra und war angenehm kühl. Leider war sie – wie es Höhlen so an sich haben – recht dunkel, so dass das Fotografieren schwer fiel. Neben uns war noch eine andere Gruppe dort. Die Höhle war nicht sonderlich groß, so dass wir schnell alles erkundet hatten.


Drosera sp. und Casa de Pedra

Nach unserer Rückkehr zum Hotel setzten, bzw. legten wir uns in die Hängematten vor unseren Zimmern und tranken etwas. Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass der Besitzer unserer Unterkunft an diesem Tag Geburtstag hatte. Als er uns vor den Hütten sitzen sah kam er zu uns und bat uns an dem Abend auch an der Feier teilzunehmen, falls das für uns ok sei. Natürlich war das für uns kein Problem.

Wir nahmen also unsere Getränke und setzten uns an die Feuerstelle. Wir waren gespannt, was der Abend denn so bringen würde. Langsam trudelten die ersten Gäste ein. Zu essen gab es dann allerlei Fleisch, das auf dem Grill zubereitet wurde. Anders als bei uns bekommt man allerdings keine großen Stücke. Alles wird fein säuberlich in kleine Brocken geschnitten und auf ein Tablett gelegt. Dort kann man sich dann bedienen. Das geht über mehrere Stunden so. Dazu gab es reichlich Bier und auch einige Caipirinha. Ein weiterer sehr gelungener Abend, den wir alle sicher so schnell nicht vergessen werden.

Tag 16: Fahrt ins Pantanal

25.07.2015

Nun stand unsere letzte Etappe dieser Reise auf dem Plan. An diesem Morgen fuhren wir weiter ins Pantanal an. Nachdem wir alle unsere Koffer gepackt hatten packten wir alles in unser Auto und machten uns gegen 9 Uhr auf den Weg.
Nebel in der Chapada dos Guimarães
Die Fahrt sollte einige Zeit dauern. Es war ein extrem nebliger morgen, die Sicht betrug streckenweise nur wenige Meter. Der Weg führte uns ein kleines Stück durch Cuiabá. Dort konnten wir während der Fahrt noch kurz das Stadion sehen, in dem 2014 einige Spiele der Fußballweltmeisterschaft stattfanden.

Gegen 12.45 Uhr fuhren wir von Poconé auf die Transpantaneira ein. Entlang dieser Straße sollten wir uns in den nächsten Tagen bewegen. Noch bevor wir allerdings das offizielle Eingangstor zur Transpantaneira überfahren hatten hielten wir bereits das erste Mal an, da wir einige Nandus am Straßenrand erblick hatten. Die Vögel waren leider etwas entfernt von uns, aber dennoch war es interessant, sie zu sehen.

Von nun an kamen wir noch langsam voran. Immer wieder blieben wir stehen, da wir interessante Tiere entdeckten.
Nandu - Rhea americana
Unsere Unterkunft lag zwar etwa bei Kilometer 40 auf der Transpantaneira, aber aufgrund diverser Vögel und Kaimane dauerte es noch etwas, bis wir dort waren.

Unsere Unterkunft, die Estancia Victoria, liegt etwa 600m abseits der Transpantaneira. Dort sollten wir die nächsten Tage verbringen. Als wir dort ankamen wurden wir von Sao Joao empfangen. Joao war eigentlich Südbrasilianer und kommt ursprünglich aus der Gegend, in der bis heute noch recht verbreitet deutsch gesprochen wird. Daher konnte er sehr gut deutsch sprechen, was die Kommunikation mit ihm deutlich erleichterte. Er wies uns unsere Zimmer zu. Wir hatten die Zimmer Ara, Wolf und Hase. Wir gingen zuerst auf unsere Zimmer und ruhten uns etwas aus.

