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© Christian Dietz
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Tag 6 - Süd-Virginia

26.05.2010

Für diesen Tag hatte Phil vor uns weitere Preserves im Süden Virginias zu zeigen. Unser erstes Ziel war das Piney Grove Preserve. Wir brachen am frühen Morgen auf. Bereits auf der Fahrt dorthin sollten wir allerdings stoppen. Phil hatte aus dem Auto heraus ein kleines Gewässer entdeckt, in dem einige Lilien blühten.
Lilien im Straßengraben
as wollte er sich kurz anschauen, in der Hoffnung dort vielleicht einen bisher unbekannten Sarracenia-Standort zu finden. Leider sollte sich die Hoffnung nicht erfüllen. Außer einigen für solche Stellen typischen Pflanzen konnten wir nichts entdecken.

Das Piney Grove Preserve wird von der Nature Conservancy gemanagt. Auch hier wird versucht die ursprüngliche Kiefer-Savannen-Landschaft wieder herzustellen. Allerdings stehen hier keine Karnivoren im Vordergrund. In diesem Preserve existiert eine der letzten brütenden Population des „Red-cockaded Woodpeckers“ (Picoides borealis). Dieser Specht ist sehr stark an dieses Ökosystem angepasst. Er nistet ausschließlich in lebenden Sumpfkiefern, die von einem bestimmten Pilz (Phellinus pini, Kiefern-Feuerschwamm) befallen sind. Dieser Pilz weicht das Holz soweit auf, dass der Vogel dort ein Nest reinhauen kann. Mit Verschwinden der Kiefernwälder gingen auch die Bestände dieses Vogels zurück. Diese Art steht nun schon seit 1970 auf der roten Liste.

Zufällig trafen wir Bobby Clontz, den Manager dieses Preserves. Phil kannte ihn und stellte uns kurz gegenseitig vor.
Kiefernwald im Piney Grove Preserve
Dabei erwähnte Phil auch kurz, dass wir uns für Karnivoren interessieren. Bobby wollte uns daraufhin eine Stelle zeigen, an der es Drosera brevifolia geben sollte. Als wir dort ankamen konnten wir allerdings auf den ersten Blick nichts sehen. Wir suchten nun etwas genauer. Schließlich fanden wir hier und da winzige, aber bereits blühfähige, Pflanzen. Diese Drosera waren wirklich extrem klein. Die meisten australischen Zwergdrosera dürften wohl größer sein. Danach brachen wir zu unserem nächsten Ziel auf. Leider konnten wir keinen der Spechte entdecken.

Als nächstes stand ein Treffen mit einem Landbesitzer in der Nähe von Wakefield an. Auf dessen Grundstück gibt es noch einige natürlich vorkommende Sarracenia purpurea. Phil wollte mit ihm über Möglichkeiten sprechen, den Standort zu erhalten.

Zuvor fuhren wir aber noch kurz nach Wakefield, um dort im Virginia Diner zu Mittag zu essen. Dieses Restaurant bietet vor allem Gerichte an, in denen direkt oder indirekt Erdnüsse verarbeitet werden. In dieser Gegend werden seit jeher Erdnüsse verarbeitet. Dieses Restaurant hatte sich daher voll und ganz dieser Tradition gewidmet. In einem angrenzenden Shop kann man auch gleich alles kaufen, das im Zusammenhang mit Erdnüssen steht. Zur Dekoration sind dort alte Erdnussröster ausgestellt.

Nach dem Mittagessen fuhren wir zum ausgemachten Treffpunkt. Da die beiden keine exakte Zeit ausgemacht hatten waren wir etwas zu früh. Daher begaben wir uns bereits alleine auf die Suche nach den Pflanzen. Phil hatte diesen Standort 1989 entdeckt, war aber nun schon sehr lange selbst nicht mehr dort gewesen. Damals hatte er etwa 40 Pflanzen entdeckt, bereits 2005 waren es nur noch 16 Pflanzen. Dies ist ein typischer Verlauf von Sarracenia-Standorten in Virginia (Sheridan, pers.comm). Es ist also zu befürchten, dass der Standort bald nicht mehr existieren wird.


Sarracenia purpurea bei Wakefield

Am Waldrand begannen wir mit der Suche. Einige Zeit später hatten wir zwei Pflanzen gefunden. Die beiden Pflanzen sahen alles andere als gut aus. Sie hatten verkümmerte Blütenansätze und sahen insgesamt mitgenommen aus. Phil vermutete, dass Herbizide, die auf angrenzenden Flächen angewandt wurden, die Pflanzen geschädigt hätten.

Leider ist der Einsatz von Herbiziden in den USA weit verbreitet. Es ist einfach billiger zu sprühen, als Flächen mit Maschinen zu räumen.
nasses Waldstück
Leider betrifft das oftmals Stellen, an denen sich Sarracenia wohl fühlen. Das schadet den Pflanzen enorm, bei wiederholter Anwendung führt es ganz sicher zum Tod der Pflanze.