Gegen 16.15 Uhr trafen wir uns alle vor der Estancia. DJ hatte einen Safari-Wagen organisiert, mit dem wir etwas auf der Transpantaneira herumfahren durften. Außerdem hatte er noch einen zweiten Guide organisiert. Dieser sollte bei uns auf der Sitzfläche bleiben und Ausschau halten, während DJ in der Fahrerkabine saß und das Auto fuhr.
Fischbussard - Busarellus nigricollis
Durch Klopfen auf das Dach signalisierte er DJ jeweils, dass er anhalten sollte. Dieses Gefährt war offensichtlich nicht mehr so ganz neu. Jedenfalls war jeder Stopp mit der Hoffnung verbunden, dass das Auto danach auch wieder anspringen würde. Zum Glück ist alles gut gegangen.

Immer, wenn es etwas Interessantes zu sehen gab hielten wir kurz an. Das war sehr oft der Fall. Für Vogelfreunde muss die Transpantaneira ein El Dorado sein, überall gab es Vögel zu entdecken. Das Spektrum reichte von kleinen finkenähnlichen Tieren über Greifvögel, Reiher, Kranichen, Eisvögel bis hin zu Papageien. Daneben konnten wir noch viele Kaimane beobachten. In dieser Gegend sind Kaimane keine Seltenheit und nicht schwer zu sehen. Praktisch jedes Wasserloch beherbergt mindestens eines dieser Tiere. Zahlenmäßig sind sie den Menschen weit überlegen. Allerdings stellten sie keine Gefahr für uns da.


Sumpfhirsch, Fischbussard und Capybara

Ein besonderes Highlight war es allerdings dann, als wir unseren ersten Hyazinthara zu Gesicht bekamen. Dieses Tier wollten wir alle sehen! Leider hatten sie ihr Nest auf Privatgelände, so dass DJ erstmal skeptisch war, ob wir dorthin gehen durften.
Hyazinthara - Anodorhynchus hyacinthinus
Daher fragte er zuerst den Besitzer, der uns dann die Erlaubnis dazu gab.

Wir fuhren immer noch auf der Transpantaneira Richtung Süden und schauten uns um. An einer Stelle saßen Greifvögel auf der Straße und fraßen ihre Beute. Sie machten uns erst Platz, als wir sehr nahe an sie herangefahren sind. An einer anderen Stelle konnten wir noch ein paar kleine grüne Papageien beobachten.

Als Plötzlich eine kleine Gruppe Wasserschweine die Straße kreuzte mussten wir stehen bleiben. Da dies unsere erste Begegnung mit diesen Tieren war waren wir darum nicht böse. In alle Ruhe überquerten sie die Straße und ließen sich durch nichts stören.

Langsam wurde es immer dunkler. Da wir ein offenes Auto hatten bedeutete jedes vorbeifahrende Auto eine Staubwolke, die wir voll abbekommen.
Hyazinthara - Anodorhynchus hyacinthinus
Zudem wurde es deutlich kühler. Das untergehende Sonnenlicht sorgte für eine sehr schöne Stimmung. Mittlerweile konnte man hier und da auch sehen, dass etwas Nebel aufzog. Da es langsam doch recht dunkel war entschlossen wir uns dazu,zurückzufahren.

In weiser Voraussicht hatte DJ eine Lampe eingepackt. So konnten wir auch im Dunkeln noch weiter nach Tieren schauen. Da einige der Tiere dort nachtaktiv sind hatten wir die Hoffnung das ein oder andere noch zu sehen. Natürlich wurde es mit dem Fotografieren schwer, aber auch ohne Bilder war es ein bleibendes Erlebnis.

Tatsächlich entdeckten wir noch weitere Tiere. Ein Highlight war sicher der Tapir, der sich aber leider nur kurz zeigte. Auch ein kleiner Ameisenbär lief uns noch über den Weg. Offenbar wurde er von einem Fuchs verfolgt, der ihn gerne als Abendessen gehabt hätte. Pünktlich zum Abendessen waren wir zurück in unserer Unterkunft, wo wir den Abend verbrachten.


Schopfkarakara, Waldstorch und Rotbrustfischer

Tag 17: Piranha angeln und Reiten

26.07.2015

Wenn man an Fische im Amazonas denkt, so fällt einem meistens zuerst der berüchtigte Piranha ein.
Mantelkardinal - Paroaria capitata
Tatsächlich kommen diese Fische allerdings nicht nur im Amazonas vor, sondern sind in Südamerika recht weit verbreitet, so auch im Pantanal. An diesem Tag wollten wir unser Glück versuchen, einige dieser Tiere zu angeln.

Nach dem Frühstück trafen wir uns vor der Estancia. DJ stellte uns Antonio vor, der mit uns kommen sollte, um uns etwas zu helfen. Für die Fahrt zum Fluss hatte DJ sich den alten weißen VW Bulli reserviert, den die Estancia für so etwas bereithält.

Die Stelle, an der wir Angeln gingen war nicht sonderlich weit von der Estancia entfernt. Allerdings sind die Zufahrtswege etwas holprig, so dass man doch einige Zeit unterwegs ist. Unterwegs entdeckten wir noch einen kleinen Ameisenbär, der uns zu einem kurzen Stopp verleitete.

Schließlich kamen wir am Rio Claro, oder einem kleinen Seitenarm davon an. Dort waren zwei kleine Boote für jeweils drei Personen und Steuermann bereitgestellt, auf die wir uns nun aufteilten.

Die Angeln bestanden lediglich aus einem Bambusstock mit einer Schnur und einem Haken dran.
unsere Boote
Damit sollten wir also Piranhas angeln gehen! Als Köder hatten wir etwas Hühnerfleisch mitgenommen. Wir wurden angewiesen, die Angeln einfach mit etwas Köder zu bestücken, ins Wasser zu hängen und mit der Rute etwas auf die Wasseroberfläche zu schlagen, da Piranhas wohl etwas auf diese Art von Krach reagieren sollten.

Tatsächlich war es so, dass wir ständig Bisse an unseren Angeln feststellen konnten. Offensichtlich schien den Fischen der Köder gut zu gefallen. Allerdings schienen sie ihn anfangs eher einfach abzufressen, anstatt am Haken zu beißen. Daher dauerte es einige Zeit, bis wir den ersten Fisch tatsächlich an Land zogen. Wie wir feststellten bissen die Fische am besten in recht flachem Wasser, in Nähe von Wasserpflanzen. Diese Stellen fuhren wir nun verstärkt an. Sie hatten auch den großen Vorteil, dass sie oftmals im Schatten lagen. Das war bei der Hitze an diesem Tag nicht ganz verkehrt.

Neben dem Angeln lohnt es sich durchaus auch auf andere Tiere zu achten. In den Bäumen kann man jede Menge Kormorane beobachten. Hin und wieder sitzen auch Fischbussarde in den Ästen und warten darauf, dass sich eine Gelegenheit ergibt im Wasser auf Jagd zu gehen.

Antonio wollte uns nun noch zeigen, wie man einen der Bussarde anlockt und dazu bringt, im Sturzflug auf das Wasser zuzufliegen. Er nahm dazu einen der Piranhas, steckte ein Stock hinein und band ein Blatt darum. Das ganze warf er nun für einen der Bussarde sichtbar ins Wasser. Dadurch wurde das Tier animiert, sich das Tier von der Wasseroberfläche zu holen. Der Bussard startete nun im Sturzflug, flog auf die Wasseroberfläche zu und griff nach dem Tier. Es ging alles recht schnell, so dass es schwer war, davon Bilder zu machen.


ein Teil des Fangs

Wir kamen pünktlich zum Mittagessen in der Estancia an. DJ gab den Fang ab und bat darum, uns daraus eine Suppe zu kochen, die wir abends serviert bekommen sollten. Für den Nachmittag stand eine kleine Reittour an.

Wir hatten alle etwas bedenken, da von uns bis zu diesem Zeitpunkt niemand jemals auf einem Pferd gesessen hat. Aber bereits Carlos hatte uns in Minas Gerais versichert, dass die Tiere bestimmt an absolute Anfänger gewöhnt sind und sie vermutlich ihren Weg machen, egal was wir mit ihnen anstellen würden.