Die Feuchtigkeit dieses Standortes wurde durch ein überflutetes Waldstück gewährleistet. Dort vermutete Phil weitere Pflanzen. Ich hatte leider keine Gummistiefel dabei, daher überließ ich Carsten und Phil die Suche nach den Pflanzen. Tatsächlich wurden sie dort fündig. Vier weitere Pflanzen konnten die beiden entdecken. Wir hatten also insgesamt sechs Pflanzen gefunden, leider deutlich weniger als Phil 2005 noch finden konnte.

Der Landbesitzer traf kurze Zeit später ein. Phil unterhielt sich mit ihm noch eine ganze Zeit lang, bevor wir dann wieder aufbrachen.

Ein letztes Preserve wollte Phil uns an diesem Tag noch zeigen. Es lag im Isle of Wright County. Dort sollte es in einem Wald noch einige Sarracenia purpurea geben. Während der Fahrt dorthin machte Phil plötzlich eine Vollbremsung mitten auf der Straße. Wir waren etwas verwundert und fragten ihn, was er denn gesehen habe. Er zeigte auf eine kleine orangeblühende Pflanze (Polygala lutea). Diese Pflanze sei ein sehr guter Indikator für mögliche Sarracenia-Standorte.

Lachnocaulon anceps
Wenige Zeit später konnten wir Phils Freudenschreie hören. Wir dachten, er hätte dort tatsächlich ein paar Sarracenia gefunden. Allerdings war dies nicht der Fall. Was er entdeckt hatte war eine kleine, weißblühende Pflanze (Lachnocaulon anceps). Er erklärte uns, dass wir gerade eine sehr wichtige Entdeckung gemacht hätten. Die Pflanze ist sehr selten und nur noch von sehr wenigen Standorten bekannt. Dieser Fund hatte für ihn eine ähnliche hohe Bedeutung wie das Entdecken eines neuen Sarracenia-Standortes.

Die Stimmung trübte sich nur etwas durch die direkt daneben stehenden Verkaufsschilder für diese Fläche. Die Pflanzen wuchsen offensichtlich direkt auf Bauland.

Die Suche nach Sarracenia purpurea in dem Preserve gestaltete sich nicht sonderlich einfach. Der Wald war riesig und es gibt dort auch nur noch sehr wenige Exemplare. Nach einer längeren Suche fanden wir das erste Exemplar. Mitten in einem dicht bewachsenen, dunklen Waldstück stand die Pflanze. Sie sah zwar ganz gut aus, ließ aber das fehlende Licht deutlich erkennen. Später fanden wir noch einige Pflanzen, die direkt unter Büschen wuchsen und wohl fast nie Sonnenlicht abbekommen. Auch hier scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die letzten Pflanzen verschwunden sind.


Sarracenia purpurea im Wald

Zurück im Joseph Pines wollte ich dann unsere Outdoordusche testen. Das Wasser hatte sich über den Tag derartig erhitzt, dass ich mich fast verbrannte. Ich musste tatsächlich noch etwas kaltes Wasser nachfüllen, um die Temperatur auf ein erträgliches Maß abzukühlen. Carsten ging es im Coffin ähnlich. Diesen Abend gab es auch wieder etwas vom Grill und den ein oder anderen Martini.

Bilder dieses Tages

<i>Sarracenia flava</i> - Joseph Pines Preserve - Virginia <i>Sarracenia flava</i> - Joseph Pines Preserve - Virginia <i>Sarracenia flava</i> - Joseph Pines Preserve - Virginia
Sarracenia flava - Joseph Pines Preserve - Virginia Sarracenia flava - Joseph Pines Preserve - Virginia Sarracenia flava - Joseph Pines Preserve - Virginia
 
Pflanze im Straßengraben - Virginia <i>Polygala lutea</i> - Virginia Kiefernwald in Virginia
Pflanze im Straßengraben - Virginia Polygala lutea - Virginia Kiefernwald in Virginia
 
<i>Drosera brevifolia</i> - Sussex County, Virginia <i>Sarracenia purpurea</i> ssp.<i> venosa</i> var.<i> venosa</i> - Sussex County, Virginia <i>Sarracenia purpurea</i> ssp.<i> venosa</i> var.<i> venosa</i> - Isle of Wight County, Virginia
Drosera brevifolia - Sussex County, Virginia Sarracenia purpurea ssp. venosa var. venosa - Sussex County, Virginia Sarracenia purpurea ssp. venosa var. venosa - Isle of Wight County, Virginia
 
 <i>Sarracenia purpurea</i> ssp.<i> venosa</i> var.<i> venosa</i> - Isle of Wight County, Virginia
 Sarracenia purpurea ssp. venosa var. venosa - Isle of Wight County, Virginia