Da es ein sehr warmer Tag war sollte es erst gegen etwa 16 Uhr losgehen, da es ansonsten für die Tiere und uns zu heiß war. Daher hatten wir nach dem Mittagessen etwas Zeit, um uns von den Strapazen des Morgens auszuruhen. Um 16 Uhr trafen wir uns dann alle vor der Estancia wieder.

DJ führte uns nun zu den Pferden. Antonio war bereits dort und hatte die Pferde bereits gesattelt. Er sollte uns auch bei dieser Aktion begleiten. Da wir alle Anfänger waren hatten wir keinerlei Ahnung, was uns erwarten würde und wie wir überhaupt auf das Pferd aufsteigen sollten.
die Einstiegshilfe
Zu unserer Erleichterung gab es so etwas wie eine Aufstiegshilfe. Im Prinzip waren es lediglich zwei kleine Treppen, die links und rechts standen. In der Mitte wurde das Pferd gestellt, man selbst konnte dann über die Treppen aufsteigen und kam so relativ problemlos auf das Pferd. Wir erhielten zuvor noch eine kurze Einweisung darüber, wie wir die Pferde steuern können.

Nachdem wir alle auf unseren Pferden saßen ging es auch schon los. In atemberaubender Geschwindigkeit setzten wir uns in Bewegung. Antonio ritt voran, DJ sorgte als letzter dafür, dass auch niemand verloren ging. Nach kurzer Zeit auf dem Pferd haben wir uns recht sicher gefühlt und die Angst davor runterzufallen war weg.

Der Ausflug dauerte etwa 90 Minuten. Die Geschwindigkeit der Pferde konnte keiner von uns wirklich gut beeinflussen. Das Tempo hielt sich dennoch die ganze Zeit sehr in Grenzen. Trotzdem wirbelten die Tiere auf dem sandigen Weg deutlich etwas Staub auf. Gegen Ende des Ausritts wurde es langsam dunkel, wir ritten der untergehenden Sonne entgegen. Als die Tiere bemerkten, dass sie wieder in Nähe ihres Stalls kamen wurden sie für einen kurzen Moment schneller. Damit war unsere erste Reiterfahrung auch beendet.

Bereits am Vortag hatten wir für den kommenden Tag eine Jaguartour gebucht. Diese sollte um 5 Uhr morgens losgehen. Daher wurde der Abend nicht sonderlich spät. Leider wurde uns keine Piranha-Suppe serviert. Auf Nachfrage bekamen wir gesagt, dass die Köche Piranhas nicht zubereiten würden. An diesem Abend gab es in der Estancia Livemusik. Zwei Männer sangen mit einer Gitarre und einem Rhythmusinstrument etwa zwei Stunden lang brasilianische Lieder.

Tag 18: Jaguar-Safari

27.07.2015

Nach einer recht kurzen Nacht trafen wir uns gegen 04.30 im Speisesaal der Estancia. Dort war etwas Kaffee für uns bereitgestellt, ein richtiges Frühstück gab es um diese Uhrzeit noch nicht.
eine der vielen Holzbrücken auf der Transpantaneira
Joao war auch bereits wach und gab uns letzte Anweisungen.

Gegen 5 Uhr fuhren wir los. Die Suche nach den Jaguaren startete von Porto Joffre aus. Wir mussten also zuerst die komplette Transpantaneira runterfahren. Dies bedeutete, dass wir etwa 120 Kilometer Schotterpiste mit zum Teil nicht sehr gut instandgehaltenen Holzbrücken durchfahren mussten. Die Estancia hatte uns für diesen Tag eine große Lunchbox mit etwas zu Essen und zu trinken bereitgestellt.

Zu Beginn der Fahrt war es noch dunkel. Wir konnten den Sonnenaufgang daher aus dem Auto beobachten. Die Fahrt verlief im Großen und Ganzen problemlos. An manchen der Brücken konnte man rechts vorbeifahren, so dass man nicht darüber fahren musste. Unser Fahrer nahm diese Möglichkeit hin und wieder an. Zur Regenzeit ist diese Umleitung allerdings wohl überflutet und man muss dann über die Brücken fahren.

Gegen 07.45 Uhr machten wir eine kurze Rast um zu Frühstücken. Wir waren noch etwa eine Stunde von unserem Ziel entfernt. An der Stelle stand ein kleines verlassenes Haus. Ein paar Bäume spendeten etwas Schatten. Wir packten unsere Lunchbox aus, aßen eine Kleinigkeit und tranken etwas Kaffee.

Die Straße wurde hin und wieder von Tieren blockiert. Cabybaras, Vögel und weitere Tiere zwangen uns zu kurzen Stopps oder zum langsamen Fahren.
Rallenkranich - Aramus guarauna
Wir fuhren nicht direkt nach Porto Joffre, sondern fuhren geradeaus weiter in Richtung des Pantanal Jaguar Camps. In den Bäumen tummelten sich ein paar Affen, daher machten wir kurz vorher noch einen kurzen Halt. Gegen 08.45 Uhr kamen wir dort an. Im Camp mussten wir uns anmelden und bekamen unser Boot und Fahrer zugewiesen. Dort war auch die letzte Möglichkeit nochmal auf Toilette zu gehen, die nächsten 8-9 Stunden sollten wir dann auf dem Wasser unterwegs sein.

Pünktlich gegen 9 Uhr ging die Bootsfahrt los. Wir hatten ein recht gemütliches Boot erhalten. Jeder hatte seinen eigenen Sitz. Neben uns waren noch mehrere Boote auf Jaguarjagd. Die Boote waren untereinander mit Funk verbunden, so dass sie sich abstimmen konnten, falls ein Boot einen Jaguar gesehen hat.

Es dauerte auch gar nicht lange, bis wir von einem anderen Boot einen entsprechenden Hinweis erhielten. Unser Bootsfahrer bat uns darum, sich hinzusetzen, da er jetzt etwas Gas geben müsse. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten ist, dass unser Boot eine Geschwindigkeit von bis zu 60KM/h aufnehmen konnte. Unser Bootsführer nutzte das voll aus und fuhr uns schnell zu der Stelle, die er beschrieben bekommen hatte.

Wir hatten Glück! Als wir ankamen war der Jaguar noch an dieser Stelle. Er lag verschlafen im Gebüsch und schien sich nicht sonderlich an den ganzen Booten zu stören.
Jaguar - Panthera onca
Leider waren wir relativ weit weg, so dass wir ihn nicht sonderlich gut beobachten konnten. Nach einiger Zeit ist das Tier aufgestanden und verschwand im Gebüsch. Wir blieben noch einige Zeit in der Hoffnung, dass er wieder auftauchte, wurden aber leider enttäuscht.

Wir fuhren nun langsam weiter und suchten das Ufer ab. Selbst, wenn man keinen Jaguar sieht gibt es an diesem Fluss allerhand zu sehen. An den Ufern und im Fluss selbst kann man viele Tiere beobachten, die Flusslandschaft selbst ist auch sehenswert. Kaimane und Cabybaras bekommt man sehr häufig zu sehen. Daneben gibt praktisch überall Vögel zu beobachten, so dass uns nicht langweilig wurde.

Plötzlich sahen wir am Ufer wieder einen Jaguar! Wir befanden uns in einem Seitenarm. Die Stelle, an der wir diesen Jaguar gesehen haben war in etwa dieselbe Stelle wie wenig zuvor, allerdings waren wir nur auf der anderen Seite. Evtl. handelte es sich wieder um dasselbe Tier, das wir zuvor bereits gesehen hatten. Das Tier lag auch dieses Mal friedlich im Schatten. Neben diesem Tier lenkte ein sich sonnender Kaiman seine Aufmerksamkeit auf uns. Das Tier lang seelenruhig mit geöffnetem Maul am Flussufer.

Der Jaguar stand irgendwann auf und lief am Flussufer entlang. Wir versuchten ihn etwas zu folgen. Offensichtlich ging dieses Tier jetzt auf Jagd. Er lief immer entlang des Ufers und schaute sich um. Die anderen Boote waren mittlerweile auch bereits vor Ort. Die vielen Boote machte uns die Beobachtung nicht sonderlich leicht. Sicherlich störten wir das Tier auch etwas bei seinem Vorhaben.


Cocoireiher, Jaguar und Rotbrustfischer

Wir folgten dem Tier eine ganze Weile und konnten ihn gut beobachten. Hier und da schaute er sich am Ufer um und suchte offensichtlich nach Nahrung. Wir hofften, dass wir live miterleben konnten wir er ein Tier fängt. Leider sollte uns das nicht gegönnt werden, er blieb erfolglos. Lediglich einmal konnten wir sehen, wie er versuchte einen Kaiman zu fangen. Er sprang mit einem großen Satz ins Wasser, konnte sein Opfer aber leider nicht fangen. Nachdem wir das Tier etwa 90 Minuten lang beobachtet hatten fuhren wir weiter.

In den nächsten Stunden sollten wir keine weiteren Jaguare mehr sehen. Dafür konnten wir ganze Familien von Cabybaras und Kaimanen, sowie sehr viele interessante Vögel beobachten.
Capybara und Brillenkaiman - Hydrochoerus hydrochaeris
Teilweise lagen sogar Kaimane und Cabybaras Seite an Seite in der Sonne und ruhten sich aus. Sie schienen sich nicht aneinander zu stören.

Gegen 13 Uhr machten wir Mittagspause. Wir suchten uns dafür eine Stelle am Flussufer im Schatten aus. Auf dem Weg dorthin konnten wir noch eine Schlange beobachten, die im Wasser Richtung Ufer schwamm. Zum Mittagessen gab es die von der Estancia vorbereiteten Sachen. Dies waren ein paar Brote mit Käse und Schinken sowie ein paar Bananen. Als Getränk hatten wir einige Büchsen Cola und Guarana sowie ein paar Flaschen Wasser mitbekommen. Nach dem Mittagessen machten wir uns weiter auf die Suche.

Gegen 14 Uhr hatten wir nochmal Glück und konnten einen weiteren Jaguar finden! Wieder lief das Tier am Ufer entlang und schien auf der Jagd zu sein. Zu unserem Glück waren wir nun alleine, kein anderes Boot war in der Nähe. Sicher war das Tier dadurch nicht so stark gestört wie am Morgen.
Jaguar - Panthera onca
Der Jaguar traute sich sogar direkt vor unserem Boot ins Wasser zu gehen und den Fluss zu überqueren.

Abgesehen hatte er es auf Kaimane und Cabybaras. Jedenfalls nahm er mehrfach Anlauf auf eines dieser Tiere, aber jedes Mal waren sie schneller. Er folgte einer Gruppe von Cabybaras von Ufer zu Ufer. Es gelang ihm aber nicht eines der Tiere zu fangen. Geduldig folgten wir ihm. Er war sehr geduldig und schlich eine ganze Zeit lang am Ufer entlang, so dass wir sie gut beobachten konnten. Hin und wieder tauchte das Tier im Gebüsch ab, kam aber immer wieder zum Ufer zurück, so dass wir ihn immer wieder weiterverfolgen konnten.

Unser Bootsführer hatte die anderen Boote schließlich doch informiert, so dass sie irgendwann dann auch dort waren. Zum Glück schienen sie alle sehr weit weg gewesen zu sein, so dass wir mit dem Jaguar etwa 60 Minuten zuvor alleine sein konnten. Nachdem die anderen Boote die Stelle erreicht hatte fühlte sich das Tier vom dem Trubel deutlich gestört. Die Cabybaras waren nun von ihr durch die Boote getrennt. Da sie sich nicht mehr traute ins Wasser zu gehen waren sie dort nun sicher. Der Jaguar stellte nun die Jagd ein.


Cabybaras

Da es mittlerweile Spätnachmittag war machten wir uns so langsam auf den Weg zurück. Wir waren doch ein gutes Stück auf dem Fluss unterwegs gewesen und hatten daher noch etwas Weg zurückzulegen.
Schopfkarakara - Caracara plancus
Unser Bootsführer gab Vollgas und wir fuhren los.

Am Anlegepunkt wurden wir bereits von unserem Fahrer erwartet. Offensichtlich hatte er sich die Zeit mit Angeln vertrieben. Wir liefen nun zum Pantanal Jaguar Camp. Dort tranken wir noch ein Bier. Die Heimfahrt verlief ohne Probleme, gegen 20.30 waren wir zurück.

Als wir ankamen gab es noch etwas zu Essen für uns. Joao fragte uns, ob wir denn einen Jaguar gesehen hätten. Wir erzählten ihn von unserem Tag und er erläuterte uns, dass wir wohl richtig viel Glück gehabt haben müssen. Die Gruppe am Vortag habe wohl nur etwa für 10 Minuten ein Tier gesehen. Da wir alle sehr müde waren ging dieser Abend nicht sonderlich spät zu Ende.

Tag 19: Piranhas, Transpantaneira und Utricularia poconensis

28.07.2015

Nun war unser letzter Tag gekommen. Wir wollten gerne noch einmal Piranha angeln gehen. Dies war für den Vormittag vorgesehen.
Safranammer - Sicalis flaveola
Am Nachmittag wollten wir versuchen, Utricularia poconensis zu finden und zum Anschluss noch einmal etwas entlang der Transpantaneira fahren.

Mit dem VW-Bulli ging es wieder Richtung Fluss, wo wir zwei Tage zuvor bereits angeln waren. DJ packte noch einen etwa 3-4 Meter langen Stock ein, den er als Hilfe zum Rudern verwenden wollte. Leider hatten wir für diesen Tag nur vier Angeln, anstatt der sechs, die wir beim ersten Mal hatten. Auch sollten wir dieses Mal nur ein Boot haben, indem wir alle sitzen würden.

Als wir an der Stelle ankamen suchte DJ nach unserem Boot. Er konnte kein Boot finden, dass auf die Beschreibung, die er bekommen hatte passte. Es lag lediglich ein älteres, weißes Boot dort. Daraufhin fuhren wir kurz an eine andere Stelle, um nachzuschauen ob unser Boot vielleicht dort liegt. Da war es aber auch nicht. Es musste sich also um das weiße Boot handeln, das wir an der anderen Stelle gesehen hatten. Daher nahmen wir dieses Boot.

Das Boot war bei deutlich wackeliger, als das von vor zwei Tagen. Auch war es nicht sonderlich bequem und innen auch bereits etwas nass. Wir fuhren etwas hinaus auf den Fluss und suchten eine Stelle in der Nähe von Wasserpflanzen, wo wir unsere Angeln auswarfen.

Es dauerte auch dieses Mal nicht lange, bis die Fische bissen. Schnell hatten wir die ersten Fische aus dem Wasser gezogen. Wir hätten auch gerne noch einmal einen Fischbussard gesehen, wir er im Flug einen Fisch von der Wasserfläche greift. So sehr wir aber auch suchten, wir fanden keinen dieser Vögel. Es schienen insgesamt auch deutlich weniger Vögel und andere Tiere am Flussufer unterwegs zu sein als zwei Tage zuvor. Lediglich ein paar Kormorane konnten wir finden. Wir versuchten bei ihnen den Trick mit dem aufgespießten Fisch. Leider funktionierte das nicht.

Nach dem Mittagessen verabredeten wir uns für etwa 15.30 Uhr um auf die Suche nach Utricularia poconensis zu gehen.
Utricularia poconensis
Wenig später hatten wir die Pflanzen tatsächlich gefunden. Es war zwar nicht exakt die Stelle, die uns beschrieben wurde. Es handelte sich um einen kleinen Tümpel, der mit schilfähnlichen Pflanzen durchsetzt war. Da Utricularia poconensis etwas ungewöhnlich (zumindest für uns) für eine Utricularia aussieht hatten wir sie zuerst übersehen. Sie standen in voller Blüte, wir hatten also noch mehr Glück. Wir schauten uns die Pflanze recht genau an und machten einige Fotos davon.

Nachdem wir uns die Pflanzen einige Zeit lang angesehen hatten verließen wir das Gelände wieder. Für den Rest des Tages wollten wir uns noch etwas auf der Transpantaneira umsehen und gerne auch nochmal zu den Hyazintharas fahren. Da es bereits recht spät war fuhren wir direkt zu der Stelle, an der wir ein paar Tage zuvor die Hyazintharas gesehen hatten.

Die Vögel waren wieder an dieser Stelle. Offensichtlich hatten sie in einem der Bäume ihr Nest gebaut. Es war auch jetzt wieder ein Erlebnis, diese tollen Vögel sehen zu können. Wenig später gesellte sich noch eine andere Gruppe Touristen zu uns. Offensichtlich wollten sie einfach nur schauen, was wir dort taten. Diese Gruppe war mit dem Safari-Wagen unterwegs, den wir Tage zuvor auch hatten. Als es dunkel wurde fuhren wir wieder zurück.


Hyazintharas an der Transpantaneira

Auf dem Zufahrtsweg zur Estancia wurde uns gesagt, dass vor kurzem ein Ameisenbär mit einem Jungtier gesichtet wurde und er noch in der Nähe sein müsse. Wir machten uns daher per Fuß auf die letzten Meter.
Sonnenuntergang im Pantanal
Leider konnten wir, trotz intensiver Suche, das Tier nicht finden. Auch die anderen Leute an der Estancia waren erfolglos.

An diesem Abend gab es auch wieder Livemusik und Churasco. Wir hatten die mittags gefangenen Fische in der Küche abgeben, in der Hoffnung, sie zu serviert zu bekommen. Leider kamen sie auch dieses Mal nicht.

Der Abend ging feucht fröhlich und viel zu spät zu Ende. Am nächsten Morgen stand unser Rückflug an. Es war bereits nach Mitternacht und wir mussten zum Teil noch unsere Koffer packen. Da wir bereits kurz nach Sonnenaufgang wieder aufstehen mussten verblieben uns nur ein paar wenige Stunden schlaf.

Tag 20: Rückflug

29.07.2015

Der Tag begann viel zu früh. Wir wurden mit dem Auto von der Estancia zum Flughafen in Cuiabá gefahren. DJ half uns noch beim Einchecken, bevor wir uns von ihm verabschiedeten. Vor uns lag nun eine knapp 30 stündige Heimreise. Es ging von Cuiabá über Sao Paulo nach Rio de Janeiro und von dort aus zurück nach Frankfurt. Die Flüge verliefen problemlos und waren alle pünktlich.

In Sao Paulo hatten wir einen längeren Aufenthalt. Die meiste Zeit saßen wir einfach ab. Auf dem Flug vom Rio de Janeiro nach Frankfurt hatten wir etwas Glück. Wir bekamen Reihe 27 zugewiesen. Diese Reihe befand sich direkt hinter der Business-Class. Dadurch hatten wir eine sehr große Beinfreiheit. Wir mussten sogar aufstehen, wenn wir an unsere Sachen unter dem Sitz vor uns gelangen wollten. Außerdem war es möglich auf Toilette zu gehen, ohne einen der anderen zu stören. Wir kamen pünktlich in Frankfurt an und jeder machte sich kurze Zeit später auf die Heimreise. Damit wir unser Abenteuer Brasilien beendet. Sicher wird es nicht die letzte Reise in dieses interessante Land gewesen sein.